Tierversuche in China: Gelockerte Regelungen und tierleidfreie Methoden

Wer als Unternehmen Kosmetik nach China exportieren wollte, musste bislang Tierversuche in Kauf nehmen. Diese Regelung soll nun gelockert werden. Außerdem hat die chinesische Regierung zwei neuen tierleidfreien Testmethoden zugestimmt.
Tierversuche in China

Für den Import und Vertrieb von kosmetischen Produkten in China ist für ausländische Hersteller eine Registrierung bei der CFDA (China Food and Drug Administration) notwendig. Sie muss gemäß der „Verordnung über die Hygieneüberwachung von Kosmetikprodukten“ durchgeführt werden und beinhaltet neben dem Einreichen diverser Antragsunterlagen auch das Durchführen von Tierversuchen. Ohne eine Registrierung ist die Zollabwicklung nicht möglich – und somit auch kein Markteintritt.

Neue Wege: Tierversuche nicht länger verpflichtend?

Seit März 2017 gelten neue Regeln – sofern die Beauty-Produkte über Shanghai Pudong eingeführt werden. Nutzen die Firmen diesen Weg und ein bestimmtes Archivsystem zur Anmeldung, kann damit der bisherige Registrierungsprozess und somit auch die Tierversuche umgangen werden. Es bleibt abzuwarten, ob die vereinfachte Zulassungsmethode sich bewährt und China sich auch insgesamt für den Verzicht auf Tierversuche für Kosmetik entscheidet.

Offenbar scheint auch der direkte Weg in den chinesischen Markt Stück für Stück geebnet zu werden: Wie die Gansu Province National Medical Products Association laut Livekindly kommuniziert hat, sollen fertige Kosmetikprodukte, ganz gleich ob im Land produziert oder eingeführt, nun nicht mehr an Tieren getestet werden müssen, um in China zugelassen zu werden. Ein Verbot für die Tests gibt es zwar nicht, aber immerhin steht es Unternehmen jetzt offiziell frei, ob sie tierleidfreie Methoden verwenden oder nicht. Die Tierrechts Organisation Cruelty Free International (CFI) wertet dies als wichtigen Schritt.

Dennoch sind Tierversuche für kosmetische Artikel in China noch nicht beendet, wie PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) in aktuellen Meldungen betont. Demnach muss jedes Unternehmen, das bestimmte Kosmetika nach China importiert, die chinesische Regierung unter Umständen nach wie vor dafür bezahlen, diese Produkte an Tieren testen zu lassen. Zudem müssen auch alle Kosmetika, die unter die Kategorie „special-use“ fallen, weiterhin an Tieren getestet werden, sofern sie in China verkauft werden – unabhängig davon, wo sie hergestellt wurden.

Neue tierleidfreie Testmethoden

Einen Fortschritt gibt es dennoch, denn gerade hat die chinesische Regierung zwei weitere tierfreie Testmethoden für Kosmetik in China zugelassen. Bei den beiden Tests handelt es sich um den Peptid-Reaktions-Assay zur Hautsensibilisierung und den Short-Time-Exposure-Assay zur Augenirritation. Die Testverfahren werden unzähligen Tieren Leid und Schmerz ersparen – denn in den bisherigen Tierversuchen wurden ihnen zum Teil reizende Substanzen in die Augen geträufelt bzw. auf die Haut gerieben.

Dieser wichtige Durchbruch ist der Arbeit der Wissenschaftler und Regulierungsspezialisten am Institute for In Vitro Sciences (IIVS) zu verdanken. PETA und das IIVS hatten Gelder bereitgestellt, mit denen chinesische Wissenschaftler in modernen tierfreien Methoden ausgebildet und Behörden über die entsprechenden Möglichkeiten informiert wurden.

Mei Gräfe, Geschäftsführerin der Intergate Consulting GmbH  und Expertin für den Chinesischen Kosmetikmarkt, rät dennoch zur Vorsicht: „Es ist sicherlich erfreulich zu sehen, dass es Fortschritte in Sache Tierversuche gibt, weil das Thema für Naturkosmetikunternehmen, mittlerweile aber auch für viele konventionellen Marken, eine entscheidende Bedeutung bei der Überlegung der Marktexpansion nach China hat. Auf der anderen Seite dauert es aber seine Zeit, bis die Ersatztestmethoden tatsächlich in der Praxis umgesetzt werden können. Am 11.11.2016 wurde die 3T3 Neutral Red Uptake Phototoxicity assay als Ersatztestmethode in The Cosmetics Safety Regulation eingetragen. Aber ob die Methode in der Praxis bereits flächendeckend umgesetzt wird, ist sehr fraglich. In unserem täglichen Umgang mit den Authorities und den Testinstituten wissen wir, dass noch hohe Skepsis an der „Wirksamkeit und der Sicherheit“ der Ersatztestmethoden herrscht und es noch keine offiziellen Verbote von Tierversuchen gibt.“

Cruelty free? Nicht unbedingt…

Was bedeutet das nun für europäische Verbraucher, die Wert auf tierleidfreie Kosmetik legen? Nach aktuellem Stand können sie kaum darauf vertrauen, dass ihr Lieblingsprodukt am anderen Ende der Welt nicht grausamen Testmethoden unterzogen wird. Sicherheit bieten bis zur endgültigen Abschaffung von zweifelhaften Registrierungsvorschriften und Tierversuchen für Kosmetik in China auch weiterhin lediglich Qualitätszeichen wie die von BDIH und IHTK.

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