Du kommst hier nicht rein: Thioglykolsäure

Gerade jetzt im Sommer kommen viele von uns damit in Berührung: Thioglykolsäure steckt nicht nur in Dauerwellmitteln, sondern vor allem in Enthaarungscremes. Kann diese übel riechende Chemikalie, die Haare innerhalb weniger Minuten auflösen kann, überhaupt gesund sein? In Naturkosmetik ist sie jedenfalls tabu!
Wie findet man Thioglykolsäure in der INCI-Liste?

Diesen Stoff in der Zutatenliste zu entdecken, ist zum Glück ganz einfach. Er heißt nämlich „Thioglycolic Acid“, was ja dem eigentlichen Namen stark ähnelt.

Was ist Thioglykolsäure eigentlich?

Bei Thioglykolsäure, die auch Mercaptoessigsäure genannt wird, handelt es sich um eine farblose, aber höchst geruchsintensive, chemische Flüssigkeit. Ihr bestialischer Gestank entsteht vor allem durch den hohen Schwefelgehalt. Seit den 1940er Jahren wird die brennbare, alkoholähnliche Substanz regelmäßig in der Kosmetikbranche verwendet.

Was bewirkt Thioglykolsäure und wo wird sie eingesetzt?

Da Thioglykolsäure einen sehr hohen pH-Wert hat und stark ätzend wirkt, ist sie in der Lage, die Keratinbrücken in unseren Haaren aufzuweichen, die für dessen Struktur verantwortlich sind. Der Amerikaner Everett McDonough kam deshalb auf die Idee, die „kalte Dauerwelle“ zu entwickeln: Mit dieser Erfindung war es erstmals möglich, glatte Haare allein durch den Einsatz chemischer Hilfsmittel dauerhaft in Locken zu verwandeln. Ein echter Durchbruch, denn bis dahin waren Dauerwellen nur in Kombination mit kochend heißen Brennzangen machbar, die häufig zu schweren Verbrennungen auf der Kopfhaut führten. Damit sich nach dem Verformen des Haares die Keratinbrücken wieder schließen und stabil bleiben, muss die Thioglykolsäure anschließend durch Wasserstoffperoxid neutralisiert werden. Täte man das nicht, würden sich die Haare schlichtweg auflösen. Genau diese Eigenschaft macht die Chemikalie natürlich interessant für Enthaarungscremes, in der Thioglykolsäure als zentraler Inhaltsstoff gilt. Schon nach wenigen Minuten Einwirkzeit lassen sich störende Härchen unter den Achseln oder an den Beinen mühelos mit einem Spatel abschaben. Der Vorteil liegt klar auf der Hand, denn im Gegensatz zum Epilieren oder Wachsen ist diese Methode schnell, schmerzfrei und kostengünstig. Der unangenehme Geruch wird in modernen Enthaarungscremes übrigens verhindert, indem die Hersteller überdeckende Parfümöle zusetzen. Weitere Einsatzgebiete der Thioglykolsäure sind die Lederindustrie und die Herstellung von PVC-Böden.

Warum ist Thioglykolsäure problematisch?

Eigentlich logisch: Was aggressiv genug ist, Leder und Kunststoff formbar zu machen und ruck, zuck Haare zerstören kann, greift auch die Haut an. Deshalb kommt es durch Kosmetik mit Thioglykolsäure immer wieder zu schweren Reizungen und Allergien. Das gilt besonders für die Augen- und Mundpartie, die auf keinen Fall mit dieser Chemikale in Kontakt geraten darf, da es sonst heftige Verätzungen gibt. Produkte mit diesem Inhaltsstoff müssen deshalb mit dem Warnhinweis „Im Falle einer Berührung mit den Augen sofort mit viel Wasser spülen und einen Arzt aufsuchen“ gekennzeichnet werden. Für die Intimzone sind sie tabu. Um gefährliche Verletzungen zu verhindern, ist zudem die Einsatzmenge begrenzt. Laut Kosmetikverordnung dürfen Enthaarungsmitteln maximal 5 Prozent der Substanz enthalten, Dauerwell-Präparate bis zu 11 Prozent. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hält diese Konzentrationen zwar für sicher, rät aber von einer zu häufigen, großflächigen Verwendung ab, speziell bei Menschen mit empfindlicher Haut.

Unser Fazit

Bei richtiger Anwendung und robuster Haut ist das Risiko, sich durch Produkte mit Thioglykolsäure Irritationen und Ausschlag einzuhandeln, zum Glück nicht allzu groß. Doch man darf nicht vergessen, dass unsere kosmetischen Gewohnheiten sich stark verändert haben. Dauerwellen sind zwar zur Zeit aus der Mode, aber ein haarloser Körper ist voll en vogue. Während es früher meist nur im Sommer üblich war, die Beine zu enthaaren, tun die meisten Frauen das mittlerweile das ganze Jahr über und es gibt sogar den Trend zur Ganzköperhaarentfernung. Auch bei Männern! Wer Härchen an Beinen und unter den Achseln regelmäßig loswerden möchte, sollte sich deshalb lieber für eine sanfte Alternative entscheiden. Genau richtig für alle, denen das Enthaaren mit Wachs oder einem Epiliergerät zu schmerzhaft ist, sind Rasierseifen und Rasierschaum, die es auch im Bio-Regal gibt – neuerdings auch speziell für Frauen. Sie schäumen mit extra milden Kokos- und Zuckertensiden, die das Haar und die obere Hautschicht nur leicht aufquellen lassen, und lassen die Klinge durch reichhaltige Öle, die die Haut gleichzeitig pflegen und beruhigen, ganz easy über Achseln und Beine gleiten.

Hier findet Ihr alle Beiträge unserer Serie “Du kommst hier nicht rein”.

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