Umstieg auf Naturkosmetik

Schluss mit Silikon, Parabenen und Paraffin. Ab heute pflege ich mich grün! Ein guter Entschluss, doch die Umstellung von herkömmlicher Beauty auf Naturkosmetik klappt nicht von heute auf morgen. Gerade zu Beginn reagieren Haut und Haare oft ganz schön undankbar. Womit man rechnen muss und wie’s ein Happy End gibt.
Umstieg auf Naturkosmetik, Foto: PIXABAY

„Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt“: Diese Worte von Mahatma Ghandi gelten auch in punkto Schönheitspflege. Klima-Erwärmung, Pestizide im Gemüse, Plastik im Meer und bedenkliche Kosmetikzutaten wie Aluminiumsalze wecken in uns die Sehnsucht nach Reinheit und Natürlichkeit. Immer mehr Menschen entscheiden sich deshalb bewusst dafür, nur noch Naturkosmetik zu benutzen. Sie wollen nicht nur Pflege-Spaß haben, sondern auch genau wissen, welche Inhaltsstoffe in ihren Produkten enthalten sind, machen sich Gedanken um umweltfreundliche Verpackungen und die Abbaubarkeit von Tensiden.

Erste Ernüchterung

Bio-Beauty ist für viele zum Ausdruck ihres grünen Lebensstils geworden. Doch was ist das? Kaum wechseln wir zu Naturkosmetik, spielen Haut und Haare oft erst mal verrückt. Aber hey, kein Grund, wieder zu Chemie zu greifen! Denn bei der Umstellung auf Bio-Cremes und-Shampoos passiert eine ganze Menge auf Haut und Haar.

Das hat Tiefgang: Pflege mit Pflanzenölen statt Silikon und Paraffin

Wer konventionelle Gesichtscremes und Bodylotions benutzt, tut damit vor allem eins: Er balsamiert seine Haut mit einer geballten Ladung Silikon und Paraffin ein. Diese Stoffe, die synthetisch bzw. aus Erdöl hergestellt werden, bilden in den meisten herkömmlichen Pflegeprodukten die Basis. Denn sie sind günstig und umhüllen die Haut mit einem Film, der vor Feuchtigkeitsverlust schützt.

Klingt erst mal gut, aber wenn der Anteil an Silikon und Paraffin in einer Creme hoch ist, kann sich darunter der Schweiß stauen. Die Hornschicht quillt auf (wie in der Badewanne) und wird spröde, auch wenn man das zuerst gar nicht mitbekommt. Schließlich fühlt sich die hauchdünne Silikon-Paraffin-Folie auf dem Gesicht schön glatt an und mogelt wie ein Fugenfüller obendrein Fältchen weg.

Das böse Erwachen kommt meist erst nach der Reinigung: Die Haut spannt, weil der Film entfernt wurde, und wir haben den Eindruck, uns dringend wieder eincremen zu müssen. Ein echter Teufelskreis! Doch der kann mit Naturkosmetik durchbrochen werden. Denn in zertifizierter Bio-Beauty werden in erster Linie hochwertige Pflanzenöle eingesetzt, die tief in die Haut eindringen und sie mit hochwertigen Wirkstoffen versorgen. Die ausgehungerten Zellen wieder aufzupäppeln kann allerdings bis zu vier Wochen dauern, denn so lange benötigt die Haut, um sich vollständig zu erneuern.

Manchmal kommt es auch zu Rötungen, weil die Haut sich erst wieder an den Kontakt mit äußeren Einflüssen gewöhnen muss, da keine künstliche Silikon-Paraffin-Barriere mehr dazwischen liegt. Bis die Abwehrkräfte ihr natürliches Niveau zurückerlangt haben, verstreichen meist bis zu sechs Wochen. Auch Pickel sind möglich. Sie entstehen durch die Ausscheidung von chemischen Duft-, Farb- und Konservierungsstoffen, die sich durch die konventionelle Pflege in der Hornschicht angesammelt haben. Wer sehr trockene oder sensible Haut hat, kann sich die Regenerationsphase erleichtern, indem er zweimal pro Woche eine Maske verwendet oder zusätzlich zur Tagespflege ein Serum benutzt. Bei Unreinheiten unterstützen Gesichtsdampfbäder die Entgiftung.

Nach spätestens zwei Monaten hat man es aber überstanden: Der Teint wirkt klar, glatt und strahlend, denn er bekommt echte Pflege statt einer Folienschicht, hat sich von Schadstoffen befreit und wieder gelernt, sich selbst zu helfen.

Langstreckensieg: Happy Hair durch Zuckertenside und Geduld

Silikon steckt nicht nur in konventionellen Cremes, sondern ist darüber hinaus ein zentraler Wirkstoff in vielen herkömmlichen Shampoos und Spülungen. Ähnlich wie bei der Haut kann es während der Umstellung auf bio auch bei den Haaren passieren, dass sie sich zunächst sehr trocken anfühlen. Solange sie von einem lichtreflektierenden Silikonfilm überzogen waren, wirkten sie super glänzend und glatt. Wäscht sich dieser Mantel nun allmählich herunter, stellt man jedoch fest, dass dies ein Trugschluss war. Darunter kommt das eigentliche Haar zum Vorschein, das jahrelang echte Pflege entbehrt hat. Das muss jetzt erst mal durch Pflanzenöle, die in Bio-Haarpflege für Geschmeidigkeit sorgen, Schritt für Schritt wieder aufgepäppelt werden.

Weil Haare sich nicht so einfach erneuern wie die Haut, braucht man dafür viel Geduld. Mit mehreren Monaten sollte man – je nach Haarlänge – leider rechnen. Eine anderer möglicher Nebeneffekt ist, dass das Haar nach dem Wechsel zu Naturkosmetik-Shampoos plötzlich schneller nachfettet. Das kann daran liegen, dass die Talgdrüsen den aggressiven chemischen Schaumbildner Sodium Laureth Sulfate gewohnt sind, der stark austrocknend wirkt.

Hat die Kopfhaut erst mal kapiert, dass waschaktive Aminosäuren, Zucker- und Kokostenside sanfter sind, die Talgdrüsen also nach dem Waschen keine „Dürre“ mehr ausgleichen müssen, pendelt sich das Nachfetten auf ein Normalmaß ein.

Weitere interessante Artikel: z. B. Silikon, Paraffin, Sodium Laureth Sulfate, Aluminium, Parabene.

7 Gedanken zu „Umstieg auf Naturkosmetik“

  1. Danke für diesen interessanten Artikel. Ich kann ihn leider überhaupt nicht bestätigen. Nach zwei Jahren (!) konsequenter Verwendung von Naturkosmetik (von günstig bis hochpreisig) habe ich eine total überpflegte Haut bekommen, die nur noch mit roten Flecken übersät war und gespannt hat. An Armen und Beinen habe ich ebenfalls Pickel von dem zuviel an Fett bekommen. Meine Haare wasche ich seit 3 Jahren nur mit Naturkosmetik, aber meine juckende Kopfhaut hat sich nicht beruhigt und die Haare stehen in alle Richtungen.

    1. Hallo Verena,

      so wie du die Situation schilderst, klingt es, als sei deine Haut besonders sensibel oder würde auf bestimmte Inhaltsstoffe anspringen. Natürlich ist es möglich, dass man auch auf Inhaltsstoffe die in Naturkosmetik stecken allergisch oder sensibel reagieren kann. Etwas genaueres kann hier allerdings nur ein Hautarzt feststellen.

  2. Vielen Dank für den guten Artikel. Ich befinde mich auch grade bei der Umstellung zur Naturkosmetik und meine Haut spielt auch (nach 2Wochen) ein wenig verrückt.Im Gesicht habe ich rote Flecke und sie juckt ein wenig.Langsam wird es besser. Meine Haare fühlten sich nach den ersten Haarwäschen trocken und stumpf an doch jetzt sind sie schön weich und alle Silikone sind raus (habe ein Peeling mit Kokosöl und Kaffeesatz gemacht).Bin froh das man mit Geduld die ganze Chemie aus dem Bad verschwinden lassen kann. Danke für deinen Erfahrungsbericht bleibe weiter dran. 😉

  3. Ich glaube, die Pflanzenöle sind die besten Kosmetika. Sie enthalten nur die natürlichen Stoffe und sind naturfreundlich. Jeden Tag trage ich Kokosöl von Laboratorium Biooil auf meine Gesichtshaut auf und muss zugeben, dass meine Haut frisch und gesund aussieht. Ich habe aber auch über die guten Eigenschaften des Leinöls gehört, insbesonere wenn es sich um das Haarölen handelt, aber ich habe das noch nie ausprobiert. Hat jemand irgendwelche Erfahrung damit?

  4. Bei mir ist es genau umgekehrt! Jahrelang habe ich für meine Haare nur NK verwendet, inzwischen ist es unmöglich geworden. Ich bekomme juckende Kopfhaut und starken Haarausfall. Zuerst hatte ich dieses Phänomen nur bei bestimmten Shampoos, inzwischen auch, wenn ich mit Pflanzenhaarfarbe von Khadi färbe.

    Im Gesicht war die ersten Monate alles bestens, jetzt wird meine Haut immer trockener, juckt und brennt. Mit konventioneller Kosmetik (gute INCI) habe ich diese Probleme nicht. Nur am Körper vertrage ich NK (noch).

    1. Liebe Andrea,
      dass Du so schlechte Erfahrungen mit NK gemacht hast, tut uns natürlich Leid. Ein Besuch beim Experten könnte da hilfreich sein. Ein Hautarzt kann herausfinden, ob eventuelle Unverträglichkeiten die heftigen Reaktionen verursachen. Manche Menschen reagieren zum Beispiel auf bestimmte ätherische Öle allergisch. Steht die Ursache fest, könnte Naturkosmetik ohne die entsprechenden Inhaltsstoffe eine neue Option für Dich sein. Gerade weil du die Körperpflegeprodukte gut verträgst, sollte es Möglichkeiten geben. Es wäre schließlich schade, wenn Du entgegen Deiner Überzeugung weiterhin auf konventionelle Kosmetik zurückgreifen müsstest. Wir hoffen, dass Du schnell Antworten findest und natürliche Produkte, die Du gut verträgst.
      Dein naturalbeauty.de-Team

    2. der zustand der haut ändert sich (stress, alter, ernährung, jahreszeit), und somit sollte/muss auch die hautpflege sich ändern/angepasst werden. egal ob konventionell oder naturkosmetik.

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