Wie kommt das Kraut in die Kosmetik?

Auch wenn jede Menge Heilpflanzen in Ihrer Creme stecken: Zu sehen sind sie normalerweise nicht. Statt grüner Stückchen findet man meist nur eine weiße Paste im Tiegel. Das ist nicht nur angenehmer beim Auftragen, sondern hat auch mit der Wirksamkeit zu tun. Wie gewinnen Bio-Beauty-Hersteller eigentlich ihre Zutaten?

Von der Wiese auf die Haut? So einfach geht das natürlich nicht, wenn man sich mit Kräutern pflegen möchte. Um die Heilkräfte einer Pflanze nutzen zu können, muss sie erst mal verarbeitet werden. Deshalb legen wir ja auch keine puren Kamillenblüten auf unsere Pickel, sondern kochen lieber einen Tee daraus, mit dem wir die Stellen dann abtupfen. Dieser Schritt ist nicht nur wichtig, damit man überhaupt erst mal an die entscheidenden Wirkstoffe kommt, sondern auch, um sie ausreichend konzentrieren zu können. Mit einem simplen Aufguss ist es bei der Herstellung professioneller Naturkosmetik logischerweise längst nicht mehr getan. Ein Teeauszug würde in Null-komma-nichts verderben und wäre viel zu schwach, um als Wirkstoff in einer Creme Falten zu glätten oder gereizten Teint zu beruhigen. Dafür braucht es schon cleverere Ideen! Aber wo ist eigentlich die Grenze der Bearbeitung?

Für zertifizierte Naturkosmetik, die Sie zum Beispiel am BDIH- oder NATRUE-Siegel erkennen, gibt es klare Vorgaben, welche Methoden erlaubt sind und welche nicht. Wichtigstes Kriterium ist dabei, dass die Molekülstruktur der Substanz nicht verändert wird. Wirkstoffe mit Wasser oder Bio-Alkohol zu lösen, ist okay. Ein aggressives Lösungsmittel wie Hexan zu nehmen, das die Pflanzenzellwände chemisch zerstört und oft von konventionellen Kosmetikfirmen verwendet wird, ist dagegen verboten. Wir verraten Ihnen die Top 3 der Bio-Beauty-Gewinnungsverfahren!

Auf Platz eins: Wässrig-alkoholische Auszüge
Am beliebtesten, um Kräutern ihre Wirkstoffe zu entlocken, ist bei Naturkosmetikherstellern die Herstellung eines wässrig-alkoholischen Auszugs. Denn auf diese Weise lassen sich sowohl wasser- als auch ein Teil der fettlöslichen Substanzen extrahieren. Außerdem ist die so entstehende Tinktur lange haltbar, da Alkohol bekanntlich konserviert. Je nach Firma variiert die Technik.

Bei Logona etwa werden die Pflanzen zuerst in Leinensäcke gefüllt, die als Filter dienen, bevor in einer Extraktionsanlage sechs Stunden lang Bio-Alkohol, pflanzliches Glyzerin und Wasser hindurchgepresst werden. Danach sind alle wichtigen Inhaltsstoffe in die Flüssigkeit übergegangen und können ihre Wirkung im fertigen Produkt voll entfalten.

Mit Rühren, Sonne und viel Geduld: Ölauszüge
Nicht alle Pflanzen-Inhaltsstoffe, die toll für die Haut sind, lassen sich durch Wasser oder Alkohol lösen. Dieses Phänomen kennen wir ja auch aus der Ernährung. Wer Mohrrüben isst, sollte beispielsweise immer einen Klecks Fett dazugeben, weil die darin enthaltenen Vitamin-A-Vorstufen sonst nicht verwertet werden können. Das gilt auch für einige Kräuter-Inhaltsstoffe wie zum Beispiel die Carotinoide aus Calendula-Blüten.

In solchen Fällen setzen die Naturkosmetikhersteller bevorzugt auf Ölauszüge, die allerdings deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen als wässrig-alkoholische Auszüge. Dafür werden die zerkleinerten Pflanzen mit einem Basisöl übergossen und etwa drei Wochen stehen gelassen. Je nachdem, welches Pflanzenfett man als Grundlage nimmt, kann man damit auch gleich Akzente für die kosmetische Wirkung setzen. Weizenkeimöl enthält beispielsweise sehr viel bindegewebsstraffendes Vitamin E, sodass es eine tolle Zutat für Celluliteprodukte ist. Jojobaöl hat den Vorteil, geruchsneutral zu sein und rasch einzuziehen, Mandelöl ist optimal für empfindlichen Teint.

Bio-Beauty-Firmen wie Tautropfen stellen die Glasgefäße dabei in die Sonne, um den Prozess durch die Wärme zu beschleunigen. Bei Dr.Hauschka rühren die Mitarbeiter die Ansätze eine Woche lang jeden Morgen und Abend gut durch, damit ein Wechsel aus Hell und Dunkel, Ruhe und Bewegung entsteht. Da hat jeder Hersteller sein eigenes Rezept.

Edle Tropfen: Ätherische Öle wirken dreifach
Wahrhaft dufte ist auch die Verwendung eines Heilkrauts in Form seines ätherischen Öls. Das gebräuchlichste Verfahren zur Gewinnung ist die Wasserdampfdestillation. Dazu wird in einen verschlossenen Kessel mit zerkleinerten Pflanzenteilen heißer Wasserdampf eingeblasen, der das ätherische Öl herausschwemmt. In einem gekühlten Rohr kondensiert das Gemisch, das anschließend in einem Auffangbehälter in ätherisches Öl und Blütenwasser getrennt wird, das ebenfalls Wirkstoffe enthält. Letzteres wird für Hydrolate verwendet, die Sie als Gesichtswasser oder zur Erfrischung zwischendurch benutzen können.

Bekanntestes Beispiel ist Rosenwasser. Zitrusöle werden dagegen kalt aus den Schalen gepresst und durch Zentrifugierung abgetrennt. Ätherische Öle sind nicht nur so hochwirksam, dass schon wenige Tropfen davon in einem Produkt reichen, sondern verlängern obendrein die Haltbarkeit und verleihen Naturkosmetik einen herrlichen Duft.

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