Pflanzenporträt: Minze

Kaum ein Heilkraut ist so cool wie die Minze. Nicht nur Hitze, Kopfschmerzen und Pickeln zeigt sie die kalte Schulter, sondern sie bringt uns auch beim Fitness-Training in Schwung und verleiht Parfüms eine sportlich-frische Note. Multitasking ist voll ihr Ding – und sie ist ein Kraut mit Charakter, denn sie lässt sich nicht so leicht in eine Schublade stecken.
Titelbild Pflanzenporträt: Minze Bild: pixabay

Frischer Zahnpasta-Geschmack am Morgen, Kaugummi mit Herzklopfen vorm ersten Date, Klassenfahrts-Frühstück in der Jugendherberge, ein Glas Hugo im Sonnenuntergang, sportliches Parfüm oder After Eight abends beim Fernsehen: Die Minze ist wie ein Chamäleon, denn fast jedem fällt zu diesem Kaut etwas anderes ein. Doch egal, wie unterschiedlich unsere Assoziationen auch sein mögen, fest steht, dass die Minze zu den beliebtesten Kräutern der Deutschen zählt – obwohl sie uns ganz schön an der Nase herum führt. Das typische Kältegefühl, das das ätherische Öl auf unserer Haut auslöst, ist nämlich streng genommen nur eine Sinnestäuschung. Verantwortlich dafür ist der Inhaltsstoff Menthol, der bis zu 60 Prozent des Minzöls ausmacht und dessen Moleküle unsere Kälterezeptoren reizen. So kommt es, dass wir Produkte mit Minze als kühlend empfinden, obwohl sie eigentlich Zimmertemperatur haben oder – wie im Fall von Tee – sogar warm sind.

Ein Glücksfall bei Bauchweh, Kopfschmerzen und Schnupfen

Früher glaubte man, dass die Minze Glück bringen würde, wenn man sie am 24. Juni, dem Geburtstag des heiligen Johannes, pflückte. In punkto Gesundheit stimmt das auf jeden Fall. Inzwischen kennen wir über 30 verschiedene Sorten, deren Namen oft auf ihren typischen Geschmack hinweisen, z.B. Apfel-Minze, Orangen-Minze, Ananas-Minze oder Schoko-Minze. Die bekannteste ist die Pfefferminze. Sie ist eine relativ junge Minzart, die durch mehrmalige Kreuzung entstanden ist. In arabischen Ländern ist dagegen vor allem die Nana-Minze ein echter Renner. Man nimmt dort für einen aromatischen Tee komplette Minzestängel samt Blättern, gibt sie mit viel Rohrzucker in ein Glas oder eine Kanne und füllt das Ganze immer wieder mit heißem Wasser auf.

Zu den wohltuenden Substanzen der Minze gehören neben dem ätherischen Öl auch Flavonoide, Gerb- und Bitterstoffe. Innerlich angewendet, wirkt dieser Mix appetitanregend, krampf- und schleimlösend. Außerdem werden Pfefferminzblätter als Tee bei Beschwerden im Magen-Darm-Bereich und der Gallenwege eingesetzt. Wer an dem ätherischen Öl schnuppert oder damit inhaliert, kann bei Schnupfen schnell wieder durchatmen. Eine Studie der Kieler Uniklinik für Neurologie hat bewiesen, dass ein paar Tropfen Pfefferminzöl auf den Schläfen bei Spannungskopfschmerz und Migräne genauso gut wirkt wie Paracetamol. Aber auch kosmetisch lässt sich dieses Heilkraut super nutzen!

Cooler Sportfreund und Pickelkiller

Beachvolleyball, Inlineskaten und Joggen machen bei schönem Wetter doppelt Spaß. Doch hohe Temperaturen und intensives Training bringen die Haut im Rekordtempo zum Glühen. Dagegen sind Duschgels, Bodylotions und Fußcremes mit ätherischem Minzöl ein Volltreffer. Durch den Mentholgehalt wirken sie herrlich erfrischend und verhindern Schweißgeruch. Wissenschaftler der Wheeling Jesuit Universität in West Virginia haben zudem entdeckt, dass der Duft zum Sport motiviert, wenn Sie vorher kurz daran schnuppern.

Auch in Parfüms ist ein Hauch Minze sehr beliebt. Schon Scheherazade, die Märchenerzählerin aus 1001 Nacht, soll jeden Morgen mit Minze gebadet haben und Aristoteles empfahl ein paar Tropfen Minzöl zur Einstimmung auf eine Liebesnacht. In Naturkosmetik wird das Heilkraut übrigens auch gern gegen Hautunreinheiten eingesetzt, denn die im Extrakt enthaltenen Gerbstoffe verengen die Poren und drosseln so den Talgfluss. Abgekühlter Pfefferminztee ergibt ein gutes, hausgemachtes Gesichtswasser.

Rezept für Rührige

Wer mag, kann sich seine eigene Minze auch bequem zu Hause anpflanzen. Ideal ist natürlich ein Beet im Garten oder ein großer Topf auf dem Balkon. Aber auch in der Küche gedeiht das Kraut oft überraschend gut. Laut Volksglauben sorgt Minze für Reichtum und schützt vor bösen Geistern. Ein paar Blätter verleihen Salaten und Mineralwässern auf jeden Fall eine erfrischende, gesunde Note. Auch in Eiscreme, zu Lammfleisch oder in Kräuterquark schmecken die Blätter total lecker. Zum Abschluss deshalb das Rezept für einen klassischen Hugo: Eine unbehandelte Limette vierteln, Saft in ein Glas pressen und die Schalen dazugeben. 2 EL Holunderblüten-Sirup, zwei Eiswürfel, drei Minzblätter hinzufügen und mit Prosecco aufgießen. Auf einen schönen Sommer!

Weitere interessante Folgen unserer Pflanzenporträt-Serie: Aloe vera, Hamamelis und Lavendel.

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