Hanf: berauschender Beauty-Rohstoff?

Sein Öko-Image ist Cannabis längst los – zumindest, wenn es um seinen Einsatz in der Schönheitsindustrie geht. Immer mehr Marken entdecken das Potential von Hanf für Haut und Haar. Aber ist der Rohstoff eigentlich legal? Und entfaltet er auch als Beauty-Hero seine Rauschwirkung?
Hanf Naturkosmetik

Sie hatten ihn alle: Mode- und Beautymagazine bis hin zu Lifestyle-Plattformen haben den Hanf-Trend bereits gehyped. Aus gutem Grund, denn der Rohstoff bringt eine Vielzahl an Talenten mit. Genauer gesagt geht es um den Stoff CBD, der in Hanf enthalten ist. Aber was hat es damit auf sich?

CBD einfach erklärt

CBD oder Cannabidiol ist ein Phytocannabinoid und damit eines von über einhundert identifizierten Cannabinoiden, welche in der Hanfpflanze zu finden sind. Mengenmäßig können in Cannabisextrakten über 20 Prozent CBD enthalten sein, was es zu einem der beiden bekanntesten Wirkstoffe von Cannabis macht. Sein „großer Bruder“  THC (Tetrahydrocannabinol) ist vor allem für seine psychoaktiven Effekte bekannt. CBD hingegen verursacht keine Rauschzustände. Vor allem aus diesem Grund war der öffentliche Handel mit CBD-Produkten ohne Einschränkungen erlaubt – solange deren Einsatz einzig als Nahrungsergänzungsmittel oder als Kosmetik geplant war. Zumindest bisher. Aber dazu später mehr.

Um die Stoffbetrachtung abzuschließen, ist CBD bei Raumtemperatur eine farblose und geruchsneutrale Kristallsubstanz. Sie ist schlecht in Wasser löslich – aber dafür löst sie sich sehr leicht in Fett. Das macht CBD geradezu prädestiniert für den Einsatz in Cremes und Co.

Cannabis macht schön

Das enthaltene Vitamin E hilft dem Haar bei der Regeneration. Auch der hohe Proteingehalt in Hanföl revitalisiert insbesondere geschädigtes Haar, indem er die Keratinsubstanz stärkt und für Elastizität sorgt. Essentielle Fettsäuren spenden Feuchtigkeit und sorgen zudem für eine Stimulation des Haarwuchses. Gamma-Linolensäure hält die Kopfhaut feucht und verringert Schuppenbildung.

Die Haut profitiert vor allem von den entzündungshemmenden Eigenschaften von Cannabis: Es stärkt die natürlichen Schutzfunktionen und sorgt für Glow. Die Zellregeneration wird vor allem durch die Nutzung von Hanf in Verbindung mit Feuchtigkeit spendenden Ölen angeregt. Ein Auftragen auf die Haut sorgt zudem für einen wissenschaftlich bestätigten Anti-Aging-Effekt, der unter anderem durch das Abblocken schädlicher Sauerstoffpartikel hervorgerufen wird. Veröffentlicht wurde dies bereits 2013 in einer Studie im englischen Journal für Pharmakologie.

Hanf Naturkosmetik
© Demi Pradolin on Unsplash
Hanf als Hauthelfer

Auch Allergiker können Hanf gegen Ekzeme, Schuppenflechte und Hautausschläge einsetzen, ebenso Akne-Patienten: Wissenschaftler der Universität Debreczyn präsentierten 2009 auf einer Konferenz der International Cannabinoid Research Society die Wirkung von CBD auf Zellkulturen menschlicher Talgdrüsen. Das Team beobachtete, dass Hanf effektiv eine gesteigerte Produktion von Talg verhinderte. Die ungarischen Wissenschaftler verwiesen außerdem darauf, dass ein Pickel nichts anderes als eine Entzündung der Talgdrüse sei. Demnach vermindert CBD nicht nur eine übermäßige Talgproduktion, sondern bekämpft dank seiner natürlichen Eigenschaften auch die Entzündung bei Akne.

Cannabis in der Kritik

Trotz aller Vorteile: Behörden stehen Hanf-Produkten aller Art noch immer kritisch gegenüber. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), hat den Wirkstoff Cannabidiol zwar als kaum psychoaktiv eingestuft und per Ausnahmebestimmung zur industriellen Verarbeitung freigegeben – aber die Abgabe zum Zwecke des Eigenverbrauchs verboten. Auch das Bundesministerium für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) überprüft derzeit insbesondere CBD-Öle auf Anteile an berauschendem THC, die bei überschrittenen Grenzwerten gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen. Erst jüngst gab es in einigen Teilen Deutschlands Razzien und die Drogeriemärkte „Rossmann“ und „dm“ haben bis auf weiteres reine CBD-Öle aus dem Einzel- und Onlinehandel genommen. Kosmetika sind bei den beiden Branchengrößen aktuell weiterhin erhältlich. Und das obwohl bei Kontrollen in einigen Läden auch Kosmetikprodukte von den Behörden mitgenommen wurden.

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© Esteban Lopez on Unsplash

Es wird außerdem versucht, die Verbreitung von Produkten mit Cannabis auf Basis der kürzlich überarbeiteten Novel-Food-Verordnung der EU stark einzugrenzen: Das Regelwerk besagt, dass Produkte aus natürlicher Herstellung nicht unter die Reglementierung fallen und weiter frei verkauft werden dürfen. Erfüllen Waren diese Anforderungen nicht, müssen Hersteller sie durch aufwendige Prüfungen autorisieren lassen und sie vorher zumindest aktuell nicht im Handel anbieten. Anwälte aus England haben nun angekündigt die Novel-Food-Verordnung gegen CBD-Produkte bei der EU anzufechten.

Und nun?

Es herrscht insgesamt große Verwirrung auf dem Markt. Der Kauf und Verkauf ist vor allem bei reinem CBD-Öl derzeit kritisch. Kosmetika mit geringer Konzentration können nach aktuellem Stand (noch) ohne Risiko gehandelt werden. Es wäre in Anbetracht der vielseitigen Wirkweisen von Hanf tatsächlich schade, wenn sie aus den Regalen verschwinden würden.

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Ein Gedanke zu „Hanf: berauschender Beauty-Rohstoff?“

  1. Ich setze mich immer mehr mit Naturkosmetik auseinander und bin dabei auf Hanf gestoßen. Auch ich habe mir die Frage gestellt, inwieweit es legal ist und inwieweit die berauschende Wirkung nachlässt. Interessant, dass Hanf sowohl bei Akne als auch bei Schuppenflechte hilft. Noch bin ich mir unsicher was ich davon halte aber der Artikel hat mir schon einmal eine neue Sichtweise auf das Thema gegeben, Danke!

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