Muttertag – Muss das sein?

Blumen und Co. gehören am Muttertag fast schon zum Pflichtprogramm. Und sowieso: Muttertag ignorieren? Für viele aus Prinzip ein No-Go. Ob man die Dankbarkeit ernst meint oder nicht. Aber braucht man wirklich einen national festgelegten Tag, um der eigenen Mama zu zeigen, dass man sie liebt? Unsere Redakteurin Janine gibt persönliche Einblicke in ihre Gedanken zu dieser Frage.
BLOG Muttertag - Muss das sein? Bild: pexels

Ein kleiner Ausflug in die Geschichte: Vor über 100 Jahren begann der Muttertag sich von den USA aus in der westlichen Welt auszubreiten. Dabei etablierte er sich auch in Deutschland. Heute feiern wir den Ehrentag der Mütter am zweiten Sonntag im Mai. Ein schneller Blick auf Wikipedia verrät: Die US-Amerikanerin Anna Marie Jarvis veranstaltete in 1907 einen Gedenktag für ihre zwei Jahre zuvor verstorbene Mutter. Im Jahr darauf wurde sie dazu gedrängt, eine Andacht für alle Mütter zu organisieren. Daraufhin ließ Jarvis vor der örtlichen Kirche 500 Nelken an andere Mütter verteilen – in Erinnerung an die Liebe zu ihrer eigenen verstorbenen Mutter. Anschließend setzte sie sich stark für die Einführung eines offiziellen Muttertags ein. Mit Erfolg: Seit 1914 ist der Muttertag ein nationaler Feiertag in den USA und eroberte von dort aus den Globus.

Heutzutage ist der Muttertag stark kommerzialisiert. Jarvis gibt an, die Erschaffung dieses Feiertags zu bereuen und kämpft verzweifelt für seine Abschaffung.

Vom Zwang, zu schenken

BLOG Muttertag - Muss das sein? Bild: pexels

In der ersten Klasse lernte ich, dass es den Muttertag gibt. Im Kunstunterricht bastelten wir alle ein Geschenk für Mama. Mit dem Ende der Grundschule wichen selbstgemalte Bilder am Muttertag einem groß vorbereiteten Frühstück und frischen Blumen. Mir machte das Spaß und ich freute mich, wenn meine Mama sich freute. Ein paar Jahre ging das so. Dann grätschte die Pubertät in mein Leben und stellte alles auf den Kopf.

Ich war ein rebellischer Teenager. Mit bunten Haaren, Piercings, einer Vorliebe für die Farbe schwarz und düsterer Musik, die viel zu laut durch meine verschlossene Zimmertür in den Rest des Hauses wummerte. Zutiefst mit mir selbst und der Welt im Kampf, litt auch die Beziehung zu meinen Eltern unter den Auswüchsen meiner Pubertät. Die Stimmung war häufig bis zum Zerreißen gespannt. Und mit jedem Jahr nervte der Muttertag mich mehr. Er kam mir vor wie ein völlig willkürlich und künstlich geschaffener Tag, um Blumenverkäufe nach oben zu treiben und gleichzeitig die Dankbarkeit gegenüber der eigenen Mutter zu beteuern – ob es gerade passt, oder nicht.

Es muss 2005 oder 2006 gewesen sein, als ich schließlich beschloss, den Muttertag zu ignorieren. Inmitten von Wortgefechten und Türenknallen sollte ich plötzlich losziehen und Blumen für meine Mutter kaufen? Das kam mir geheuchelt vor. Unecht. Erzwungen. Ich fragte mich: Warum soll ich Blumen mitbringen, wenn ich mich doch gerade mit meinen Eltern im „Krieg“ befinde? Wer glaubt mir denn das? Und wieso soll ich die Blumen ausgerechnet heute mitbringen, nur weil irgendwer das irgendwann mal so festgelegt hat? Warum kann ich nicht dann Blumen an meine Mutter verschenken, wenn ich das möchte? Ich fühlte einen Zwang zu schenken, dem ich mich nicht länger beugen wollte. Und so kam der Muttertag, und so ging der Muttertag, und ich verlor kein Wort darüber. Es gab kein Frühstück. Keine Blumen. Nichts.

Am nächsten Tag kam er dann. Der Anruf von meiner Oma, der alles änderte.

Von der Freude, anderen eine Freude zu machen

BLOG Muttertag - Muss das sein? Bild: pexels

„Deine Mutter hat mich angerufen. Sie ist todtraurig, dass du ihr gestern nicht zum Muttertag gratuliert hast. Hast du ihn vergessen?“
„Nein.“
Meine Oma wiederholte nur: „Sie ist todtraurig. Nicht ein Wort hättest du gesagt.“

Das hat mir das Herz gebrochen.

Meine Mama vermisste keine Blumen, kein Frühstück. Sie wünschte sich nur ein paar warme Worte, eine Umarmung. Vielleicht als Zeichen, dass trotz allem Krieg noch ganz viel Liebe zwischen uns ist – und das war sie natürlich und ist sie bis heute. Aber von mir kam nichts. Mir selbst zu verzeihen, dass ich ihr so weh getan habe, ist gar nicht so leicht. An diesem Tag wurde mir so einiges klar. Vor allem, dass es manchmal einfach nicht um mich geht.

Ich liebe meine Mama und der Muttertag ist seither ein Tag – einer von vielen! – an dem ich ihr das zeigen kann und will. Mir ist der Muttertag wichtig, weil er meiner Mutter wichtig ist. Seit diesem Anruf von meiner Oma bekommt meine Mutter wieder jedes Jahr zum Muttertag etwas. Mal sind es Blumen, mal ist es etwas anderes. Mir macht es Freude, ihr eine Freude zu machen. Darum schenke ich – und nicht, weil irgendwann mal irgendwer festgelegt hat, dass an diesem Tag geschenkt werden muss.

Erinnerungen statt Blumen

BLOG Muttertag - Muss das sein? Bild: pexels

Noch immer bin ich der Meinung, dass der Muttertag unnötig kommerzialisiert ist. Ich kann verstehen, warum Frau Jarvis findet, dass dieser Tag nur noch wenig mit dem zu tun hat, was sie ursprünglich im Sinn hatte. Wer aus Pflichtbewusstsein Blumen oder Pralinen schenkt, nur weil es so im Kalender steht, der hat den Sinn des Muttertags nicht verstanden.

Würde ich noch in der Gegend wohnen, würde ich mir meine Mama morgens schnappen und sie zum Brunch einladen, oder abends mit ihr Essen gehen. Oder sonst irgendwas machen! Nur sie und ich. Gemeinsam Zeit verbringen, Spaß haben, eine tolle Erinnerung schaffen. Die währt auch dann noch, wenn alle Blumen längst verwelkt sind. Aber: Es gibt genügend andere Tage, an denen ich das genauso gut kann. Erst letztes Wochenende war meine Mutter bei mir zu Besuch in München. Nach dem Frühstück sind wir nochmal ins Bett gekrochen und haben Rücken an Rücken bis in den Mittag hinein geschlummert. Abends habe ich sie zum Essen in mein Lieblingsrestaurant eingeladen. Am Sonntag war schlechtes Wetter und wir lagen nebeneinander auf der Couch – Netflix-Serien-Marathon bis in die Nacht. Wenn meine Mutter nicht meine Mutter wäre, wäre sie meine beste Freundin. Das zeige ich ihr gern, wann immer mir danach ist. Muttertag ist nur ein weiterer Tag, den ich zum Anlass dafür nehme.

Fazit: Alles kann, nichts muss

Ob man am Muttertag etwas schenken möchte, oder nicht, sollte jeder für sich selbst entscheiden. Die wichtigste Sache dabei: Der Muttertag hält einen nicht davon ab, auch an jedem anderen Tag, an dem man sich danach fühlt, der Mama etwas Gutes zu tun. 😉

Janine

Autor: Janine

Hi, ich bin Janine und ständig auf der Suche nach neuen Trends und Beauty-Lieblingsstücken! Wenn ich nicht gerade für einen neuen Artikel mit Worten jongliere oder den roten Korrekturstift schwinge, kümmere ich mich um die Organisation der Website und mache Facebook und Co. unsicher. :)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.