Jetzt wird’s (zu) bunt

Knallige, intensive Farben sind nicht nur im Karneval gefragt. Als unverzichtbare Bestandteile von Nagellacken, Colorationen oder bunten Badezusätzen bringen sie ganzjährig Schwung ins Alltagsgrau. Aber sind die fröhlich leuchtenden Nuancen wirklich immer so harmlos wie sie aussehen? Da sehen wir leider schwarz…

Ob Lidschatten in türkis, Lippenstift in dark berry oder Nagellack in lime grün: Aus der dekorativen Kosmetik sind intensive Farben nicht wegzudenken. Die für die Leuchtkraft eingesetzten Farbstoffe verbergen sich in der INCI hinter verschlüsselten Buchstaben-Zahlen-Kombinationen wie CI 19140 oder E 124. Was dieser Code leider nicht verrät: ob der Ursprung der farbgebenden Zutaten in der Natur oder im Chemielabor liegt. Hier bieten nur bewährte Prüfzeichen wie die von BDIH, NATRUE oder Ecocert die nötige Sicherheit.

Risikofaktor Azofarbstoffe
Gerade brillant leuchtende Farben mit guter Haltbarkeit werden meist durch den Einsatz sogenannter Azofarbstoffe erzeugt. Diese entstehen durch die Kombination von aromatischen Aminen und machen sogar die Kreation von Nuancen möglich, die es in der Natur gar nicht gibt. Zwar dürfen Azofarbstoffe sogar in Lebensmitteln eingesetzt werden, und die gut 2.000(!) Kombinationen sind sehr unterschiedlich – dennoch bergen sie ein enormes Risikopotential. Das liegt vor allem an der chemischen Brücke zwischen den Farbmolekülen:  Wird diese aufgespalten, werden die Azofarben in ihre Ausgangsstoffe, die aromatischen Amine, zurückverwandelt und können Allergien auslösen.

Welche Farbstoffe in Make-up, Cremes und Duschgels verwendet werden dürfen, ist in der Kosmetikverordnung geregelt. Und da wird es erst so richtig kompliziert: Während einige Farbstoffe in Reinigungsprodukten erlaubt sind, ist ihr Einsatz in Cremes verboten, weil der Hautkontakt mit abwaschbarer Kosmetik nur kurz ist, während er bei Pflegeprodukten in der Regel mehrere Stunden dauert. Dabei kann niemand genau sagen, wann und wie schnell die besagten Brücken beispielsweise durch die Einwirkung von Schweiß und Bakterien auf unserer Haut aufbrechen…

Gefährliche Schminkfarben
Als ob das Gefahrenpotential durch Azofarben noch nicht genug wäre, machen Untersuchungen immer wieder deutlich, dass buntes Make-up und insbesondere Karnevalsschminke auch anderweitig belastet sind. Wie Öko-Test im Februar 2016 festgestellt hat, waren mehr als die Hälfte der Produkte im aktuellen Test ungenügend: Vom verbotenen Konservierungsmittel Isobutylparaben über Blei, Nickel und Chrom bis hin zu schädlichen Kohlenwasserstoffen wie MOAH reicht die Palette der nachgewiesenen Schadstoffe. Und das ausgerechnet auch noch in Kinderprodukten.

Natürliche Alternativen
Ob im Fasching oder in der narrenfreien Zeit: In Sachen Farbe sollte man ausschließlich auf pure Natur setzen. Denn in zertifizierter Naturkosmetik sind Azofarben ebenso verboten wie andere fragwürdige Bestandteile aus dem Chemiebaukasten. Stattdessen kommen nur natürliche Pigmente zum Einsatz, die zum Beispiel aus Blüten, Kräutern oder Mineralien gewonnen werden. Die so erzeugten Nuancen haben oft sogar einen positiven Effekt auf die Haut: Natürliches Karotin schützt vor freien Radikalen, Zink lindert Hautirritationen, Lycopin (aus Calendula-Blüten) kurbelt die Hauterneuerung an. Echte Gold- und Silberpartikel sowie fein vermahlene Edelsteine wie Bergkristall, Amethyst, Lapislazuli, Rosenquarz oder Mica sorgen für schimmernde Glamour-Effekte. Brauntöne und Schwarz, die vor allem in Mascara und Kajalstiften eingesetzt werden, setzen sich meist aus Eisenoxiden oder Tonerde zusammen.

Damit sich die naturreinen Rezepturen leicht verteilen lassen und möglichst lange auf der Haut haften, werden die Pigmente in Talkumpuder eingebettet, der aus Speckstein besteht. Fans der natürlichen, dekorativen Kosmetik müssen also kaum Kompromisse eingehen. Einziger Nachteil: Nicht alle Farbgebungen sind mit reinen Naturzutaten möglich. Und intensive Rottöne erreichen bisher die wenigsten Hersteller mit Roter Beete, Sanddorn oder Eisenoxid, sondern mit Karmin – einem roten Farbstoff tierischen Ursprungs. Gerade für Vegetarier und Veganer ist das ein NoGo. Ein prüfender Blick in die INCI-Liste schadet also nie.

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