Risikofaktor MOAH

Schon mal was von MOAH gehört? Wenn nicht, wird es höchste Zeit. Denn dabei handelt es sich um kritische Substanzen, die in Mineralölen enthalten sind. Auch in konventioneller Kosmetik kommen sie vor – und das sorgt aus gutem Grund immer wieder für Aufregung bei Medien und Verbrauchern.
Magazin Lippenbekenntnisse: Die Wahrheit über Lippenpflege Bild: pixabay

Konventionelle Kosmetikprodukte sind für ihren Mineralölgehalt bekannt. Aus Erdöl hergestellt, enthält dieses komplexe Gemisch unter anderem auch aromatische Kohlenwasserstoffe, die sogenannten MOAH (engl.: Mineral Oil Aromatic Hydrocarbons). Ein Risikofaktor – denn die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) nimmt an, dass diese Stoffe erbgutverändernde und krebserregende Komponenten enthalten können. Detaillierte Untersuchen zu den vielfältigen Substanzen gibt es bislang allerdings wenige.

Aktuell hat ÖKO-Test 24 Lippenpflegeprodukte ins Labor geschickt und dabei auch die Anteile von MOAH unter die Lupe genommen. Bis zu fünf Prozent (!) der risikobehafteten Verunreinigungen sind in Kosmetika keine Seltenheit. Durch die Nähe zum Mund gelangt Lippenpflege oral zwangsläufig in den Organismus, weshalb Inhaltsstoffe mit ungeklärten Risiken hier als besonders bedenklich gelten. Umso besorgniserregender ist das Ergebnis der Untersuchungen von ÖKO-Test. Unter den Produkten finden sich auch beliebte Klassiker wie Labello, dessen Inhaltsstoffe das vernichtende Urteil „mangelhaft“ erhielten und der damit das traurige Schlusslicht bildet. Vertreter zertifizierter Naturkosmetik bekamen hingegen fast durchweg die Bestnote „Sehr gut“ – Mineralöle sind hier nämlich tabu.

Die Fakten im Überblick:

Wie findet man MOAH in der INCI Liste?

Aromatische Kohlenwasserstoffe tauchen unter den verschiedensten Bezeichnungen in der INCI-Liste auf. Meist haben sie einen hohen Anteil in den Rezepturen und sind an vorderen Stellen genannt: Mineral Oil, Petrolatum, Paraffin, Paraffinum Liquidum, Cera Microcristallina, Microcristallina Wax, Ceresin, Ozokerit, Vaseline.

Was sind MOAH eigentlich?

MOAH sind eine Verbindungsklasse der organischen Chemie. Ihr Hauptmerkmal ist eine besondere Bindungsstruktur in Ringform. Bekannte Vertreter sind zum Beispiel Benzol und Toluol. Sie werden toxikologisch unterschiedlich bewertet und sind zumeist als Schadstoffe eingestuft.

Wo werden MOAH eingesetzt?

Ihre Vielfalt macht die aromatischen Kohlenwasserstoffe zu einem häufig anzutreffenden Grundstoff: In Farben, Lacken, Klebstoffen und als Zusatz in Treibstoffen findet man die natürlichen Bestandteile von Mineralölen nahezu überall im Alltag. Und da Mineralöle auch gern als Basis für konventionelle Kosmetikprodukte eingesetzt werden, tauchen MOAH natürlich auch hier in nahezu allen Produktgruppen auf: Gesichts- und Körperpflege, Lippenpflege, Stylingprodukte und Babypflege. Kein Wunder, schließlich lassen sie sich leicht verarbeiten, machen die Produkte sehr lange haltbar und sind zudem auch noch ganz besonders preisgünstig.

Was ist so problematisch an MOAH?

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) nimmt an, dass MOAH erbgutverändernde und krebserregende Komponenten enthalten. Sie erachtet die Aufnahme von MOAH durch die Nahrung deshalb als „potenziell besorgniserregend“. Inwieweit MOAH auch durch die Haut gelangen, wurde noch nicht abschließend bewertet. In jedem Fall aber sollten Lippenpflegeprodukte mit Mineralölanteil vermieden werden, da bei ihrer Anwendung die aromatischen Kohlenwasserstoffe über den Mund in den menschlichen Organismus gelangen. Der Wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit der EU-Kommission (SCCS) schätzt, dass Verbraucher im Schnitt rund sechsmal täglich Lippenpflegeprodukte auftragen und dabei vollständig aufnehmen. Allein das entspricht 57 Milligramm Produkt pro Tag.

Doch auch die Anwendung auf der Haut ist umstritten: Denn wie viele und welche Mineralölbestandteile tatsächlich durch die Haut dringen, lässt sich derzeit (noch) nicht eindeutig sagen. Einige konventionelle Hersteller verweisen auf Studien, nach denen Mineralölsubstanzen nur in die äußere Hautschicht eindringen. Andere werben ganz offiziell mit Tiefeneffekten. Und Wissenschaftler aus der Schweiz stellten fest, dass bei stillenden Frauen, die mineralölhaltige Salben oder Vaseline zur Brustpflege verwendeten, der Mineralölgehalt in der Muttermilch schnell und deutlich anstieg. Bedenklich auch, dass Mineralölprodukte auch und speziell bei geschädigter Hautbarriere (raue, rissige Haut, Abschürfungen) eingesetzt werden. Und da liegt leider – auch ohne wissenschaftliche Untersuchung – die Vermutung nahe, dass MOAH in diesen Fällen völlig ungehindert in den Körper gelangen können.

Unser Fazit

Hände weg von allen Lippenpflegeprodukten auf Mineralölbasis! Denn für diese Produktgruppe ist bereits erwiesen, dass die umstrittenen, potenziell krebserregenden MOAH in den Körper gelangen. Und solange ihre Wirkung bei Anwendung auf der Haut weitestgehend unerforscht ist, sollte man auch bei Körperpflege-Produkten auf Mineralölbasis Vorsicht walten lassen. Denn gesunde Pflege funktioniert im Einklang mit der Haut und stärkt sie in ihrer natürlichen Funktion. Mineralöle haben da nichts zu suchen!

Zum Glück gibt es ja natürliche Alternativen, die man guten Gewissens und ohne Risiko benutzen kann. Zertifizierte Naturkosmetik enthält keine Mineralöle. Und die kostbaren pflanzlichen Öle, die in echter Naturkosmetik zum Einsatz kommen, enthalten mit Sicherheit auch keine MOAH, sondern vielmehr eine Vielzahl gesunder hautpflegender Komponenten, die man sogar getrost essen könnte…

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