Du kommst hier nicht rein: Polyquaternium

Flecken in der Wäsche durch Shampoos und Duschgels? Klingt paradox, ist bei Polyquaternium aber an der Tagesordnung. Auch sonst spielt dieser Problemstoff nicht mit offenen Karten: Obwohl er als Ersatz für Silikon gepriesen wird, verkleistert er Haut und Haare und hat obendrein krebserregendes Acrylamid im Gepäck. In Naturkosmetik ist er tabu.
Du kommst hier nicht rein: Polyquaternium, Foto: PIXABAY
Wie findet man Polyquaternium in der INCI-Liste?

Das ist in diesem Fall zum Glück ganz leicht. Die Verbindungen dieses Stoffs beginnen alle mit dem Begriff Polyquaternium und enden mit einer Zahl. Derzeit gibt es über vierzig Stück davon. Am häufigsten eingesetzt wird Polyquaternium-7, aber auch Polyquaternium-10, Polyquaternium-11, Polyquaternium-28, Polyquaternium-35, Polyquaternium-16 und Polyquaternium-36 sind bei Kosmetikherstellern beliebt.

Was ist Polyquaternium eigentlich?

Bei Polyquaternium handelt es sich um einen chemischen Kunststoff, der sich aus polymeren Molekülen zusammensetzt. Das bedeutet, dass die Teilchen lange Ketten bilden und sich miteinander vernetzen. Die Zahl im INCI-Namen zeigt an, wie verzweigt oder engmaschig die Verbindung aufgebaut ist.

Was bewirkt Polyquaternium und wo wird es eingesetzt?

Bedingt durch seine netzartige Struktur bildet Polyquaternium einen Film, der sich schützend über Haut, Haare und Fingernägel legt. Das sorgt für ein angenehm glattes Hautgefühl und bessere Kämmbarkeit. Für konventionelle Kosmetikhersteller ist die Substanz daher ein Geschenk des Himmels, denn seitdem immer mehr Menschen Wert darauf legen, Produkte ohne Silikon zu verwenden, braucht die Industrie dringend Alternativen. Dafür ist Polyquaternium, das vor allem in Duschgels, Shampoos und Conditionern steckt, schlichtweg ideal. Auch in Gesichtscremes, Bodylotions und Nagelpflege kommt der Kunststoff manchmal zum Einsatz.

Warum ist Polyquaternium problematisch?

Ein Inhaltsstoff, der die Haut glatt macht und unsere Haare vor dem Verknoten schützt? Klingt gut. Ist es aber leider nicht. Da die Moleküle des Polyquaterniums positiv geladen sind, lagern sie sich beim Waschen und Pflegen am Haar an. Das ist nämlich negativ geladen. Genau diese Reaktion wird jedoch zum Bumerang, weil die Substanz durch den Magnet-Trick für lange Zeit auf den Haaren haften bleibt. Das Risiko, dass unsere Frisur mit jeder Wäsche durch neue Schichten Polyquaternium beschwert wird und es zu einem Build-up-Effekt kommt, ist dadurch noch größer als bei Silikon. Auch unserer Haut tut der plastikartige Film alles andere als gut, denn darunter staut sich der Schweiß.

Folge: Die Hornschicht quillt auf und trocknet aus. Hinzu kommt, dass Polyquaternium häufig mit Acrylamid belastet ist, einer krebserregenden Substanz, die auch beim Rösten von Brot oder bei der Herstellung von Chips und Pommes entstehen kann. Doch das ist noch längst nicht alles: Wenn Shampoo- oder Duschgel-Reste im Handtuch zurückbleiben und man es anschließend in die Waschmaschine steckt, wird durch den Kontakt mit der Lauge erneut eine Art Magnet-Reaktion in Gang gesetzt: Wie ein Schwamm saugt die Chemikalie Schmutz und Farbteilchen an, die zu dunklen, harten Kunststoffflecken verschmelzen. Auch nach mehrmaliger Reinigung sind sie nicht mehr aus dem Frottee zu entfernen. Obendrein ist Polyquaternium nicht biologisch abbaubar.

Unser Fazit

Wer keine Lust hat, Haut und Haare mit einem Kunststoffmantel zu überziehen und sich auch die Wäsche nicht ruinieren will, sollte Naturkosmetik benutzen. Darin stecken nur natürliche, umweltverträgliche Zutaten, die echte Pflege liefern – und keine Gifte. Dass die Verwendung von Polyquaternium gesetzlich geregelt wird, scheint trotz des nachgewiesenen Gehalts an krebserregendem Acrylamid eher unwahrscheinlich. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat in einer Stellungnahme zwar bereits im März 2003 empfohlen, bei der nächsten Änderung der Kosmetik-Richtlinie sicherheitshalber Grenzwerte festzusetzen. Passiert ist das allerdings bis heute nicht. Konventionelle Kosmetikhersteller werden also am Einsatz von Polyquaternium festhalten, da sie dann guten Gewissens „ohne Silikon“ auf ihre Shampoos, Spülungen und Cremes schreiben können. Ein prima Werbeschachzug, der nebenbei auch noch unschlagbar günstig ist.

Mehr spannende Beiträge aus unserer Serie “Du kommst hier nicht rein”: Formaldehyd, Ammoniak, Aluminium, Azofarbstoffe, Hexan, Paraffin, Parabene, Phthalate, Sodium Laureth Sulfate und Silikon.

Garantiert ohne bedenkliche Inhaltsstoffe sind die Produkte unserer sorgfältig ausgewählten Partner, die alle zertifizierte Naturkosmetik anbieten: PRIMAVERAalverdefarfallaSPEICK und marie w.

21 Gedanken zu „Du kommst hier nicht rein: Polyquaternium“

  1. Acrylamid ist nur bei der Nahrungsaufnahme bedenklich.
    Insofern man das Shampoo nicht trinkt, sollte es also in der Hinsicht keine Probleme geben.

    In einem Naturkosmetik Produkt hat es es aber natürlich trotzdem nichts zu suchen.

  2. Heidenei! Was machen Sachen?? Am besten doch lieber eine Shampoo mit auswaschbaren Silikone, oder noch besser, einfach ein Naturkosmetik Produkt.

    Es gibt z.B. klasse Naturkosmetik aus der arabischen Welt. Kann man einfach online bestellen. Die werden unteranderem auch in paar Läden in Deutschland verkauft. Ich persönlich finde die Naturkosmetik aus Arabien besser als die Naturkosmetik aus Deutschland, zudem enthält die Naturkosmetik aus Arabien kein Alkohol.

  3. hallo,
    ich dachte polyquternium-10 ist wasserlöslich und lässtwieder rauswaschen.ich meine gelesen zu haben das es auch ein chelluosedervati ist und eben wasserlöslich ist.
    bin ein wenig verwirrt.

    1. Leider verhält sich Polyquaternium ähnlich wie ein Silikon, was die Haftung auf Oberflächen betrifft. Durch die positive Ladung ergibt sich außerdem eine Art Magnet-Effekt im Zusammenspiel mit negativ geladenen Stoffen – wie unter anderem unserem Haar, Wäschestücken, aber zugleich auch Schmutz. Ein Test des NDR hat gezeigt, dass Polyquaternium sich zum Beispiel an Handtüchern dauerhaft anlagert und sich hartnäckig Wäsche für Wäsche hält. Dort bindet er Schmutz und verursacht Flecken, die sich sogar verschlimmern – das zeigt den enormen Effekt des Stoffes sehr deutlich. Selbst wenn Polyquaternium zugleich im Abwasser landet (wo er weitere Probleme verursacht, da er nicht biologisch abbaubar ist), verbleiben Reste, die sich nicht mehr entfernen lassen: https://web.archive.org/web/20121120082718/http://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/haushalt_wohnen/duschgelflecken101_page-1.html

      1. Polyquaternium ist eine Sammelbezeichnung für verschiedene quaternisierte Polymere auf synthetischer oder auch natürlicher (meistens Polysaccharide) Basis.
        Beispielsweise sind PQ-10 und PQ-24 auf Cellulosebasis (HEC). Ein vergleichbares, quaternisiertes Polysaccharid (Haarguar) wird auch in NK verwendet.
        Auch ein Polyquaternium auf Lipidbasis ist mir schon begegnet.
        Man sollte durchaus die Grundeigenschaften des verwendeten Polymerrückgrats beachten.

        Eine Verunreiniung mit Acrylamid ist überhaupt nur bei Polymeren zu erwarten, die auch auf Acrylamid- bzw Acrylsäurebasis sind, zum Beispiel PQ-7, PQ-22 oder PQ-39.

        Durch die positiven Ladungen haben all diese verschiedenen Stoffe selbstverständlich auch eine bessere Haftung (Substantivität) – im direkten Vergleich zu ihren Pendants ohne positive Ladungen. Auch Silikone oder Proteine können mit Quat-Gruppen versehen werden, was ihre Substantivität erhöht (wobei Proteine selbst auch positive Ladungen besitzen). Die Modifikation mit Quat-Gruppen wird an der INCI-Bezeichnung ersichtlich.

        Übrigens wird die Substantivität ua. auch durch die Anzahl der Ladungen (Substitutionsgrad) und durch die Größe der (Bio)-Polymere beeinflusst. Diese unterschiedlichen Parameter sind jedoch nicht an der INCI-Bezeichnung ersichtlich.
        Tatsächlich ist die Substantivität (Haftung) unabhängig von der Löslichkeit. Nach der Löslichkeit kann man die Haftung (Substantivität) nicht beurteilen. Jede Substanz hat ihr eigenes Substantivitätsprofil.

        Die Zahl im INCI-Namen ist kein Hinweis darauf, ob und wie verzweigt oder engmaschig die Verbindung aufgebaut ist. Auch nicht, ob viele oder wenige Ladungen enthalten sind. Die Nummerierung ist lediglich aufsteigend nach Registrierungsdatum einer neuen Polyquaternium-Verbindung.

        Viele Grüße,
        Julia

  4. Um zu vermeiden das ich mir überhaupt irgendwelche Chemischen Supstanzen auf d.Haare o.der Haut Auftragen tue u.mich dann vielleicht wundere weshalb ich sogar allergische Reaktionen hervor rufen tue,benutze ich jetzt schon seit Jahren nur noch die besonders Gute Olivenseife( mit Lorbeeröl )aus Syrien Aleppo.Damit erhalte ich meine Haut geschmeidig u.meine Haare danken es mir.
    Allerdings u.das gebe i.zu trage ich kurz geschnittene Haare u.bin männlich.Beim Frauenhaar u.obendrein chemisch gefärbt entfielt sich unbedingt eine entsprechende Spülung nach der Haarwäsche.
    Noch ein Tip.Wer keine Allergien auf Henna hat sollte es mal zum Färben der Haare benutzen.

    1. Liebe Pamela,
      Polyquaternium ist chemisch gesehen kein Silikon.
      Allerdings schadet es Haut und Haar auf ähnliche Weise und wird gern als Ersatzstoff in Produkten eingesetzt, die als „silikonfrei“ ausgelobt werden.Wir würden raten: Finger weg…
      Liebe Grüße,
      Dein naturalbeauty-Team

    1. Liebe Pamela,
      die alverde Haarpflege bietet wirksame Pflege zum kleinen Preis für verschiedene Haartypen. Alternativ können wir auch die Haarpflege von SPEICK Naturkosmetik empfehlen, die sich unserer Erfahrung nach ebenfalls gut für den Umstieg von konventioneller auf natürliche Haarpflege eignet.
      Liebe Grüße, Dein naturalbeauty-Team

  5. hallo liebes natutallbeauty,
    ich habe eine frage.
    ich habe im nackeimmer wieder verfilfzungen, die sich nur mühsam auskämmen lassen.
    habens sie von alverde oderandere marker ein Produkt was dem entgegenwirkt.,wodurch das nicht so stark wiederkommt?
    was halten sie von alverde Haaröl?
    vielen dan für antwört in voraus,danke schön!!
    liebe grüsse
    pamela

    1. Liebe Pamela,
      verknotete Haare im Nacken haben manchmal auch mit der Art der Kleider zu tun – bestimmte Stoffe von Pullis, Jacken oder Schals können sich zum Beispiel negativ auswirken.
      Wir empfehlen in diesem Fall, die Haare zu einem Zopf zu binden. Andernfalls kann gute Pflege sich positiv auswirken, zum Beispiel in Form von regelmäßigen Haarmasken. Ferndiagnosen sind immer schwierig, da jedes Haar andere Bedürfnisse hat, aber die alverde Haarkur Feuchtigkeit oder der SPEICK Aktiv Hair Conditioner verwendet als Leave-In sind durchaus einen Versuch wert! 🙂
      Viel Erfolg und liebe Grüße, Dein naturalbeauty-Team

      1. hallo,
        oh, ich habe doch noch ne frage,
        sodium laureth sulfate und sodium coco sufate ist das nicht das leiche, ich meine das coco sufate dasist wie sodium lauret sufate?
        logona shampoo habe ich früher genomme aber die haare waren so verfitzt, ich habs dann abgesetzt.
        was nehmen ssie denn? :-))
        LG
        PAMELA

        1. Liebe Pamela,
          Sodium Laureth Sulfate und Cocos Sulfate sind nicht zu vergleichen!
          Sodium Laureth Sulfate ist eine Chemikalie, die als aggressives Reinigungsmittel wirkt und dadurch Haut und Haare stressen kann. Mehr dazu erfährst Du in unserem Artikel „Du kommst hier nicht rein: Sodium Laureth Sulfate”.
          Cocos Sulfate sind hingegen ganz milde Bio-Tenside. Sie schäumen zwar etwas weniger, reinigen Haut und Haar dafür aber sanft und sind außerdem auch ökologisch eine runde Sache. Weitere Infos dazu findest Du in unserem Artikel „Tenside – Eine saubere Sache?“.
          Wir im Team von naturalbeauty benutzen ganz unterschiedliche Haarpflege und wechseln auch öfter mal, um neue Produkte für unseren Blog zu testen.
          Zuletzt hat unsere Redakteurin Veronika Shampoo und Conditioner von SPEICK ausprobiert, den Bericht dazu kannst du in unserem Blogpost „Glowy Hair mit Speick“ nachlesen. Grundsätzlich würden wir dir nach der Wäsche immer zu einer Spülung oder einem Leave-In Conditioner raten. Da die Naturkosmetik Haarpflege keine Silikone enthält und das Haar sich auch sonst erstmal umstellen muss, ist ein Extra für Geschmeidigkeit und Kämmbarkeit quasi unerlässlich.
          Hoffentlich hilft Dir das weiter! 🙂
          Liebe Grüße, Dein natuarlbeauty-Team

        2. Sodium Laureth Sulfate und Sodium Coco Sulfate unterscheiden sich hinsichtlich ihres chemischen Aufbaus in zwei Punkten. Sind also nicht direkt miteinander vergleichbar.
          Allerdings ist Sodium Coco Sulfate allein auch kein mildes Tensid. Wie mild ein Tensid ist, was bedeutet wie hoch das Irritationspotential ist, hängt von einigen Eigenschaften des Tensids, oder genauer gesagt eigentlich von der Tensidmischung und der Gesamtformulierung des Produkts ab.

          Zunächst zu den Unterschieden zwischen Sodium Laureth Sulfate und Sodium Coco Sulfate.
          Um die molekularen Unterschiede zu verdeutlichen, muss noch ein weiteres Tensid ins Spiel gebracht werden, und zwar Sodium Lauryl Sulfate.
          Was bedeuten Lauryl und Laureth?
          Die Bezeichnung Lauryl und Laureth stammt von der Fettsäure Laurinsäure. Fettsäuren sind neben Glycerin die Bestandteile von Speisefetten (Triglyceride). Es gibt verschieden lange Fettsäuren. Die Länge wird als „C“ mit einer Nummer dargestellt. Die Nummer gibt die Anzahl der aneinandergereihten Kohlenstoffatome der Kohlenwasserstoffkette an. Die Laurinsäure ist eine Fettsäure mit einer C 12-Kette (12 Kohlenstoffatome).
          Die Bezeichnung dieser beiden Tenside bedeutet, dass der hydrophobe Schwanz beider Tenside aus einer C-12-Kohlenwasserstoffkette besteht. Diese Kohlenwasserstoffkette kann prinzipiell aus der Fettsäure Laurinsäure stammen oder zum Beispiel auch aus entsprechend langen Alkanen (Dodecan).
          Die Endung „eth“ in Sodium Laureth Sulfate steht für eine kurze Polyetherkette (meist 3 – 9 Einheiten). Sodium Laureth Sulfate wird auch als Sodium Lauryl Ether Sulfate bezeichnet. Diese Polyethergruppen sind wasserliebend und sind daher zusammen mit der Sulfatgruppe ein Teil des wasserliebenden Tensidköpfchens. Allerdings ist dieses Tensid durch die Polyethergruppen nicht NK-konform, da Naturkosmetik keine ethoxylierten Tenside verwenden darf.
          Sodium Lauryl Sulfate und Sodium Coco Sulfate dagegen haben keine Polyethergruppen sondern nur die Sulfatgruppe als wasserliebende Kopfgruppe. Das ist der wesentliche Unterschied zwischen Sodium Laureth Sulfate und den beiden anderen Sulfattensiden.

          Wie verhält sich Sodium Coco Sulfate zu Sodium Laureth Sulfate und Sodium Lauryl Sulfate?
          Sodium Coco Sulfat ist vom Aufbau eher mit Sodium Lauryl Sulfate vergleichbar als mit Sodium Laureth Sulfate, da Sodium Coco Sulfate wie auch Sodium Lauryl Sulfate – wie bereits erwähnt – keine Polyethergruppen besitzen.
          Der Unterschied zwischen Sodium Lauryl Sulfate und Sodium Coco Sulfate ist der, dass für die Synthese* von Sodium Coco Sulfate alle vorhandenen Fettsäuren des Kokosöls verwendet werden. Da Kokosöl auch hohe Mengen der Fettsäure Laurinsäure enthält, besteht Sodium Coco Sulfate auch zu etwa 50 % aus Sodium Lauryl Sulfate-Teilchen. Allerdings besteht Sodium Coco Sulfate entsprechend des Fettsäurespektrums, aus dem Kokosöl zusammengesetzt ist, noch aus weiteren Tensidteilchen: Sodium Myristyl Sulfate (Myristinsäure C14), Sodium Palmityl Sulfate (Palmitinsäure C16), Sodium Oleyl Sulfate (Ölsäure C18:1) usw…
          Sodium Coco Sulfat-Tenside ist somit eine Mischung mit verschieden langen Tensidteilchen (Sodium C12 – C18 Alkyl Sulfate), Sodium Lauryl Sulfate hingegen besteht nur aus gleichlangen Ketten (Sodium C12 Alkyl Sulfate), also C12 -> Laurinsäure bzw. Dodecan.
          *Für die Sulfattensidsynthesen werden eigentlich die entsprechenden Fettalkohole benötigt. Die Fettsäuren müssen daher erst zu den entsprechenden Fettalkohlen reduziert werden.

          Das Reizpotential von Tensiden
          Das Reizpotential von Tensiden ist davon abhängig, ob sie leicht in die Haut eindringen können, aber im Wesentlichen davon, ob sie an Proteine binden (der Zein-Wert gibt darüber Auskunft). Die letzte Eigenschaft, nämlich an Proteine zu binden, ist anionischen Tensiden häufig zueigen und auch allen hier vorgestellten Sulfattensiden. Sowohl das Penetrationsvermögen als auch die Affinität zu Proteinen kann allerdings beeinflusst werden. Im Übrigen korreliert die Entfettungsleistung der Tenside nicht mit dem Irritationspotential!

          Um die Möglichkeiten zur Abmilderung von Tensiden etwas genauer zu erklären, muss eine besondere Eigenschaft von Tensiden erwähnt werden. Tenside schwimmen ab einer gewissen Konzentration nicht einzeln frei im Wasser herum, sondern bilden ab einer spezifischen Konzentration Zusammenlagerungen, die man Mizellen nennt. Auch althergebrachte Seife oder natürliche Tenside, die Saponine, bilden Mizellen. Die notwendige Tensidkonzentration zur Bildung von diesen Mizellen heißt kritische Mizellbildungskonzentration (critical micell concentration (CMC)). Es gilt hierbei eine besondere Verhältnismäßigkeit: Je niedriger die kritische Mizellbildungskonzentration desto weniger freie Tensidteilchen bleiben im Wasser zurück. Das ist insofern von Bedeutung, weil die freien Tensidteilchen schneller und tiefer in die Haut eindringen können und dort reizauslösend wirken. Die Tensidkonzentatrationen von Reinigungsprodukten (z.B. Duschgel und Shampoo usw.) liegt übrigens weit oberhalb der kritischen Mizellbildungskonzentration. Es sind also überall Mizellen enthalten.
          Tendenziell sind große Mizellen und eine geringe Mizellbildungskonzentration ein Zeichen dafür, dass es sich um ein mildes Tensid / Tensidmischung handelt (Ausnahmen gibt es bei anderen Tensidklassen), da große Mizellen und eine möglichst geringe Menge freier Tensidteilchen das Reizpotential minimieren. Je nach Tensidtyp und Tensidmischung und weiteren Zusätzen variiert die notwendige Konzentration für die Bildung von Mizellen (damit die Konzentration an freien Tensidteilchen) und die Größe der sich bildenden Mizellen und damit das Reizpotential von Tensiden und Tensidkombinationen.

          Gegenbeispiel: Das Tensid Sodium Lauryl Sulfate ist für sein hohes Irritationspotential bekannt. Warum ist es besonders irritierend? Pures Sodium Lauryl Sulfate hat eine sehr hohe Mizellbildungskonzentration (die Menge freier Tensidteilchen ist damit hoch) und es bildet sehr kleine Kugelmizellen (Durchmesser rund 4 nm), die so klein sind, dass selbst die Mizellen selbst ein gewisses Penetrationsvermögen aufweisen. Zudem hat dieses Tensid einen hohen Zein-Wert (dieser Wert gibt an in welchem Maße das Tensid mit Proteinen interagiert).
          Sodium Laureth Sulfate und Sodium Coco Sulfate sind von sich aus weniger irritierend als Sodium Lauryl Sulfate. Im Falle von Sodium Laureth Sulfate durch die eingebrachten Ethergruppen, Sodium Coco Sulfate aufgrund der Tatsache, dass es sich von sich aus um eine „Mischung“ verschieden langer Tensidteilchen handelt (C12-C18). Durch diese Eigenschaften ist bei diesen Tensiden die kritische Mizellbildungskonzentration geringer und die Mizellen werden größer.
          Wie verhält sich Sodium Coco Sulfate zu Sodium Laureth Sulfate? In der Fachliteratur werden Sodium Coco Sulfate selbst seltener thematisiert. Sodium Coco Sulfate werden meist als Sodium N-Alkyl Sulfate erwähnt. Ausgehend von den Daten aus umfangreichen „irritancy-rankings“ wird Sodium Coco Sulfate (Sodium N-Alkyl Sulfate) aber nicht oder kaum milder sein als Sodium Laureth Sulfate.
          Hinsichtlich der Länge der Kohlenwasserstoffkette gilt: Die C12 Ketten (entspr. Lauryl/ Laureth oder Laurat (Seife) führen zum höchsten Irritationspotential. Es gilt: Je länger die Ketten werden desto geringer das Irritationspotential. Bei Sodium Coco Sulfate wird das etwa zur Hälfte enthaltene Tensidteilchen Sodium Lauryl Sulfate aus der Laurinsäure durch den Anteil an längerkettigen Fettsäuren (C14, C16, C18:1) abgemildert. Ein weiteres Sulfattensid, Sodium Cetearyl Sulfate, welches als Co-Emulgator verwendet wird, ist eine Mischung aus Sodium Palmityl Sulfate (C16 (Hexadecan)) und Sodium Stearyl Sulfate (C18 (Octadecan)), wird also aus den Fettsäuren Palmitinsäure (c16) und Stearinsäure (C18) hergestellt. Da hier die C12-Kette (Lauryl/ Dodecan) nicht enthalten sind, sondern nur längerkettige Kohlenwasserstoffe ist dieses milder als Sodium Coco Sulfate.
          Das irritancy-Ranking der Kohlenwasserstoffketten (C12 (Lauryl) als das irritierende) gilt auch für andere Tensidklassen – z.B. auch bei Zuckertensiden: Lauryl Glucoside sind entsprechend irritierender als Coco Glucoside.

          Es gibt eine Vielzahl weitaus milderer Tenside als Sodium Coco Sulfate. Neben den nichtionischen Zuckertensiden gibt es auch einige anionische Tenside, die weitaus milder sind (z.B. Sodium Cocoyl Isethionate). Allerdings werden alle hier vorgestellten Sulfattenside sowohl im konventionellen als auch naturkosmetischen Bereich mit weiteren Tensidtypen kombiniert, meistens mit Zuckertensiden oder Alkylamidobetainen. Die Kombination von Sulfattensiden mit anderen Tensidtypen wirkt stark abmildernd auf das Gesamtsystem. Die Tensidkombination wird dadurch mild, auch in diesem Fall, weil ua. die Mizellbildungskonzentration gesenkt wird und die Mizellen vergrößert werden.
          Paradoxerweise mildern sich selbst zwei „scharfe“ Tenside ebenfalls gegenseitig etwas ab.
          Weitere abmildernde Inhaltsstoffe sind: Synthetische oder natürliche Polymere (in NK meistens Proteine). Der Zusatz von Xylose, Fructose, Sorbitol, Glycerin und anderen Zuckeralkoholen. Glycerin wird in NK am häufigsten verwendet. Der Zusatz von polaren organischen Verbindungen (z.B. Betain, Aminosäuren). Zusatz von Elektrolyten (Salze). Salze werden mit anionischen Tensiden wie Sulfattensiden ohnehin meist zum Verdicken des Produkts verwendet.
          Sodium Coco Sulfate für sich genommen ist nicht gerade mild, aber die Gesamtformulierung macht das Reinigungsprodukt insgesamt mild.
          Es ist also die Frage wie das Produkt insgesamt zusammengesetzt (welche weiteren weiteren Tenside/ Tensidkombinationen? Welche weiteren Zusätze?), sprich wie das Shampoo insgesamt formuliert worden ist. Ich persönlich verwende auch Naturkosmetikshampoos mit Sodium Coco Sulfate, allerdings ist nicht jedes Shampoo damit gleich zu werten, da die restliche Rezeptur/ Tensidkombination mitentscheidend ist.

          Wenn das Shampoo von Logona also nicht funktioniert hat, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass es am Sodium Coco Sulfate selbst gelegen haben muss, sondern eher an der Gesamtformulierung. Ein anderes Shampoo, welches uU. auch Sodium Coco Sulfate enthält, kann je nach Rezeptur ganz anders in seiner Wirkung sein.

          1. Liebe Julia,
            vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar.
            In Naturkosmetik wird viel Wert auf milde Formulierungen gelegt. Daher werden Sodium Coco Sulfate in aller Regel so kombiniert, dass eine möglichst reizfreie Rezeptur entsteht – zum Beispiel mit Hilfe von Glycerin, wie Du ja auch selbst schreibst. Nicht zu vergessen: Bei Sodium Coco Sulfate entfällt die Problematik um die Entstehung von krebserregendem Dioxan!
            Liebe Grüße,
            Dein naturalbeauty-Team

  6. Hallo meine liebe,
    möchte dir nur eine gute Nachricht mitteilen..
    Ich finde es zu anstrengend wenn man einkaufen geht, man muss ja die Inhaltsoffe von diesen Produkten untersuchen….😓
    Endlich habe ich ein Naturprodukt gefunden, womit ich diese Anstrengungen vermeiden kann.
    Seit über zwei Jahren benutzen meine Freundin und ich ein wunderschönes Shampoo, und Haut Pflege Produkt, mit 99,99% Inhaltsstoffe aus der Natur, die unsere Zellen regenerieren können. Ich bin über 50 und habe schon kahle Stellen am Hinterkopf gehabt , jetzt wachsen dort schon wieder Haare ( keine grauen!😉). Das Schuppen u. Haarausfall-Problem meiner Freundin hat das Shampoo auch gelöst….
    Es gibt’s noch Hoffnung. Produkte ohne Mikroplastik u. andere Giftstoffe gibt es wirklich…❤️💕

    1. Wie schön, dass Naturkosmetik Dir und Deiner Freundin in Sachen Haare so einen positiven Wandel ermöglicht hat! 🙂
      Liebe Grüße vom naturalbeauty.de-Team

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