Naturrein oder naturnah: Dasselbe in Grün?

NATURkosmetik – bei Produkten mit dieser Bezeichnung sollte der Name eigentlich Programm sein. Doch neben naturreinen Zutaten werden auch in Bio-Beauty manchmal naturnahe oder naturidentische Stoffe eingesetzt. Alles nur Wortklauberei? Oder worin bestehen eigentlich die Unterschiede?
Titelbild: Magazin: Naturrein oder naturnah: Dasselbe in Grün? Bild: pixabay

Echte Naturkosmetik wird aus Rohstoffen hergestellt, die möglichst aus kontrolliert biologischem Anbau oder kontrollierter Wildsammlung stammen. Synthetische Fette, Farb-, Duft- und Konservierungsstoffe sowie gentechnische Verfahren sind absolut tabu. Soweit die Definition. Doch was genau verbirgt sich eigentlich hinter den erlaubten Inhaltsstoffen?

Naturstoffe sind quasi die „reinste“ Form aller Bio-Zutaten. Dabei handelt es sich um pflanzliche, mineralische oder tierische Rohstoffe sowie ihre Gemische und natürlichen Reaktionsprodukte – also z. B. Sanddornöl, Edelsteinpigmente, Honig oder Ringelblumenextrakt. Wasser wird übrigens nicht als Naturstoff gewertet, da diese Definition den Prozentsatz der enthaltenen natürlichen Zutaten, der ja bei der Vergabe von Siegeln wie denen von BDIH oder NATRUE eine wichtige Rolle spielt, verfälschen würde.

Naturnahe Stoffe werden durch einfache Bearbeitungsschritte aus Naturstoffen gewonnen und dürfen nur dann eingesetzt werden, wenn ihre Funktion nicht von natürlichen Substanzen übernommen werden kann. Ein Beispiel hierfür ist Glyzerin. Es wird in Kosmetika vor allem als Feuchtigkeitsbinder, aber auch als Hilfsstoff eingesetzt, um die Konsistenz eines Produktes zu verbessern. In der Natur kommt Glyzerin aber nicht isoliert vor, nur im Stoffwechsel von Lebewesen oder gebunden als Bestandteil fetter Öle, allerdings nie in einer Konzentration, die eine ökologisch oder ökonomisch vertretbare Gewinnung erlauben würde. Wenn man aber Fette spaltet, wie es z. B. bei der Herstellung von Pflanzenölseifen automatisch passiert, entsteht Glyzerin als Nebenprodukt und kann als naturnaher Stoff eingesetzt werden.

Naturidentische Stoffe kommen zwar in der gleichen Zusammensetzung in der Natur vor, können aber nicht in der benötigten Menge oder Qualität gewonnen werden. Mithilfe chemischer Reaktionen werden sie deshalb synthetisch nachgebildet. Dies ist oftmals bei Konservierungsstoffen der Fall. Naturidentisch werden z. B. Ameisensäure (Wehrsubstanz von Käfern und anderen Gliedertieren) oder Benzoesäure (Wehrsekret von Wasserkäfern, auch in Benzoeharz enthalten) hergestellt, da diese Form das Leben der Insekten schont und ethisch korrekter ist. Alle Naturkosmetikstandards – außer Demeter – lassen solche naturidentischen Konservierungsmittel zu. Sowohl der BDIH als auch NATRUE schreiben allerdings vor, dass beim Einsatz solcher Konservierungsstoffe der Zusatz: „Konserviert mit …“ auf dem Produkt stehen muss – höchste Transparenz ist somit garantiert.

Know-how statt Konservierungsmittel

Fakt ist jedoch, dass in der Praxis nur sehr wenige Naturkosmetikprodukte tatsächlich naturidentische Konservierungsstoffe enthalten. Stattdessen setzen die Hersteller auf eine Produktion, die einem hohen hygienischen Standard entspricht. Dazu gehören beispielsweise Luftfilteranlagen und Keimfilter, wie sie auch in Operationssälen eingesetzt werden, die Arbeit mit penibel gereinigten Rohstoffen und die mikrobiologische Kontrolle der Produkte. Auch durch die intelligente Wahl der Verpackung kann man ein Produkt ganz natürlich länger haltbar machen. Gut geeignet sind z. B. Tuben aus Aluminium oder Pumpspender, da der Inhalt so kaum noch mit Luft oder Fingern in Berührung kommt. Als natürliche Konservierungsmittel gelten Bio-Alkohol, ätherische Öle wie Thymian, Salbei oder Nelken und wässrig-alkoholische Heilpflanzenauszüge, die Keime in Schach halten. Wer ganz sicher sein will: Auskunft über die eingesetzten Haltbarmacher und alle anderen Inhaltsstoffe gibt die INCI-Liste auf dem Produkt oder dem Beipackzettel. Die ist mit etwas Übung ganz leicht zu entschlüsseln. Tipps dazu findet Ihr hier.

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