Pflanzenporträt: Salbei

Er ist der Froschkönig unter den Heilpflanzen. Mit seinen graugrünen, leicht behaarten Blättern wirkt er eher unscheinbar. Trotzdem gehört Salbei zu den beliebtesten Kräutern überhaupt, denn er beweist Geschmack, ist ein dufter Kumpel und beschützt uns ritterlich vor Halsweh, Hitzewallungen, Pickeln, Schweißgeruch und fettigem Haar.

Nein, wie ein schöner Prinz sieht Salbei tatsächlich nicht aus. Die Blätter der etwa kniehoch wachsenden Pflanze erinnern eher an die knubbelige Haut einer Kröte und sind zudem oft mit einem eigenartig grau schimmernden Pelz überzogen. Nur zwischen Mai und Juli erstrahlt das Kraut kurz in ungewohnter Pracht, wenn sich zwischen den Blattachsen die meist lilafarbenen Blüten wie ein Turm übereinander stapeln. Aus der Ferne betrachtet, wirkt blühender Salbei fast ein bisschen wie Lavendel. Doch von diesem Festtags-Outfit, das schon nach wenigen Wochen wieder abgelegt wird, sollten Sie sich nicht blenden lassen. Die wahren Werte des Salbeis schlummern nämlich ausgerechnet in seinen silbrig grünen Blättern, die so oft übersehen werden. Damit gelingt es diesem sonst so durchschnittlichen Typ, alle Herzen im Sturm zu erobern. Man muss sich nur auf ihn einlassen.

Genau richtig gegen Pickel, zu Pasta oder in Parfüm
Das Erste, womit der Salbei allen den Kopf verdreht, ist sein mediterran-herber Duft, für den das ätherische Öl verantwortlich ist. Er sorgt dafür, dass uns das Wasser im Munde zusammenläuft, und da das Kraut auch so schmeckt, wie es riecht, wird es gern zum Würzen von Pasta oder feinen italienischen Fleischgerichten verwendet. Aber auch in Parfüms und After Shaves bewirkt ein Hauch Salbei häufig, dass wir einander zum Anbeißen sexy finden. Wegen ihrer stark antibakteriellen Wirkung wurde die Heilpflanze bereits im Mittelalter von den Benediktiner-Mönchen geschätzt. „Salbei im Garten – und der Tod kann warten“, heißt es im Volksmund, denn so manche Infektion lässt sich erfolgreich mit dem kräftigen Kräutersud behandeln. Das gilt besonders für Entzündungen im Mund, Pickel und Halsschmerzen. Daher hat die Pflanze übrigens auch ihren Namen, denn Salbei kommt von salvare, was im Lateinischen  „heilen“ bedeutet. Verantwortlich für den antibakteriellen Effekt ist hauptsächlich ein Mix aus Thujon, Carnosolsäure und Kampfer, der das mediterrane Kraut auch vor Schädlingsbefall bewahrt. Hinzu kommt ein ungewöhnlich hoher Gehalt von Lamiaceen-Gerbsstoffen, die die Poren verengen. Dadurch sind Haut und Schleimhäute besser gegen das Eindringen von Viren und andere Krankheitserreger gewappnet, können schneller wieder gesund werden. Als Tee getrunken, leistet Salbei gute Dienste gegen Hitzewallungen in den Wechseljahren, weckt den Appetit und lindert schmerzhafte Magen-Darm-Beschwerden.

Salbei hat’s in sich: Beauty-Power pur
Was stark genug ist, Krankheiten zu bekämpfen, lässt sich auch gegen so manches Schönheitsproblem einsetzen. Bei Pusteln, schnell nachfettendem Haar und Körpergeruch gilt deshalb: Nicht ärgern, sondern lieber Salbei wählen. Da die Blätter Spuren von Salicylsäure enthalten, ist der Extrakt eine beliebte Zutat in Kosmetik gegen unreine Haut. Pickel sind nämlich oft das Resultat einer verdickten Hornschicht, in der sich überschüssiges Fett staut. In diesem Fall wirkt Salbei gleich dreifach: Salicylsäure hat einen leichten Peeling-Effekt, während die Gerbstoffe den Talgfluss drosseln und Thujon Keime killt. Auch in Shampoos für öliges Haar wird das Kraut gern als Fett-Bremse eingesetzt. Wer sich vor Körpergeruch schützen, jedoch kein konventionelles Deodorant mit schädlichen Aluminiumsalzen benutzen will, findet in Naturkosmetik-Deos mit Salbei eine gesunde Alternative. Der Kräuterextrakt hält die Schweißproduktion in Schach und hemmt die Bildung von Müffelbakterien. Mit Salbei-Fußcremes heißt es ebenfalls im Nu: Stinkstiefel ade! Hier noch ein Rezept für alle Do-it-yourself-Fans: Für eine Kompresse gegen unreine Haut einen Teelöffel der frisch abgezupften Blätter mit 250 ml kochendem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen, ein Baumwolltuch mit dem lauwarmen Sud tränken und auf das Gesicht legen. Nach 10 Minuten abnehmen und die Haut vorsichtig trocken tupfen.

Weitere, interessante Pflanzenporträts unserer Serie: Aloe vera, Hamamelis, Lavendel, Minze, Augentrost, Calendula und Wildrose.

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