Pflanzenporträt: Wildrose

Klar, die kennen wir! Oder etwa doch nicht? Um kaum eine Pflanze ranken sich so viele falsche Vorstellungen wie um die Wildrose. Oder wussten Sie, dass ihr Öl nicht aus den Blüten, sondern aus den Samen der Hagebutte gewonnen wird, nahezu geruchlos ist und so gut wie kein Vitamin C enthält? Warum sie trotzdem ein wahres Wirkstoffwunder ist!
Pflanzenporträt Wildrose, Foto: PIXABAY

Summer in the City: Dazu gehören nicht nur Eis essen, luftige Kleider tragen und die Mittagspause im Park. Für viele ist auch das Aufblühen der ersten Heckenrosen ein untrügliches Zeichen dafür, dass der Sommer endlich begonnen hat. Wenn sie Ende Mai ihre Knospen zu einem pinken Blütenblattröckchen entfaltet, schnuppern wir spontan daran und freuen uns über den feinen, süßen Duft. Im Gegensatz zu vielen anderen Blumen, die vor allem auf dem Land oder auf wilden Wiesen wachsen, ziert die Heckenrose auch oft Verkehrsinseln in Großstädten und umsäumt die Pausenhöfe vieler Schulen. Kein Wunder, dass diese weit verbreitete Pflanze uns so vertraut vorkommt. Dabei hat die kleine Schönheit, die auch gern in Naturkosmetik eingesetzt wird, so manche Überraschung in petto, die unser Bild von ihr gehörig auf den Kopf stellt.

Einmalig? Nein, aber mit langer Geschichte

Ihr Duft ist einzigartig, aber wer glaubt, es gäbe nur eine einzige Wildrosenart, hat sich getäuscht. Allein in Deutschland sind etwa 20 Sorten bekannt, weltweit um die 200. Schon die Babylonier nutzten Wildrosen, indem sie die Blütenblätter in Fett tauchten und dann zu Parfümsalben verarbeiteten. Auch Karl des Große schätzte diese Pflanze sehr und empfahl bereits 800 nach Christus, die Blütenblätter der Sorte Rosa gallica officinalis als Mittel zum Gurgeln sowie für Bäder bei schlecht heilenden Wunden und gegen entzündete Augen. Der Siegeszug des Wildrosenöls in der Naturkosmetik begann vor ungefähr zehn Jahren. Seitdem wird es in etlichen Cremes für trockene, reife Haut und in elegant duftenden Körperpflege-Produkten verwendet. Produziert wird das Öl meist in Chile.

Dufter Feuchtigkeitsspender – aber ohne Duft

Bis zur Nasenspitze in einem edel riechenden Wildrosenbad versinken, Gesicht und Körper mit blumiger Wildrosenpflege eincremen – das ist ein echter Genuss. Bloß dass die Produkte meist gar nicht nach Heckenrosen duften, sondern nach ätherischem Rosen- oder Rosengeranienöl. Inzwischen wissen wir nämlich, dass die wahre Beauty-Power der Pflanze nicht in den Blütenblättern steckt, sondern in den Kernen der Hagebutte schlummert, aus denen das Wildrosenöl gewonnen wird. Es ist zwar nahezu geruchlos, weist dafür aber mit 33 Prozent einen ungewöhnlich hohen Gehalt an Alpha-Linolensäure und Linolsäure auf. Diese Fettbausteine kommen auch natürlich in unserer Haut vor, wo sie wie Mörtel zwischen den Hornschüppchen der Haut sitzen und so davor schützen, dass zu viel Feuchtigkeit verdunstet. Bei trockenem Teint sind sie oft Mangelware. Pflege mit Wildrosenöl kann dieses Defizit ausgleichen. Die Haut wird schön geschmeidig, kann sich wieder optimal gegen Einflüsse von außen wehren.

Rosige Zeiten für reife Haut und die Umwelt

Doch das ist noch längst nicht alles. Wildrosenöl enthält eine geballte Ladung an Transretinolsäure, eine sanfte Vorstufe von Vitamin A. Wie ein Peeling radiert dieser Wirkstoff erste Fältchen aus und kurbelt die Zellerneuerung an. Der Teint wird rosig frisch und glatt. Da pures Hagebuttenöl recht teuer ist und sehr intensiv wirkt, wird es in Pflegeprodukten meist mit Mandel- und Jojobaöl gemischt. Pur angewendet gilt es als Geheimtipp zur Milderung von Narben. Was allerdings kaum in Wildrosenöl vorkommt, obwohl man es immer wieder liest, ist Vitamin C. Das steckt nämlich nicht in den Kernen, sondern vor allem im Fruchtfleisch der Hagebutte, das wir zur Herstellung von Tee und Marmelade nutzen.

Aber nicht nur wir Menschen profitieren von Wildrosen. Auch für Bienen, Schmetterlinge und zahlreiche Insektenarten ist der Nektar von großer Bedeutung. Im Winter dienen die Hagebutten vielen Tierarten als Nahrung und die dichten Sträucher mit den leicht stacheligen Zweigen bieten Vögeln Schutz. Alles gute Gründe, die Wildrose noch mehr zu lieben als je zuvor!

Weitere, interessante Pflanzenporträts unserer Serie: Aloe vera, Hamamelis, Lavendel und Minze.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.