Pflanzenporträt: Brennnessel

Obwohl sie mit ihren zarten Blüten höchst unschuldig aussieht, weiß die Brennnessel sich mit Hilfe ihrer pieksenden Haare gut zu behaupten. Trotzdem sollten Sie sich ruhig mal im übertragenen Sinne in die Nesseln setzen, denn das Kraut entschlackt, soll gegen Kopfschuppen und Geldsorgen helfen und ist ein gefundenes Fressen für Veganer.

Autsch, wie das kribbelt und sticht! Fast jeder, der gern auf Wiesen und im Wald spazieren geht, hat schon mal schmerzhaft Bekanntschaft mit der Brennnessel gemacht: Kaum streift man die gezackten Blätter mit der Hand oder dem Bein, breitet sich ein juckender, roter Ausschlag auf der Haut aus. Oft bilden sich sogar Quaddeln. Kein Wunder, dass die Pflanze kein allzu positives Image hat! Mit Hacke, Pflug und Chemikalien rückt man ihr zu Leibe – allerdings meist erfolglos, da aus ihrem weit verzweigten Wurzelgeflecht im Nu neue Triebe hervorschießen. Hinzu kommt, dass die Brennnessel äußerst genügsam ist, sodass sie sogar in Großstadt-Innenhöfen und auf Schutthalden wuchert. Früher dagegen galt das robuste Gewächs nicht etwa als lästiges Unkraut, sondern als wahrer Freund, der die Menschen aus mancher Not gerettet hat. In Hungerzeiten wurden die Blätter zum Beispiel wie Gemüse gekocht und aus den faserreichen Stängeln wärmende Kleidung genäht. Doch auch heute ist die Brennnessel  – im wahrsten Sinne des Wortes – brandaktuell und feiert derzeit ihr Comeback als Heil- und Beautypflanze.

Volle Kraft voraus: Ideal für den inneren Frühjahrsputz

Endlich Frühling: Nichts wie weg mit den dicken Wollpullis! Schade nur, dass man den Winterspeck nicht genauso leicht loswerden kann. Und auch sonst sieht man uns die zurückliegende kalte Jahreszeit an der Nasenspitze an. Das Gesicht wirkt blass, Pickelchen sprießen, wir fühlen uns träge und aufgeschwemmt. Dagegen hilft eine Entschlackungskur mit Brennnesseltee. Wegen ihres hohen Gehalts an Kalium wirken die Blätter stark entwässernd und kurbeln so den gesamten Stoffwechsel an. Auch als Salat, in der Suppe oder zubereitet wie Spinat schmeckt das Kraut wunderbar. Da es nicht nur eine geballte Ladung an Flavonoiden, Magnesium, Kalzium, Kieselsäure, Eisen, Vitamin A und C enthält, sondern auch fast 40 Prozent Eiweiß, wird es besonders von vegan lebenden Menschen sehr geschätzt. Wer am Gründonnerstag Brennnesseln isst, soll übrigens einem alten Volksglauben zufolge das ganze Jahr vor Geldsorgen geschützt sein. Hier ein Smoothie-Rezept zum Ausprobieren: 150 Gramm frische, abgewaschene Brennnesselblätter pürieren, 150 Milliliter Orangensaft, eine zerdrückte Banane und 1 Esslöffel Mandelmus hinzufügen – fertig. Aber auch in Kosmetik ist das grüne Kraut ein echter Hit.

So sind Ihnen Schuppen und fettige Haare schnell schnuppe
Seidig glänzende Strähnen, die frisch und duftig fallen, sind ein Traum – der sich bei Menschen mit schuppigem, öligen Haar allerdings oft binnen weniger Stunden in Luft auflösen kann. Dagegen sind Shampoos und Haarwässer mit Brennnesselextrakt ideal, denn das Kraut arbeitet mit einem raffinierten Kombitrick. Die in der Brennflüssigkeit enthaltenen Säuren halten einen Kopfhautpilz in Schach, der an der Schuppenbildung mitwirkt – ohne dass wir sie als Kribbeln wie beim Griff in die frische Pflanze wahrnehmen. Außerdem fördern sie die Durchblutung an den Haarwurzeln, so dass sie kräftigen Nachwuchs produzieren. Gerbstoffe drosseln den Talgfluss und wirken wie ein Abstandhalter, indem sie die Hornschüppchen des Haares abspreizen. Dadurch pappen sie nicht an der Kopfhaut fest, fetten nicht so schnell nach. All diese Eigenschaften machen die Brennnessel zu einer effektiven, natürlichen Alternative zu konventionellen Anti-Schuppen-Wirkstoffen wie zellschädigendem Climbazol oder Triclosan.

Weitere, interessante Pflanzenporträts unserer Serie: z. B. Granatapfel,  Kamille, Rosmarin, Thymian, Brokkoli, Salbei, Aloe vera, Lavendel, Minze, Augentrost, Calendula, Hamamelis und Wildrose.

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