Du kommst hier nicht rein: Synthetischer Moschus

Sie wurden zufällig bei der Herstellung von TNT entdeckt und sorgen auch in Sachen Parfüms, After Shaves, Deos und Körperpflege für jede Menge Sprengstoff: Chemische Moschusverbindungen verströmen nicht nur einen erotisch-warmen Duft, sondern können auch Krebs und Nervenschäden hervorrufen. In Bio-Beauty haben sie nichts zu suchen!
Du kommst hier nicht rein: Synthetischer Moschus Bild: pixabay
Wie findet man synthetische Moschusverbindungen in der INCI-Liste?

Moschusverbindungen in der Zutatenliste zu entdecken ist leider nicht möglich, denn bis auf 26 Ausnahmen, die häufig Allergien hervorrufen, müssen Duftstoffe nicht deklariert werden. Es reicht der Hinweis „Parfum“.

Was sind synthetische Moschusverbindungen eigentlich?

Hinter diesem Sammelbegriff verbergen sich künstlich hergestellte Duftstoffe, die dem echten Moschus nachempfunden sind – einem Drüsensekret, mit dem Moschushirsche während der Brunftzeit ihre Weibchen anlocken. Im Jahr 1888 entdeckte der Chemiker Albert Baur, wie man synthetischen Moschus produzieren kann, allerdings rein zufällig, denn eigentlich wollte er eine neue Variante des Sprengstoffs TNT basteln. Nach dem fehlgeschlagenen Versuch bemerkte er plötzlich einen äußerst angenehmen Duft, den er später Nitro-Moschus nannte. Die erste industriell erzeugte Moschusverbindung war geboren!

Was bewirken synthetische Moschusverbindungen und wo werden sie eingesetzt?

Da Moschusgeruch herrlich warm wirkt und unseren menschlichen Sexuallockstoffen zum Verwechseln ähnlich ist, wurde das Sekret schon in der Antike zur Beduftung von Cremes, Seifen, Badezusätzen und vor allem zur Herstellung sinnlicher Parfüms benutzt. Doch bereits Anfang des letzten Jahrhunderts ging man immer mehr dazu über, künstlich hergestellte Moschusduftstoffe zu verwenden, denn echter Moschus ist nicht nur extrem teuer, sondern auch mit dem Tod der Tiere verbunden und seit 1979 in der EU verboten. Die Verbindungen stecken aber nicht nur in After Shaves, Deos, Parfüms und anderen Kosmetikprodukten, sondern auch in Waschmittel, Textilien und Papier.

Warum sind synthetische Moschusverbindungen problematisch?

Künstlich produzierte Moschusverbindungen haben einen gravierenden Haken: Da sie sich in Fett lösen lassen, aber nicht in Wasser, verbinden sich die Moleküle ruckzuck mit dem Talg unserer Haut. Bereits in den 1990er Jahren stellte man fest, dass sich chemischer Moschus im menschlichen Gewebe ansammelt und über die Muttermilch an Babys weitergegeben werden kann. Auch Hinweise auf Krebs und Nervenschäden, die offensichtlich durch häufigen Kontakt mit diesen Duftstoffen hervorgerufen wurden, häuften sich. Einige der Verbindungen dürfen deshalb nicht mehr verwendet werden, z. B. Moschus Ambrette, Moschus Mosken und Moschus Tibeten. Andere, wie etwa Moschus Keton und Moschus Xylol, werden seit 1994 aufgrund einer freiwilligen Selbstverpflichtung des deutschen Industrieverbandes Körper- und Waschmittel kaum noch eingesetzt und sollen voraussichtlich im Jahr 2015 verboten werden. Trotzdem ist eine Gefährdung durch andere problematische Moschusverbindungen noch lange nicht vom Tisch. Das zeigt nicht zuletzt ein Parfum-Test des deutschen Verbauchermagazins Öko-Test aus dem Jahrbuch Kosmetik 2013, bei dem in fast allen konventionellen Duftwässern derartige Substanzen gefunden wurden. Ein weiterer, wichtiger Kritikpunkt ist die Umweltbelastung. Wenn synthetische Moschusverbindungen abgewaschen werden, gelangen sie bis in unser Grundwasser, da sie von den Klärwerken nur unzureichend wieder herausgefiltert werden können.

Unser Fazit

Parfüms sind eine dufte Sache, denn sie sorgen für gute Laune und versetzen uns in sinnliche Stimmung. Auch das Reinigen und Eincremen würde uns nur halb so viel Spaß bringen, wenn wir dabei nicht in herrlichen Düften schwelgen könnten. Auf dieses Vergnügen braucht Ihr auch ohne synthetische Moschusverbindungen nicht zu verzichten! Wer zertifizierte Naturkosmetik verwendet, kann sicher sein, dass der Duft seiner Produkte aus ätherischen Ölen und Blütenextrakten stammt. Hinzu kommt, dass auch andere bedenkliche Substanzen, die in konventionellen Parfüms gang und gäbe sind, nicht eingesetzt werden dürfen – etwa Alkohol, der durch Phthalate vergällt wurde, oder das umstrittene Lösungsmittel Hexan. Die Auswahl an richtig tollen Naturparfüms ist mittlerweile riesig!

Weitere interessante Artikel aus unserer Rubrik “Du kommst hier nicht rein”: z. B. Formaldehyd, Triethanolamin, Ammoniak, Aluminium, Azofarbstoffe, Hexan, Paraffin, Parabene, Phthalate und Silikon.

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