Tierversuche? Ohne uns!

Am 24. April wird weltweit der „Internationale Tag zur Abschaffung der Tierversuche“ begangen. Die gibt es nämlich immer noch, auch wenn solche Tests für Kosmetik in der EU mittlerweile verboten sind. Allein im Jahr 2015 starben in deutschen Laboren mehr als drei Millionen Kaninchen, Ratten, Katzen und Mäuse. Notwendiges Übel oder üble Not?

Wuffi, Langohr oder Fridolin? Fehlanzeige! Die drei Millionen Versuchstiere in Deutschland haben keine Namen, sondern nur Nummern. Obwohl Gesichtscremes, Nagellacke und Lippenstifte seit März 2013 in Europa nicht mehr an Tieren getestet werden dürfen, müssen immer noch unzählige Ratten, Affen, Meerschweinchen und Hunde leiden. Zum einen, weil dieses Vorgehen in Ländern wie China für Kosmetik immer noch Pflicht ist. Und zum anderen, weil an ihnen die Wirkung von Medikamenten oder die Verträglichkeit von Haushaltsreinigern erprobt wird. Der „Internationale Tag zur Abschaffung von Tierversuchen“, der 1962 in England ins Leben gerufen wurde und seitdem jedes Jahr am 24. April stattfindet, soll auf das Schicksal dieser Vierbeiner aufmerksam machen. Denn auch, wenn die Forschung uns gern das Gegenteil weismachen möchte, sind derartige Tests nicht nur grausam, sondern oft sogar sinnlos.

Versuch macht klug? Denkste!
„Tierversuche sind ein Lotteriespiel, denn die Ergebnisse können nicht zuverlässig auf den Menschen übertragen werden“, betont der Verein Ärzte gegen Tierversuche. Schließlich unterscheiden wir uns nicht nur in punkto Körperbau und Stoffwechsel, sondern bewegen uns auch anders fort und haben eine längere Lebensdauer. Was das für Konsequenzen haben kann, beweist ein simples, aber eindrucksvolles Beispiel: Während ein einziger Knollenblätterpilz ausreicht, eine ganze Familie krank zu machen, verträgt ihn das Kaninchen, eines der beliebtesten Versuchstiere, bestens. Fälle wie dieser erklären auch, warum es manchmal vorkommt, dass zugelassene Medikamente später wieder vom Markt genommen werden müssen. Mindestens 58.000 Todesfälle pro Jahr gingen in Deutschland auf das Konto von Arznei-Nebenwirkungen, für die es in Tierversuchen zuvor keinerlei Hinweis gab, so die Ärzte-Organisation. Fragt sich nur: Was ist eigentlich mit Ersatzmethoden? Davon hört man doch immer wieder.

Für Alternativen gibt’s Applaus – aber oft keine Anerkennung
Obwohl es mittlerweile eine ganze Reihe von tierfreien Testmöglichkeiten gibt, werden relativ wenige davon routinemäßig eingesetzt. Der Hauptgrund dafür ist, dass die Konzerne sich gegen Schadensersatzklagen absichern möchten, und zwar weltweit. Das klappt nach derzeitiger Rechtslage am besten, wenn man sich auf vorher durchgeführte Tierversuche berufen kann. Hinzu kommt, dass einige der neu entwickelten Methoden zwar zunächst als Durchbruch gefeiert, aber am Ende dann doch nicht zugelassen wurden. Allerdings nicht etwa, weil sie nicht funktionieren! Sondern weil sie, um als Alternative gesetzlich akzeptiert zu werden, dieselben Ergebnisse wie der entsprechende Tierversuch liefern müssen. Validierung nennt man dieses Verfahren, dessen Abschluss eine weltweite Anerkennung durch die OECD ist, die internationale Wirtschaftsorganisation der Industriestaaten. Doch genau da liegt der Hase im Pfeffer: Gerade weil tierversuchsfreie Methoden meist objektiver sind, führen sie oft zu anderen Ergebnissen als ein Test an Ratten oder Meerschweinchen. Die Ironie ist also, dass viele dieser Systeme ausgerechnet deshalb nicht anerkannt werden, weil sie besser sind. Es gibt also noch viel zu tun. Packen wir’s an!

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