Free from & Co.: Neuregelungen für Werbeaussagen

Trügerische Versprechen, die zum Kauf verlocken: „Ohne dies, ohne das, ohne jenes“ ziert in bunten Aufschriften viele Kosmetikprodukte. Leider sind diese Verzichtserklärungen nicht selten irreführend. Zum 01. Juli 2019 sind deshalb Neuregelungen für Marketingaussagen in Kraft getreten. Aber wie hilfreich sind diese?
Free from Gesetz

Aussagen wie „frei von Silikonen“, „ohne Parabene oder „ohne Konservierungsstoffe“ klingen für viele Verbraucher vielversprechend. Was nicht im Produkt enthalten ist, verrät „Free from“-Kosmetik auf den ersten Blick, aber nur bei genauem Hinsehen entdeckt man, welche anderen, möglicherweise ebenso zweifelhaften Rohstoffe, in einer Rezeptur enthalten sind. Und gerade die verwendeten Ersatzstoffe sind oftmals noch kritischer zu betrachten…

Schluss mit „Frei von…“-Werbung?

Die europäische Gesetzgebung zum Inverkehrbringen von kosmetischen Mitteln hat zum 01. Juli 2019 ein Update bekommen. Dieses betrifft bestimmte Marketingaussagen, unter anderem Claims, die Produkte als „Frei von…“ bewerben.

Wahrheitsgehalt und Selbstverständlichkeiten

Eine Überraschung für Viele: Bislang war nicht einmal der Wahrheitsgehalt gesetzlich geregelt – erst jetzt darf „Free from…“ nur dann auf dem Produkt stehen, wenn der hervorgehobene Stoff tatsächlich nicht enthalten ist…

Der aussagekräftige Claim „erfüllt die Vorschriften der Kosmetikverordnung“ ist nicht zulässig – schließlich müssen alle in Europa in Verkehr gebrachten Produkte diese erfüllen. Auch Stoffe, die durch die Kosmetikverordnung ohnehin nicht zulässig sind, dürfen nicht mehr als abwesend ausgelobt werden (z.B. Corticosteroide). Wenn ein Stoff per se nicht Bestandteil einer INCI ist, aber durch andere Inhaltsstoffe freigesetzt werden kann, darf ein Produkt nicht als „frei von…“ bezeichnet werden (z.B. Formaledhyd).

(Übertriebene) Genauigkeit?

Auch beliebt: Die Kennzeichnung „Frei von Konservierungsstoffen“, obwohl ein Produkt trotzdem Inhaltsstoffe enthält, die gegen Verderb schützen und nicht im ANNEX V der Kosmetikverordnung 1223/2009 stehen (z.B. Alkohol). Das ist nun nicht mehr zulässig – für Menschen mit sensibler Haut sicher eine Erleichterung beim Einkauf.

Etwas schwieriger sieht es bei der Kennzeichnung von Duftstoffen aus: „Frei von Parfüm“ darf nicht mehr genutzt werden, wenn ein Inhaltsstoff mit anderer Funktion im Produkt einen Duft erzeugt. Gerade bei Naturkosmetik ein Knackpunkt. Und im Grunde müssen Allergiker weiterhin unterscheiden, ob ein Produkt wirklich parfümfrei oder lediglich duftneutral ist…

Gefahr der Verunglimpfung

Auch der Claim „Frei von Parabenen“ wird ab sofort nicht mehr akzeptiert: Die EG Verordnung 1223/2009 erlaubt die Nutzung bestimmter Parabene und stuft diese als sicher ein. Der „Free from“-Claim stellt gemäß der neuen Regelung eine Verunglimpfung der gesamten Gruppe dar. Ebenso verhält es sich mit Phenoxyethanol und Triclosan, die gemäß Verordnung autorisiert sind und nicht verunglimpft werden dürfen. Ob das der richtige Ansatz ist? Auf Basis dieser Regelung dürften eigentlich auch natürliche ätherische Öle nicht länger als potentielle Allergene verrufen werden – finden im Update aber keinerlei Erwähnung.

Die Neuregelung verbietet außerdem bestimmte Aussagen zur Verträglichkeit: „Gut verträglich, weil es keine Mineralöle enthält“ oder „ Geringes Allergierisiko, da ohne Konservierungsstoffe“ gelten demnach als unfaire Aussagen gegenüber anderen Produkten und wecken unerwünschte Vermutungen.

Rohstoffwirkung vs. Produktwirkung

Das Update betreffend der Wirksamkeit von Rohstoffen vs. ihrer Wirkung im jeweiligen Produkt dürfte für mehr Klarheit  für den Verbraucher sorgen: Ist zum Beispiel ein Feuchtigkeitsspender enthalten, reicht es nicht mehr, die Wirkaussage dem Rohstoff zuzuschreiben. Die Wirkung darf nur dann Erwähnung finden, wenn sie auch vom Produkt erzielt wird (z.B. Aloe vera).

Mehr als nur ein Duft: echter Rohstoff statt Aroma

Wird mit einer enthaltenen Zutat geworben, muss sie auch tatsächlich im Tiegel stecken – ein Aroma reicht nicht aus (z.B. Honig). Das dürfte Green Washing zumindest ein Stück weit erschweren…

Alles in allem sind viele Details der Neuregelung sinnvoll. Andere hingegen wurden nicht zu Ende gedacht. Es wird wohl nicht das letzte Update zum Thema Werbeaussagen bleiben…

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