Drück mich!

Mein Tag begann ganz schön nervig: Auf den knapp fünfzig Kilometern, die zwischen meinem Heim und dem Münchener Büro liegen, meinten es die übrigen Verkehrsteilnehmer nicht gerade gut mit mir. Alle wollten sie nach München, und alle wollten sie als erste da sein. Was bedeutete: Stau, fast die ganze Strecke. Wie schön wäre es jetzt, die Zeit eingekuschelt auf der Couch zu verbringen, dachte ich noch, als mir drei fröhliche Radio-Moderatoren verkündeten: Heute ist Weltknuddeltag. Nicht, dass ich der Meinung wäre, ein solcher Tag sei als Anlass für liebevolle Gesten nötig. Aber allein seine Existenz hat mich schon ein wenig nachdenklich gemacht…
Knuddeln, Foto: PIXABAY

Nach 2 ½ Stunden Fahrt saß ich endlich an meinem Schreibtisch und konnte nicht anders, als beim morgendlichen Müsli Google nach dem Sinn dieses Tages zu befragen: Tatsächlich gibt es den National Hug Day schon seit 1986 und er kommt – welch Überraschung  – aus den USA. Er soll daran erinnern, wie schön eine herzliche und liebevolle Umarmung sein kann. So weit, so gut. Aber ist es nicht traurig, dass man uns darauf überhaupt hinweisen muss? Mal ehrlich: Wie oft fallen wir unseren Lieben heute eigentlich noch so richtig um den Hals?

Ungezügelte Freude

Ich meine damit nicht die fast schon routinemäßige, zurückhaltende Umarmung, die manchmal zur Begrüßung üblich ist. Spontan denke ich da eher an die überfallartigen Angriffe meiner Freundin Eva, die mich beinahe umwirft, bloß weil wir uns eine Woche nicht gesehen haben. Die mich warm und herzlich an sich drückt und erst wieder loslässt, wenn sie mir strahlend gesagt hat, wie sehr sie sich freut, mich zu sehen. Schade, dass wir uns für solche Gesten oft zu erwachsen fühlen oder uns zügeln, weil wir gerade mitten in einer Menschenmenge stehen.

Aber mal unter uns: Fühlt Ihr Euch gestört von einem verliebten Paar, dass sich auf dem Bahnsteig Lebewohl sagt oder überschwänglich begrüßt? Ich muss dann immer nur lächeln und freue mich über so zärtliche Verabschiedungen und ungebremste Wiedersehensfreude. Solche Szenen reißen mich irgendwie mit. Sie lassen meinen Bauch kribbeln und erinnern mich daran, dass ich abends auch wieder heim komme. Dahin, wo mein Freund und unsere verrückten Hunde mir schon im Hof entgegen gerannt kommen.

Nähe, Wohlgefühl und schöne Erinnerungen – Knuddeln

So eine Umarmung tut einfach nur gut. Die Geste allein vermittelt Nähe und ein Gefühl von Vertrauen. Und ich finde, man kann sich kaum schöner zeigen, wie sehr man einander mag. Eine wichtige Rolle spielt für mich dabei auch der Geruch. Meine Mutter wird auch heute noch vor dem Zubettgehen fest gedrückt, wenn ich zu Besuch bin. Es ist unglaublich, welche Erinnerungen diese Umarmungen wach rufen: Meine Mutter benutzt noch dieselbe Creme wie früher und sobald ich mich ihrer Wange nähere, fühle ich mich wieder so beschützt wie mit 7 Jahren. Als ich jeden Abend an die Schulterpolster ihres Morgenmantels gelehnt auf dem Sofa eingeschlafen bin.

Auch bei meinem Freund ist es der Duft, der mir bei unserem Kennenlernen schon so verführerisch in die Nase flatterte – ganz ohne Parfum, einfach sein ganz eigener Geruch, den ich als eine Mischung aus Freiheit und Geborgenheit beschreiben würde. Vielleicht liegt es auch an dem Hauch von Holzfeuer, der irgendwie immer an seiner Haut hängt… Er hingegen mag den Duft meines Shampoos, meiner Cremes und Öle, so dass er mich beim Umarmen immer schelmisch seine Kräuterhexe nennt. Ich bin überglücklich, dass er mich nicht nur gern im Arm hält, sondern offensichtlich auch wirklich gut riechen kann. Gute Gründe, um es wie meine Freundin Eva zu halten – auf zum Knuddeln!

Jenny

Autor: Jenny

Hallo, ich bin Jenny. Schon seit 2008 arbeite ich im Bereich PR, Text und Konzept für die Naturkosmetikbranche. Für naturalbeauty.de nehme ich vor allem Inhaltsstoffe unter die Lupe und beleuchte den Kosmetikmarkt kritisch – schließlich wünschen wir uns pure Natur ohne Nebenwirkungen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.