Schön fair: Mit Haut und Haaren Gutes tun

Kaffee, Bananen und Baumwolle aus fairem Handel kennt man. Aber Cremes und Shampoos? Darauf fand man das bekannte grün-blaue Siegel bislang eher selten. Doch durch neue Richtlinien speziell für Kosmetik soll sich das jetzt ändern. Klingt super, birgt aber auch Risiken. Wir klären auf!

Fairness? Dazu fällt einem spontan so etwas wie Teamgeist im Sport ein. In Bezug auf Hautpflege verbinden viele mit diesem Begriff allerdings nur eins: Einen fairen Preis. Doch der ist bei konventioneller Kosmetik manchmal teuer erkauft. Entweder werden synthetischer Zutaten wie Silikon und Paraffin als Basis eingesetzt, die der Umwelt schaden und der Haut wenig nützen, oder die Hersteller verwenden pflanzliche Substanzen, die möglicherweise unter unverantwortlichen Bedingungen angebaut wurden. Zum Glück gibt es eine wachsende Anzahl von Beauty-Anbietern, die diese Praxis nicht mitmachen. Auf immer mehr Cremes und Lotions prangen Hinweise auf Rohstoffe aus Fair-Trade-Projekten, sowohl im konventionellen als auch im Naturkosmetik-Bereich. Das grün-blaue Siegel des Entwicklungshilfe-Vereins Transfair, das man zum Beispiel von Tee oder Schokolade kennt, ist auf Pflegeprodukten allerdings nur selten zu finden. Woran liegt das? Und wird sich das bald ändern?

Neue Regeln machen’s möglich: Transfair-Siegel auf Kosmetik
Obwohl eine ganze Reihe von Beauty-Herstellern seit Jahren gerechte Löhne für Zutaten aus der Dritten Welt zahlen, scheiterte die Siegel-Vergabe regelmäßig an den strengen Richtlinien. Danach müssen Produkte, die das Gütezeichen von Transfair tragen, mindestens zur Hälfte aus fair gehandelten Inhaltsstoffen bestehen. Dieses Kriterium kann Kosmetik oft schon aus einem ganz simplen Grund nicht erfüllen: Sie enthält als wichtigste Zutat meist Wasser – und das kann man nun mal nicht aus fairem Handel beziehen. Deshalb hat der Verein nun eine Spezial-Regelung entwickelt und den strittigen Prozentsatz für Beauty-Produkte deutlich abgesenkt. Um das Siegel beantragen zu können, müssen Cremes, Bodylotions oder Lippenstifte, die auf der Haut bleiben, nur noch zu mindestens fünf Prozent aus fair gehandelten Rohstoffen bestehen. Bei Produkten wie Duschgels oder Shampoos, die abgewaschen werden und besonders viel Wasser enthalten, darf der Anteil zwei Prozent nicht unterschreiten.

Achtung: Fair Trade heißt nicht automatisch bio!
Fest steht: Zwei der am häufigsten in Kosmetik eingesetzten Naturwirkstoffe, nämlich Kokosöl oder Sheabutter, stammen aus typischen Entwicklungsländern. Deshalb sind die neuen Richtlinien eine große Chance für die dort lebenden Bauern, sich durch diese zusätzliche Absatzmöglichkeit neue Märkte zu erschließen. Gleichzeitig besteht aber auch das Risiko, dass konventionelle Kosmetikhersteller ihren Produkten durch das Transfair-Siegel ein grüneres Image verpassen, ähnlich wie mit dem Logo der Veganblume. Diese Vermutung bestätigt sich, wenn man einen Blick auf die ersten Firmen wirft, an die das Siegel jetzt vergeben wurde: Sowohl Lush und als auch FairSquared verwenden zwar jede Menge Pflanzenwirkstoffe aus fairem Handel, benutzen aber auch chemische Konservierungsmittel wie z. B. Pararabene oder Phenoxyethanol. Das Body-Peeling des dänischen Bio-Beauty-Anbieters Urtekram, das zu 70 Prozent aus fair gehandeltem Rohzucker aus Paraguay besteht und damit auch die bisherigen Vorgaben von Transfair erfüllt hat, trägt das Siegel dagegen schon seit Jahren. Ob wir das Logo in Zukunft auf deutlich mehr Bio-Cremes,-Shampoos und -Seifen finden werden, ist allerdings fraglich, denn faire Arbeitsbedingungen gehören bei Bio-Beauty-Anbietern ohnehin schon längst zur gelebten Philosophie.

Naturkosmetik hat sich schon immer engagiert
„Den Bauern gerechte Löhne zu zahlen ist für die meisten Naturkosmetikhersteller genauso selbstverständlich wie Umwelt- und Tierschutz“, erklärt Gudrun Leibbrand, Marketing-Leiterin bei Speick. Die Firma, die 2013 den deutschen Nachhaltigkeitspreis gewonnen hat, bezieht den Baobab-Extrakt für ihre Produkte seit jeher von einer Frauen-Kooperative in Burkina Faso und setzt fair gehandeltes Arganöl aus Marokko ein, ohne es an die große Glocke zu hängen. „Die Zertifizierung durch den BDIH sagt eigentlich schon genug. Tausend verschiedene Siegel auf einem Tiegel – das verwirrt die Käuferinnen und Käufer nur. Wir werden uns jedenfalls auch in Zukunft darauf beschränken, auf den fairen Handel nur im Verpackungstext hinzuweisen. So machen wir es bei veganen Produkten auch.“

Echte Wohltaten: Was Bio-Beauty-Hersteller alles tun
Nicht nur Speick, auch zahlreiche andere Naturkosmetikhersteller setzen sich schon seit langem für faire Projekte ein. Um den Kleinbauern ihre Existenz zu sichern und den Regenwald zu schützen, unterstützt Sante das gemeinnützige Projekt „Amazon Organics“. Die Acaibeeren werden kontrolliert biologisch angebaut, gerecht bezahlt und den Kindern der Familien wird eine gute Schulausbildung finanziert. Dr.Hauschka bezieht seine Damaszener Rosen aus Äthiopien, marie w. verwendet ausschließlich Fair-Trade-Sheabutter und –Arganöl und Logona setzt in seinen Pflanzenhaarfarben fair gehandelten Henna-Extrakt aus Ägypten ein. Auch bei Farfalla engagiert man sich: Seit August 2012 ist der Schweizer Naturkosmetikhersteller Teilhaber eines Ylang-Ylang-Projekts im Nordwesten Madagaskars, wo auch Duftpflanzen wie Citronella, Palmarosa, Ravintsara sowie Bio-Kakao angebaut werden. Und das Beste: Wenn Sie Naturkosmetik kaufen, tun Sie nicht nur anderen etwas Gutes, sondern auch sich selbst. Denn durch den Bio-Anbau, bei dem Pestizide verboten sind, bekommen Sie auch mehr Qualität. So macht es doppelt Spaß, zum rettenden Engel zu werden!

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