Du kommst hier nicht rein: EDTA

Sich zu binden ist ja was Schönes, wenn es um Liebe geht. Der chemische Komplexbildner EDTA schleppt dagegen alles ab, was ihm so in die Quere kommt. In Shampoos, Seifen und Körperpflege dockt er z. B. an Schadstoffe an und schleust sie in die Haut. Auch der Umwelt macht er schwer zu schaffen. Deshalb heißt es in Bio-Beauty: Zutritt verboten.
Du kommst hier nicht rein: EDTA, Foto: PIXABAY
Wie findet man EDTA in der INCI-Liste?

Die Verbindung mit dem unaussprechlichen Namen Ethylendiamintetraessigsäure, chemisch Ethylene-Diamino-Tetra-Acetate genannt, wird z. B. unter den Bezeichnungen Disodium EDTA, Tetrasodium EDTA, Sodium EDTA oder einfach nur EDTA aufgeführt.

Was ist EDTA eigentlich?

Auch wenn sich die Endung auf Essigsäure zunächst mal sehr natürlich anhört: EDTA wird synthetisch hergestellt – und das in großen Mengen: Rund 2180 Tonnen wurden nach Angaben des Umweltbundesamtes im Jahr 2003 produziert. Es handelt sich dabei um einen Komplexbildner, also einen Stoff, der sehr leicht mit anderen Substanzen eine Bindung eingehen kann. Dadurch trägt EDTA manchmal dazu bei, dass sogar solche Zutaten miteinander reagieren, die das unter normalen Umständen nicht tun würden. Genau das macht diese Chemikalie für die Industrie so interessant.

Was bewirkt EDTA und wo wird es eingesetzt?

EDTA liebt es, Verbindungen mit Mineralstoffen wie Kalzium und Magnesium einzugehen. Die sind zwar gesund, können unser Leitungswasser aber hart machen, so dass Seifen, Shampoos und Waschmittel weniger gut schäumen. Deshalb wird EDTA diesen Produkten gern als Wasserenthärter beigefügt. Aber nicht nur als Schaumschläger hat diese Substanz Karriere gemacht. Sie wird auch in Bodylotions und Sonnenmilch verwendet, um Inhaltsstoffe miteinander zu vermischen und die Produkte lange stabil zu halten.

Unter der Bezeichnung E 385 ist EDTA in der EU auch als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen, wo er Fertigsaucen emulgiert und dazu beiträgt, dass sich Wasser und Öl in Halbfettmargarine verbinden. Auch in Konserven findet man EDTA, denn seine zweite große Leidenschaft sind Metalle. Er fängt sie ein und sorgt so dafür, dass Gemüse und Ravioli nicht nach Dose schmecken. Außerdem kommt Ethylendiamintetraessigsäure bei der Entwicklung von Farbfotos und als Bakterienkiller in Kontaktlinsen-Pflegemitteln zum Einsatz. In Zahnarztpraxen und in Krankenhäusern wird EDTA gegen Metallvergiftungen angewandt.

Warum ist EDTA problematisch?

Gerade die Bindungsfreudigkeit, die EDTA bei Chemikern so beliebt macht, wird im Alltag leider oft zum Bumerang. In Bezug auf Kosmetikprodukte besteht der Verdacht, dass EDTA wie eine Art Taxi wirken kann, das es bedenklichen Inhaltsstoffen wie Parabenen oder chemischen UV-Filtern erleichtert, die Hautbarriere zu passieren und ins Innere des Körpers zu gelangen. Wer häufig Fertiggerichte aus Dosen isst, riskiert einen Mangel an Eisen, denn an EDTA gebunden können Magen und Darm es nicht richtig verwerten. In Australien ist dieser Zusatzstoff für Lebensmittel übrigens verboten.

Darüber hinaus ist EDTA Gift für die Umwelt. Das liegt daran, dass der Stoff kaum abbaubar ist und vom Klärschlamm in die Gewässer gelangt. Auch in diesem Fall leider nicht allein: Wie ein Magnet nimmt es alle möglichen Schwermetalle huckepack und bringt sie dadurch in die Nahrungskette. Sowohl im Grund- als auch im Trinkwasser ist die Chemikalie nachweisbar. Das Umweltbundesamt empfiehlt daher schon seit den 1990er Jahren, EDTA durch andere Stoffe zu ersetzen, die in den Kläranlagen besser entfernt werden können. Allerdings nur mit begrenztem Erfolg: Die Produktion dieser Chemikalie ist zwar deutlich zurückgegangen und in Waschmitteln wird EDTA inzwischen kaum noch eingesetzt – aber vom Markt verschwunden ist es noch lange nicht.

Unser Fazit

Für uns ist nicht nachzuvollziehen, warum es bislang nur bei Empfehlungen geblieben ist, zumal es – je nach Einsatzgebiet – genug natürliche Alternativen wie z. B. Zitronensäure zur Wasserenthärtung gibt. In Bio-Pflege dient häufig die aus Reisschalen gewonnene Phytinsäure als Ersatzstoff, die in der Pflanze für die Speicherung von Kalzium, Kalium, Magnesium und Eisen zuständig ist. Auch aus Zucker lassen sich Komplexbildner herstellen, die beispielsweise in Naturkosmetik-Shampoos, -Duschgels und –Seifen zu finden sind. Dadurch schäumen sie zwar etwas schwächer – sind aber für Haut, Gesundheit und Umwelt eine rundum saubere Sache.

Hier findet Ihr alle Beiträge unserer Serie „Du kommst hier nicht rein“.

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7 Gedanken zu „Du kommst hier nicht rein: EDTA“

  1. Das Produkt EDTA ist ein Chemie-stoff von Firma (vorallem) BASF. und ihr Vertreter
    sind in der Eu-Kommision RECh dabei, so ein EDTA-Verbot wird nach wie vor ver-
    hindert. Obwohl, zahlreiche Alternativ-Komplexbilder sind auf dem Markt, immerhin mit weniger Vertreter in der Eu-Kommision!!!

  2. EDTA trägt zwar dazu bei, dass es sich an Stoffe bindet, diese sind aber meistens giftige Metalle (eg. Schwermetalle) und in keinerlei Hinsicht ist EDTA für unseren Körper schädlich. Im Gegenteil! Es gibt eine eigene Therapieform, die auf breiter Masse Verwendung gefunden hat. Es bindet sich mit einer 6-fach Bindung an einen Stoff und verlässt den Körper auf natürlichem Wege, seine Halbwertszeit beträgt 45 min, so sind nach 150 minuten nurmehr 10% des Stoffes vorhanden, zudem er ja sowieso nicht schädlich ist.

    1. Lieber Philipp,
      vielen Dank für Deinen Kommentar. Die schädliche Wirkung von EDTA auf unseren Körper ist nach wie vor umstritten – wir sehen allerdings keinen Grund, einen möglicherweise schädlichen Stoff in unsere Kosmetik zu lassen, wenn es unbedenkliche Alternativen gibt. Nicht zuletzt ist EDTA auch deshalb in zertifizierter Naturkosmetik verboten, weil er wie ein Gift auf die Umwelt wirkt.
      Liebe Grüße, Dein naturalbeauty-Team

    2. Wie ist es dann so lange nachweisbar
      Arbeitest du evtl. für einen Hersteller?
      Warum wird es immer weniger verwendet und warum in einigen Ländern ganz verboten (nur in Deutschland wie immer freiwillig)?
      Vermutlich hast du sogar recht das EDTA für sich unschädlich ist, aber da es ein ‚Verbindungsgift‘ ist, möchte ich es weder zu Hause noch in der Umwelt haben.

      1. Lieber Dietmar,
        vielen Dank für Deinen Kommentar.
        naturalbeauty.de ist ein unabhängiges Portal.
        Warum die Rechtslage in Deutschland so ist, wie sie ist, können wir Dir leider auch nicht beantworten.
        Aber: Du hast ganz Recht, dass EDTA Risikopotential hat, darum liegt uns die Aufklärungsarbeit auch so sehr am Herzen.
        Wir sind daher froh, dass EDTA in echter Naturkosmetik nicht zugelassen ist! So ist man auf der sicheren Seite…
        Liebe Grüße,
        Dein naturalbeauty.de.-Team

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