Pflanzenporträt: Calendula

Sie ist wunderhübsch anzusehen und meint es rundum gut mit uns. Die Ringelblume verrät, wer uns ehrlich liebt, und mit welchem Wetter wir zu rechnen haben. Fürsorglich nimmt sie unsere Haut in Schutz, lindert Bauchweh und verschönt unser Leben mit Farbe. Kann es eine bessere Beschützerin geben als sie?
Titelbild Pflanzenporträt: Calendula Bild: pixabay

Sonnenbraut, Goldblume, Sonnenwirbel, Ringelblume, Mariengold – die Calendula trägt viele märchenhaft klingende Namen. Eine wahre Schönheit ist sie in jedem Fall, so dass sie in vielen Gärten die strahlende Königin ist. Die einjährige Pflanze kann bis zu 50 Zentimeter hoch werden und blüht von Juni bis Oktober. Aber der schöne Schein trügt: Das, was da in majestätischem Dottergelb bis Orangerot oben auf den flaumig behaarten Stängeln thront, sind gar keine richtigen Blüten, sondern ist streng genommen ein ganzes Feuerwerk daraus. Die Calendula gehört nämlich zu den Korbblütlern. Das bedeutet, dass ihre Blumenköpfe aus rund 60 länglichen Zungenblüten am Rand und bis zu 100 Röhrenblüten in der Mitte aufgebaut sind. Ein unermesslicher Reichtum, ganz, wie es sich für eine stolze Regentin gehört. Interessant ist auch die Art, wie die Ringelblume ihre Früchte verbreitet: Sie benutzt Kaninchen, Vögel und andere Tiere als Boten. Die mit kleinen Widerhaken besetzten Kügelchen bleiben an deren Fell und Gefieder hängen, von dem sie später wieder abfallen. Als ausgesprochen mildtätig erweist sich die Calendula bei Wunden, Sonnenbrand, Bauchweh und Leberleiden. Aber auch in Liebesdingen und Wetterfragen hilft diese Pflanze immer gern weiter.

Ringelbumen heilen mit der Kraft der Farben

Die Calendula liebt das Licht, das sie wie kaum ein anderes Kraut zur Bildung ihrer heilenden Wirkstoffe nutzt. Man sieht es bereits daran, dass die Blüten ein bisschen an kleine Sonnen erinnern. Die orangerote Farbenpracht entsteht vor allem durch eine geballte Ladung an Carotinoiden und Quercetin, bestimmten Pflanzenpigmenten, die auch in der Lage sind, die Hauterneuerung anzuregen. Gemeinsam mit Triterpensaponinen, die auf tieferliegende Zellen einwirken und sie dazu anspornen, neues Gewebe zu produzieren, sind sie ein ideales Wirkstoff-Trio gegen kleine Verletzungen. Schon im 12. Jahrhundert riet Hildegard von Bingen dazu, Entzündungen, Kratzer und Sonnenbrand mit Calendula-Extrakt zu behandeln, und auch heute noch ist die Ringelblume fester Bestandteil vieler Wund- und Heilsalben. Außerdem steckt sie in Kosmetik für sensible Haut, Lippenbalsam und zahlreichen Kinderpflegeprodukten.

Bei Magenschmerzen, Leberbeschwerden und Fruchtbarkeitsstörungen lässt sich das Kraut auch innerlich anwenden, etwa in Form von Tee oder Tropfen. Da die Farbstoffe der Calendula intensiv leuchten, werden sie in Bio-Make-up, als Safran-Ersatz und zum natürlichen Verschönern von Lebensmitteln wie Käse oder Kräutertees eingesetzt.

Vom Hautfreund zum Hausfreund

Er liebt mich, er liebt mich nicht… Wer sich nicht sicher ist, ob seine Gefühle erwidert werden, bekommt nach einem alten Volksglauben von der Calendula rasch Antwort auf diese quälende Frage. Allerdings nicht, indem man die Blütenblätter abzupft, sondern indem man sie trocknet und mit etwas Honig und Essig zu einer Salbe verarbeitet. Trägt man diesen Mix vorm Zubettgehen aufs Gesicht auf, träumt man in der Nacht von dem Menschen, der einen aufrichtig liebt. Aber auch, wenn man von seinem Schatz verlassen wird, soll Calendula Beistand leisten. Einfach ein paar Ringelblumensamen in seine Fußspuren pflanzen. Dann kehrt der Ungetreue wieder zurück! Bei Bauern steht die Ringelblume in hohem Ansehen, weil sich mit ihrer Hilfe das Tageswetter voraussagen lässt. Sind die Blüten schon vor sieben Uhr früh geöffnet, erwartet uns ein sonniger Tag. Sind sie nach acht Uhr noch geschlossen, solltet Ihr sicherheitshalber einen Regenschirm mitnehmen. Ob das wirklich klappt, sei dahingestellt. Dass der Blüten-Extrakt Euch bei Hautproblemen garantiert nicht im Regen stehen lässt, ist dagegen Fakt.

Das geht runter wie Öl: Calendula-Pflege zum Selbermachen

Ihr möchtet die wohltuende Wirkung dieses Krautes selbst ausprobieren? Dann versucht es mal mit diesem Rezept für einen Ölauszug: Ein leeres Marmeladenglas mit frisch gepflückten Ringelblumenblüten füllen und mit Mandelöl bedecken. Deckel zuschrauben und an einen sonnigen, warmen Platz stellen. Ab und zu leicht schütteln. Nach drei Wochen durch ein Sieb geben und in ein dunkles Gefäß füllen. Innerhalb von zwei Monaten aufbrauchen. Noch bequemer habt ihr es mit fertiger Naturkosmetik.

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