Bakterien – Helden für unsere Haut

Bei Bakterien denkt man sofort an Keime und Verunreinigungen. Nichts, was man auf der Haut haben möchte… oder? Tatsächlich tut das schlechte Image den Mikroben allzu oft Unrecht, denn je nach Art können sie nicht nur wichtig für eine gesunde Hautbarriere sein, sondern bereichern auch unsere Kosmetik.
FAKTEN Bakterien – Die Helden auf unserer Haut Bild: naturalbeauty.de

Allem Hygienewahn zum Trotz wird unser größtes Organ auch nach hundert Wäschen nicht frei von Bakterien sein. Die Mikroben gehören zum Menschsein und unserer Haut einfach dazu – und das ist gut so. Mehrere hundert bis tausende verschiedene Bakterienarten tummeln sich auf unserem größten Organ. Insgesamt bewirten wir mehrere Millionen „Gäste“ – pro Quadratzentimeter Haut! Zum Glück sind nicht alle von ihnen ein Risiko: Einige dieser Kleinstlebewesen spielen nämlich eine wichtige Rolle bei der Abwehr von Krankheitserregern und aktivieren unser Immunsystem. Und diese „guten“ Bakterien bilden sogar einen regelrechten Schutzmantel.

Haut-Mikrobiom – sensibel und einzigartig

Jede Haut hat ein individuelles Mikrobiom. Darunter versteht man die Gesamtheit aller Mikroorganismen, die sich auf ihrer Oberfläche befinden – gute wie schlechte. Unterschiedlichste Faktoren beeinflussen, wie sich das eigene Mikrobiom zusammensetzt. Aber eins haben alle gemeinsam: sie sind überaus empfindlich. Die fehlmotivierten Hygienestandards der Moderne stellen das Mikrogefüge auf eine harte Belastungsprobe. Das Problem: Übertriebene Hygiene stört den natürlichen Säureschutzmantel unserer Haut, welcher wiederum der Lebensraum des Mikrobioms ist. Bei übermäßiger Nutzung von Desinfektionsmitteln und Antibiotika kann dieses unmöglich seine Balance halten. Aber auch die Säuberung mit Seife, ausgiebiges, zu heißes Duschen oder lange Bäder bringen das natürliche Gleichgewicht auf unserer Haut durcheinander. Mit beeindruckender Beharrlichkeit regeneriert sich das komplexe Gefüge zwar, allerdings werden dafür circa 72 Stunden benötigt. Bedenkt man, wie viele Menschen täglich duschen, wird schnell klar, dass die Zeit zwischen zwei Körperreinigungen dem Mikrobiom kaum ausreicht, um sich vollständig zu regenerieren. Bei nachhaltiger Schädigung dauert es sogar einen ganzen Monat, bis es sich von den Strapazen erholt hat und der Schutzmechanismus wieder rund läuft.

Bakterien für die Schönheit?

In den vergangenen 15 Jahren hat sich viel in Sachen Mikrobiom-Forschung getan. Erst dabei wurde entdeckt, wie wichtig Bakterien für unsere innere und äußere Gesundheit sind und dass sie unsere Haut schützen. Diese revolutionären Erkenntnisse waren jedoch ein stiller Erfolg – denn für Marketing-Zwecke eignen Mikroorganismen sich nicht. Obwohl sie überall auf und in uns beheimatet sind, lässt sich mit Kleinstlebewesen schlecht Werbung machen. Trotzdem macht die Kosmetik sich die Erkenntnisse zu Nutze…

Naturkosmetik: Fermentation und Probiotik

Viele wissen es gar nicht, aber Bakterien im Tiegel sind absoluter Trend. Immer mehr Beauty-Produkte setzen auf Fermentation und Probiotik.

Bei der Fermentation werden organische Stoffe enzymatisch umgewandelt. Wie das funktioniert? Durch Zugabe von Zellkuren, zum Beispiel Milchsäurebakterien. Der Vorteil fermentierter Beautyzutaten: Sie gelten als besonders bioverfügbar, können also schneller von der Haut aufgenommen werden. Gleichzeitig wird das allergene Potential bestimmter Inhaltsstoffe gesenkt, wenn diese fermentiert werden.

Bei probiotischen Beautyprodukten geht es dafür ganz gezielt um die Erhaltung des Mikrobioms unserer Haut. Auch hierfür werden unter anderem Milchsäurebakterien eingesetzt. Während herkömmliche Rezepturen den Säureschutzmantel häufig angreifen und damit diesen wichtigen Schutzfilm zerstören, will probiotische Kosmetik die natürliche Balance unserer Haut unterstützen. So gibt es beispielsweise Salben, welche die Haut unterstützen sollen, wenn sich das Mikrobiom nach dem Waschen regenerieren muss.

Gesund und wichtig

Wir finden: Schön, dass sich immer mehr Hersteller an das Thema Bakterien herantrauen – und das, obwohl die Vorteile von Mikroorganismen schwer zu kommunizieren sind. So entdecken auch immer mehr Konsumenten die Vorteile von fermentierter und/oder probiotischer Kosmetik für sich. Berührungsängste muss man mit diesen Exemplaren von Kleinstlebewesen gewiss nicht haben…

Weitere Informationen rund um das hauteigene Mikrobiom und viele weitere Facts zu unserem größten Organ gibt es in dem humorvollen Buch „Hautnah“ von Dr. med. Yael Adler. Hier haben wir Euch dieses Buch bereits als Lesetipp vorgestellt.

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