Du kommst hier nicht rein: p-Aminophenol

Kaum beginnen die Blätter sich zu färben, überkommt viele Frauen die Lust auf eine neue Haarfarbe. Aber Vorsicht: In chemischen Colorationen stecken jede Menge Stoffe, die uns die Freude an einem neuen Anstrich so richtig vermiesen können – so zum Beispiel p-Aminophenol, das trotz seines Risikopotentials über Hintertürchen immer wieder in die Rezepturen gelangt.
Wie findet man p-Aminophenol in der INCI-Liste?

Auch wenn Stoffe wie dieser laut Kosmetikverordnung gar nicht in kosmetischen Produkten verwendet werden dürfen, machen Hersteller keinen Hehl aus dem Einsatz von p-Aminophenol. So taucht seine Bezeichnung 1:1 in den INCI-Listen auf und ist immerhin relativ leicht auf den Verpackungen auszumachen. Selten findet man den Stoff auch unter den Namen 4-Hydroxyanilin oder 4-Aminophenol.

Was ist p-Aminophenol eigentlich?

Aminphenole sind aromatische Verbindungen. Sie leiten sich sowohl vom Anilin als auch vom Phenol ab. Es handelt sich dabei um feste, farblose Stoffe, die sich bei Einwirkung von Luft grau bis dunkelgrau verfärben.

Was bewirkt p-Aminophenol und wo wird es eingesetzt?

p-Aminophenol dient heute in erster Linie als Färbe- und Oxidationsmittel und wird häufig in chemischen Haarfarben eingesetzt. Mit Hilfe von Formaldehyd wird es zudem zur Herstellung von Kunstharzen verwendet. Außerdem lässt sich das bekannte Schmerzmittel Paracetamol aus p-Aminophenol ableiten. Früher wurde die aromatische Verbindung auch bei der Entwicklung von Schwarz-Weiß-Fotos eingesetzt.

Warum ist p-Aminophenol problematisch?

Im EU-Chemikalienrecht ist p-Aminophenol eindeutig als CMR-Stoff (cancerogen, mutagen und reproduktionstoxisch) eingestuft. Dass diese Kategorie laut Kosmetikverordnung gar nicht in kosmetischen Produkten verwendet werden dürfte, sollte Grund genug sein, auf ihren Einsatz zu verzichten. Eigentlich. Dennoch gelangt p-Aminophenol nicht selten in die Rezepturen chemischer Haarfarben: Wenn das Beratergremium der EU-Kommission nämlich die Meinung vertritt, es bestehe bei der vorliegenden Einsatzkonzentration kein Risiko, dann gibt es trotz der klaren Einstufung grünes Licht. Allein diese Tatsache ist äußerst bedenklich. Wenn man darüber hinaus in Betracht zieht, dass die Substanz auch gemäß Gefahrstoffverordnung als erbgutverändernd Kategorie 3 (irreversibler Schaden möglich), gesundheitsschädlich (beim Einatmen, beim Verschlucken) und umweltgefährlich (sehr giftig für Wasserorganismen, kann in Gewässern längerfristig schädliche Wirkungen haben) eingestuft wird, spricht das eigentlich für sich.

Unser Fazit

Die Zulassung von p-Aminophenol in Kosmetik bewerten wir als grob fahrlässig. Wie kann es sein, dass ein so eindeutig risikobehafteter Stoff dennoch seinen Weg in unzählige Rezepturen findet? Allein bei Codecheck erscheint eine lange Liste an Colorationen, die diese Verbindung enthalten.

Aber auch ohne den Einsatz von p-Aminophenol gibt es genügend Gründe, auf chemische Haarfarben zu verzichten: Ammoniak, p-Phenylendiamin, Resorcin und Azofarbstoffe

Beim Kauf von Colorationen deshalb unbedingt auf zertifizierte Qualität und die Siegel von BDIH, NATRUE oder Ecocert achten – denn echte Naturkosmetik verzichtet grundsätzlich auf Schadstoffe wie diese.

Hier findet Ihr alle Beiträge unserer Serie “Du kommst hier nicht rein”.

[Anzeige]
Garantiert ohne bedenkliche Inhaltsstoffe sind die als echte Naturkosmetik zertifizierten Produkte unserer sorgfältig ausgewählten Partner: alverde, benecos, farfallamarie w. und SPEICK.

Weitere spannende Beiträge:

ISO Norm 16128 – ein Schritt zurück?

Eigentlich ein guter Ansatz: Klare Regeln für Natur- und Biokosmetik, die Green Washing verhindern sollen. In ihrer Strenge jedoch bleibt die neue ISO 16128-Richtlinie hinter den bekannten Standards ebenso zurück, wie hinter den Ansprüchen vieler Verbraucher.

Rohstoffmangel bei Bio-Beauty?

Natur ist Trend. Daher entdecken auch immer mehr konventionelle Kosmetikfirmen pflanzliche Zutaten für sich. Die Nachfrage steigt, wetterbedingte Ernteausfälle tun ihr Übriges und so ist es nicht selten, dass Engpässe bei Pflanzen und Ölen auftreten. Preissteigerungen von mitunter 300 Prozent belasten den Markt und wer (trotzdem) große Mengen abnimmt, wird schließlich von Lieferanten begünstigt. Naturkosmetikhersteller über ihre Erfahrungen mit raren Rohstoffen.

Exklusives Interview:
Es wird grün mit GRN!
Silke und Stephan Becker von benecos über ihre neue Naturkosmetikmarke

Man kennt Silke und Stephan Becker als die Macher von benecos, einer Marke, die seit 2008 Erfolgsgeschichte schreibt: Jetzt machen sich die Beckers selbst Konkurrenz – mit GRN, ihrer neuen Naturkosmetikmarke. Annährend 100 neue Produkte inklusive dekorativen Neuerscheinungen gibt es. Was die Marke bietet, was an GRN anders ist und welche Rolle Regionalität dabei spielt, verraten Silke und Stephan uns im exklusiven Interview.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.