Du kommst hier nicht rein: Formaldehyd

Netzwerke sind gut, wenn es um den Job oder stabile Freundschaften geht. Wenn die Chemikalie Formaldehyd Verbindungen knüpft, kann das allerdings nach hinten losgehen. Sie glättet nämlich nicht nur die Haare und härtet Fingernägel, sondern kann auch Allergien erzeugen, Gedächtnisstörungen hervorrufen und Krebs begünstigen. In Naturkosmetik steckt Formaldehyd zum Glück nicht drin.
Titelbild Du kommst hier nicht rein: Formaldehyd Bild: pixabay
Wie findet man Formaldehyd in der INCI-Liste?

Die Chemikalie selbst ist auf den ersten Blick zu identifizieren. Sie heißt nämlich schlicht und ergreifend „Formaldehyde“. Allerdings wird sie heutzutage nur noch selten pur eingesetzt, sondern von anderen Inhaltsstoffen abgespalten, was die Suche erschwert. Folgende Bezeichnungen in der Zutatenliste gelten als Warnsignal: Diazolidinyl Urea, DMDM Hydantoin, Imidazolidinyl Urea, Bronopol, Quaternium-15, Sodium Hydroxymethylglycinate, Methenamine, 2-Bromo-2-nitropropane-1,3-diol, 2,4-Imiazolidinedione und 5-Bromo-5-nitro-1,3-dioxane.

Was ist Formaldehyd eigentlich?

Bei Formaldehyd handelt es sich um ein farbloses, giftiges Gas, das auch Methanal genannt wird. Der gebräuchlichere Name Formaldehyd stammt von „formica“ ab, dem lateinischen Wort für Ameise, da Methanal durch Oxidation zu Ameisensäure reagiert. Entdeckt wurde der stechend riechende Stoff, der sich in Wasser lösen lässt, 1855 von dem russischen Wissenschaftler Alexander Michailowitsch Butlerow.

Was bewirkt Formaldehyd und wo wird es eingesetzt?

Formaldehyd hat ein ganz großes Talent: Es sorgt dafür, dass sich Vernetzungen bilden. Diese Eigenschaft macht es zu einem wichtigen Ausgangsstoff bei der Herstellung von Kunststoffen, Spanplatten und Klebstoff. Während die Lösungsmittel verdampfen, bastelt Formaldehyd aus den flüssigen Bestandteilen immer größere Puzzlestücke zusammen, bis die Masse aus stabilen Ketten besteht und fest wird. Das funktioniert auch mit Keratin, dem wichtigsten Eiweißbaustein unserer Haare und Fingernägel, weshalb die Chemikalie gern in Nagelhärtern, Nagellacken, aber auch in Haarglättungsmitteln eingesetzt wird. Weiteres Plus: Formaldehyd kennt kein Pardon, wenn es um Bakterien geht. Deshalb wurde es lange Zeit als Konservierungsmittel für Cremes, Bodylotions und Badeprodukte verwendet, was heute jedoch nur noch selten der Fall ist. Oft vergessen: Selbstbräuter, selbst in der Naturkosmetik, enthalten häufig DHA. Zerfällt dieser instabile Stoff, bleibt Formaldehyd als Abfallprodukt zurück. Mehr über diese Problematik erfahrt Ihr hier. In unserer Liste natürlicher Selbstbräuner findet Ihr unbedenkliche Bräune aus der Tube, die ohna DHA auskommt.

Ein gruseliger Beweis dafür, wie heftig der Stoff auf Eiweißstoffe und Keime wirkt, wird an einem weiteren Anwendungsgebiet deutlich: Unter dem Namen Formalin hat 40%-iges Formaldehyd nämlich Karriere bei der Präparierung von Leichenteilen gemacht, die man für medizinische Zwecke oder aus Kriminalermittlungsgründen aufbewahren möchte. Darüber hinaus steckt die Substanz in Desinfektionsmitteln, Sperrholzmöbeln, Kleidung und Teppichen. Außerdem ist sie in dem künstlichen Süßstoff Aspartam zu finden.

Warum ist Formaldehyd problematisch?

Eigentlich logisch: Was stark genug ist, krauses Haar zu glätten und Organe über Jahrzehnte vor der Verwesung zu schützen, hat auch unangenehme Nebenwirkungen. Formaldehyd kann Haut, Atemwege und Augen reizen, ruft häufig Allergien, Gedächtnis- und Schlafstörungen hervor. Außerdem steht seit langem fest, dass diese Substanz die Entstehung von Tumoren begünstigt. Im Jahr 2004 stufte die Weltgesundheitsorganisation WHO Formaldehyd offiziell als „krebserregend für den Menschen“ ein. Das Bundesinstitut für Risikobewertung bestätigte dies im Jahr 2006, hält die Gefahr durch kosmetische Mittel allerdings für gering. Die EU hat daher zunächst einmal nur Grenzwerte für Formaldehyd festgelegt. Cremes, Lotions und Badezusätze dürfen demnach maximal 0,2 Prozent der Chemikalie enthalten. Liegt der Wert über 0,05 Prozent, ist das Produkt mit dem Hinweis „enthält Formaldehyd“ zu kennzeichnen. Bei Nagelhärtern beträgt die Höchstmenge fünf Prozent – keine geringe Menge, die – wie ÖKO-TEST zeigt – teilweise sogar noch überschritten wird. Oder die Verordnung wird schlichtweg umgangen: Um sich aus dem Kreuzfeuer der Kritik zu retten, reagierten einige Hersteller, indem sie den Stoff selbst nicht mehr verwendeten – stattdessen aber Konservierungsmittel, die ihn erst später im Produkt bilden. Insofern handelt es sich um eine Verschleierungstaktik. Da die Käuferinnen und Käufer heute aber viel aufgeklärter sind und die betroffene Pflege kaum noch gekauft haben, werden derzeit nur noch etwa zwölf Prozent der Kosmetika damit haltbar gemacht. In vielen Nagelhärtern, Nagellacken und einigen Haarglättungsprodukten ist Formaldehyd aber nach wie vor ein zentraler Inhaltsstoff.

Unser Fazit

Dass Formaldehyd und seine Abspalter mittlerweile nur noch selten im Cremetopf landen, ist nicht nur aus gesundheitlicher Sicht erfreulich. Nicht nachzuvollziehen ist für uns, dass die Grenzwerte für Formaldehyd in Nagelhärtern und Nagellacken von der EU so hoch angesetzt werden, denn unsere Finger geraten doch ständig mit Lebensmitteln und unserem Mund in Berührung. Die Argumentation, unsere Nägel bestünden ja schließlich nur aus abgestorbenen Hornzellen, ist in unseren Augen nicht schlüssig. In Naturkosmetik ist Formaldehyd selbstverständlich tabu. Um die Haltbarkeit der Produkte zu verlängern, setzen die Hersteller vor allem auf ätherische Öle und clevere Verpackungen. Bio-Nagelöle kräftigen die Nägel durch Pflanzenfett, natürliches Kalizum und Keratin aus Radieschen. Zertifizierte Nagellacke gibt es bisher nur von Logona. Einige Naturkosmetikhersteller bieten aber schadstoffarme Nagellacke an, in denen garantiert kein Formaldehyd verwendet wird.

Weitere interessante Artikel aus unserer Rubrik “Du kommst hier nicht rein”Sodium Laureth Sulfate,  Triethanolamin, Ammoniak, Aluminium, Azofarbstoffe, Hexan, Paraffin, Parabene und Silikon.

Garantiert ohne bedenkliche Inhaltsstoffe sind die Produkte unserer sorgfältig ausgewählten Partner, die alle zertifizierte Naturkosmetik anbieten: PRIMAVERA, alverdefarfallaSPEICK und marie w.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.