Du kommst hier nicht rein: Triclosan

Triclosan wird überall dort eingesetzt, wo Bakterien gekillt werden sollen, z. B. in Pickelcremes, Zahnpasta, Seife oder Deos. Leider tut diese Chemikalie das so gründlich, dass die Haut aus dem Gleichgewicht gerät und in hohen Dosen sogar Muskeln und Herz geschwächt werden können. Kein Wunder, dass Triclosan in Naturkosmetik tabu ist!
Du kommst hier nicht rein: Triclosann Bild: pixabay
Wie findet man Triclosan in der INCI-Liste?

Im Gegensatz zu anderen Inhaltsstoffen, deren Namen für Laien oft schwer zu entschlüsseln sind, ist es in diesem Fall ganz leicht. Triclosan heißt nämlich auch in der Zutatenliste schlicht und einfach Triclosan.

Was ist Triclosan eigentlich?

Die auch als 5-Chlor-2-(2,4-dichlorphenoxy)-phenol bezeichnete chemische Substanz ist ein kristallines Pulver, das desinfizierend wirkt und so das Wachstum von Bakterien hemmt. 1986 wurde es durch die EU als Konservierungsstoff für Kosmetik zugelassen, allerdings nur bis zu einer Höchstmenge von 0,3 Prozent.

Was bewirkt Triclosan und wo wird es eingesetzt?

Obwohl Triclosan ja eigentlich zur Haltbarkeitsverlängerung erlaubt worden war, machte es rasch Karriere als Wirkstoff. Wegen seines keimtötenden Effekts wird es vor allem in Beautyprodukten eingesetzt, die Bakterien oder Gerüchen den Kampf ansagen, z. B. Zahnpastas, Seifen, Mundwässer, Deos und Anti-Pickel-Cremes. Es gibt aber auch noch weitere Einsatzgebiete. In Arztpraxen und Krankenhäusern wird Triclosan als Desinfektionsmittel genutzt. Außerdem findet man es in Reinigungs- und Waschmitteln sowie antibakteriell beschichteten Müllbeuteln. Teppiche, Schuhe, Matratzen und Sportwäsche, die frisch duften und für Allergiker geeignet sein sollen, sind oft mit Triclosan imprägniert und moderne Handlüfter, die beim Trocknen auffällig „sauber“ riechen, pusten es in die Luft. Misstrauisch werden solltet Ihr bei Gebrauchsgegenständen stets dann, wenn darauf Begriffe wie „Microban“ oder „Sanitized“ auftauchen. Dann steckt meist Triclosan drin.

Warum ist Triclosan problematisch?

Dafür gibt es leider eine ganze Reihe von Gründen. Zum einen zerstört Triclosan nicht nur schädliche, sondern auch nützliche Bakterien auf der Haut – ähnlich wie ein Antibiotikum. Dadurch kann sie sich schlechter gegen äußere Einflüsse wehren, reagiert mit Irritationen und Juckreiz. Auch Allergien gegen Triclosan sind nicht selten. Da die Verwendung von triclosanhaltigen Reinigungsmitteln dazu führen kann, dass Krankheitskeime resistent werden, rät das Bundesinstitut für Risikobewertung davon ab, sie in normalen Haushalten zu benutzen. Doch damit nicht genug. Die Universität Kalifornien hat herausgefunden, dass durch häufigen Kontakt mit Triclosan die Kommunikation zwischen Nerven und Muskeln gestört werden kann. Arme und Beinen werden geschwächt und im schlimmsten Fall ist sogar das Herz betroffen. Nachdem asiatische Forscher nachweisen konnten, dass triclosanhaltige Sportsocken in der Sonne krebserregende Dioxine bilden, wurde in Japan der Einsatz in Textilien verboten. Fragt sich nur, warum Triclosan immer noch in Kosmetik eingesetzt werden darf. Das Scientific Committee on Consumer Safety (SCCS) hat zwar 2011 empfohlen, die bislang zugelassene Triclosan-Grenze von 0,3 Prozent zu überdenken – allerdings nur in Bezug auf Bodylotions, da sie großflächig eingesetzt werden und über Stunden auf der Haut bleiben, und in Mundwässern. Bei Produkten, die mit Wasser abgespült oder nur an kleineren Hautpartien angewendet werden, etwa Zahnpasta, Seife oder Deos, sieht das wissenschaftliche Gremium dagegen keinen Handlungsbedarf. Das führt indirekt auch zum letzten großen Minus dieser Chemikalie: Triclosan landet nicht nur im Abfluss, sondern belastet auch zunehmend unsere Gewässer.

Unser Fazit

In Krankenhäusern, in denen Patienten mit schweren, ansteckenden Infektionen behandelt werden, mag Triclosan als Desinfektionsmittel seine Berechtigung haben. In alltäglicher Pflege schadet diese Chemikalie mehr, als sie nützt. Dabei ist es gar nicht nötig, mit Kanonen auf Spatzen zu schießen. Um Keime zu kontrollieren und die Haltbarkeit von Produkten zu verlängern, setzen Naturkosmetikhersteller vor allem auf ätherische Öle. Hochwirksam und trotzdem verträglich sind z. B. Salbei, Thymian, Minze, Manuka oder Nelken. Auch ein wenig Alkohol in der Rezeptur hilft, Pickel, Schweißbakterien oder zu raschen Verderb zu verhindern. Die Verpackung in Tuben oder Airless-Spendern, durch die der Inhalt weniger mit Licht, Luft und Fingern in Kontakt kommt, verlängert zusätzlich die Haltbarkeit. Es ist nicht nachzuvollziehen, warum Triclosan trotz warnender Studien immer noch so sorglos in konventioneller Kosmetik, Kleidung und Teppichen verwendet wird. Damit nimmt man Gesundheitsschäden und Umweltbelastungen in Kauf, die dem Nutzen einfach nicht angemessen sind.

Hier findet Ihr alle Beiträge unserer Serie „Du kommst hier nicht rein“.

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2 Gedanken zu „Du kommst hier nicht rein: Triclosan“

  1. Ich bin sehr dankbar für diese Informationen und komme wieder zu dem Schluss, dass alles, was der Wirtschaft dienlich ist, gnadenlos benützt wird.
    Ich hätte gerne noch gewußt, ob „Tridosan“ ebenfalls eine Umschreibung von
    Troclosan ist. Tridosan ist bei den Inhaltsstoffen des Deos von „For ever living products Aloe Vera“

    Vielen Dank

    1. Liebe Gerda,

      das ist leider wahr. Nach Prüfung der Angaben auf der Website müssen wir dir leider auch sagen, dass forever living products Rohstoffe einsetzt, die die dort angebotene Kosmetik klar der konventionellen zuordnet. Das Deo enthält Triclosan, in Lotionen findet man PEGs und weitere Inhaltsstoffe chemischen Ursprungs. Die Angabe „geprüft und für gut empfunden“ lässt die Frage offen: Geprüft von wem und nach welchen Kriterien. Leider ein Paradebeispiel für Green Washing und irreführende Angaben.

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