Ätherische Öle – hormonelle Nebenwirkungen?

Die Nachricht klingt erschreckend: Laut aktueller Medienberichte kommt eine US-Studie zu dem Schluss, dass ätherische Öle den Hormonhaushalt stören können. Was ist dran an den Untersuchungen und bestehen wirklich gesundheitliche Risiken?

Bereits vor 11 Jahren führte eine im Februar 2007 veröffentlichte wissenschaftliche Arbeit zu reißerischen Meldungen: Die „National Institutes of Health“ in den USA hatten Lavendelöl und Teebaumöl unter die Lupe genommen. Eine Untersuchung zeigte, dass Bestandteile der Öle wie das weibliche Sexualhormon Östrogen wirken. Gleichzeitig wurde die Aktivität des männlichen Sexualhormons Testosteron gehemmt. Kommt man mit solchen endokrinen Disruptoren regelmäßig in Kontakt, kann das gesundheitliche Folgen haben. Zum Internationalen Fachsymposium ENDO 2018, welches im März 2018 in Chicago stattfand, wurde nun eine Pressemeldung herausgegeben, die sich auf einen Vortrag am 19. März bezieht und das Thema erneut aufgreift. Die Mediendarstellungen hierzu waren jedoch sehr undifferenziert. Die beiden Aromatherapie-Vereinigungen Forum Essenzia und ÖGwA haben deshalb eine umfassende Stellungnahme veröffentlicht.

Das steckt hinter der „Studie“

In der Originalmeldung heißt es, dass insgesamt 8 Inhaltsstoffe von ätherischem Lavendel- und Teebaumöl eine östrogenartige Wirkung haben, die bei vorpubertären Jungen ein Brustwachstum auslösen kann. Basis hierfür waren lediglich drei Fallstudien von Jungen im Alter von viereinhalb, zehn und knapp acht Jahren, die bereits 2007 veröffentlicht wurden. Aufgrund dieser Berichte und zusätzlichen Untersuchungen an Zellen im Reagenzglas stellten die Autoren damals die Vermutung an (so ihr eigener Wortlaut), dass die wiederholte Anwendung von Lavendel- oder Teebaumöl-haltigen Produkten die Ursache des beobachteten Brustwachstums gewesen sei.

Für und Wider

Für einen Zusammenhang in diesen drei Fällen spricht, dass die Brust-Rückbildung bei den Jungen zeitlich mit dem Absetzen der kosmetischen Produkte zusammentraf. Doch andere Ursachen können nicht ausgeschlossen werden: Das vorpubertäre Brustwachstum konnte durch viele Stoffe im Lebensumfeld der Kinder ausgelöst werden. Häufige Ursachen sind zum Beispiel auch Isoflavone aus Soja-Produkten und Weichmacher in Kunststoffprodukten, die in den USA exzessiv benutzt werden. Das Gleiche gilt für die Versuche im Labor: Hier kamen Kunststoffplatten zum Einsatz, welche Bisphenole und Phtalate enthalten. Diese Weichmacher können durch die Verwendung von wenig oder gänzlich unverdünnten ätherischen Ölen aus den Kunststoffmaterialien gelöst worden sein und die negative Wirkung in den Zellkulturen ausgelöst haben.

Darüber hinaus benannten die Autoren in ihrem Artikel selbst weitere Inhaltsstoffe in den Pflegeprodukten als mögliche Auslöser des Brustwachstums – diese Quellen wurden aber nicht getestet. Auch die Qualität der ätherischen Öle oder die Konzentration, in der diese in den verwendeten Pflegeprodukten enthalten waren, fanden keine Berücksichtigung. Um einen kausalen Zusammenhang herstellen zu können, braucht es aber klinische Studien, in denen solche zusätzlichen Einflussfaktoren erfasst und kontrolliert werden. Definitiv zu viele Unbekannte, um eine fundierte Aussage treffen zu können.

Ist Naturkosmetik sicher?
MAGAZIN Ätherische Öle - hormonelle Nebenwirkungen? Bild: pixabay
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Wir haben hierzu auch mit Gian Furrer, Geschäftsführung der Farfalla Essentials AG gesprochen, um eine weitere Expertenmeinung zu den Berichten einzuholen:

„Selbstverständlich ist es richtig, dass ätherische Öle Substanzen mit hormonellen Eigenschaften enthalten können. Ebenso korrekt ist, dass unsachgemäße und überdosierte Anwendungen Nebenwirkungen hervorrufen können“, so Furrer.

Es kommt also immer auf die Art der Verwendung an: „farfalla trägt diesem Umstand Rechnung, indem sie seit über 30 Jahren über ihre firmeneigene Akademie Wissen über den korrekten Umgang mit ätherischen Ölen vermittelt. Zudem wird in höchstem Maß auf die Qualität der in der Aromapflege und -therapie verwendeten Rohstoffe geachtet. Beim Gebrauch von ätherischen Ölen verweisen wir auf unsere Empfehlungen für die Anwendung und den Gebrauch. Wenn diese eingehalten werden, gibt es auch hier keinen Grund für Bedenken“, so der Geschäftsführer.

Risikogruppe Jungen?

Was speziell die Verwendung von Pflegeprodukten mit ätherischen Ölen bei Jungen vor ihrer Pubertät betrifft, bestehen laut Forum Essenzia und ÖGwA keine grundsätzlichen Einschränkungen. Sollten hier Nebenwirkungen auftreten, sollte ein Arzt konsultiert werden und die Verwendung von ätherischen Ölen pausiert werden. Es müssen dennoch immer auch andere Ursachen geprüft und bei Bedarf der Hormonstatus erhoben werden.

Fazit

Fakt ist: Ätherische Öle sind wirksame Stoffgemische und viele ihrer Wirkungen sind bisher unzureichend in der Klinik erforscht. Deshalb ist vor allem bei der Dosierung von selbsthergestellten Pflegecremes Vorsicht geboten. Fertige Naturkosmetikprodukte hingegen müssen durch vom Gesetzgeber vorgegebene strenge Sicherheitsbewertungen, Grenzmengen kritischer Wirkstoffe sowie dermatologische Tests einiges an Vorgaben erfüllen, um überhaupt in den Handel zu gelangen. Gefahrenpotential besteht hier kaum.

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Ein Gedanke zu „Ätherische Öle – hormonelle Nebenwirkungen?“

  1. Bei selbsthergestellter Naturkosmetik wäre ich auch immer besonders vorsichtig. Ich persönlich setze auch nur auf zertifizierte Produkte, welche für den Markt freigegeben wurden. Mir ist es auch besonders wichtig dass es sich um renommierte Läden handelt, in denen ich einkaufe. Dieses Öl nutze ich regelmäßig und denke, dass auch für Kinder unbedenklich ist. https://www.tobs-beauty.com/products/argan-ol. Auch weil es sich bei Mühle Organic um eine etabilerte Marke der Branche handelt.

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