Leere Versprechen: Zum Kauf verlockt?

Dermatologisch getestet. Hypoallergen. Getestet und empfohlen vom Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB). Diese Aussagen lassen ein Produkt durchaus vertrauenswürdig erscheinen – oder?
Leere Versprechen, Foto: PIXABAY

Beim Kosmetikkauf lassen wir uns gern mit Argumenten überzeugen. Ganz klar, dass wir zuschlagen, wenn Optik und (Werbe-)Versprechen beste Ergebnisse und Verträglichkeit verheißen. Dass wir dabei häufig in die Irre geführt werden, zeigt sich erst bei näherem Hinsehen.

Dermatologisch getestet

Die Bezeichnung „Dermatologisch getestet“ heißt lediglich, dass ein Hauttest durchgeführt wurde. Einheitlich festgelegte Standards gibt es dabei nicht – und selbst das Testergebnis bleibt gänzlich offen. Das Problem: Es handelt sich um keinen geschützten Begriff. Die Aussage wird also in Textform oder in Verbindung mit willkürlich selbst gestalteten Labels auf unzähligen Kosmetikprodukten verwendet und suggeriert besondere Verträglichkeit. Wenn ein Hersteller auf Nachfrage nur von Tests durch „anerkannte Dermatologen“ oder „unabhängige Testinstitute“ spricht, ohne diese namentlich zu benennen, darf man zu Recht skeptisch werden – denn wer weiß, ob es dann überhaupt einen Test gegeben hat…

Hypoallergen und duftstofffrei

Auch die Auslobung „hypoallergen“ bedeutet noch lange nicht, dass keine allergischen Reaktionen auftreten können. Die Bezeichnung ist rechtlich ebenfalls nicht geschützt oder durch Kriterien definiert. Meist verzichten die betreffenden Produkte zwar auf synthetische Farb- , Duft- und Konservierungsstoffe – aber bei keinem kosmetischen Produkt kann man zu 100 Prozent ausschließen, dass es allergische Reaktionen hervorruft. Damit ist der ganze Begriff irreführend.

Ähnliches kann man laut ÖKO-TEST vom Siegel des Deutschen Allergie- und Asthmabundes behaupten: Der Bund bewertet Produkte für Kontaktallergiker und achtet durchaus auf Duft- und Konservierungsstofffreiheit  – manchmal liegt der Teufel aber auch hier im Detail. Denn werden Produkte mit allergenen Bestandteilen beispielsweise an Heuschnupfen-Allergikern getestet, nützt die Empfehlung Kontaktallergikern eher wenig.

Und auch „duftneutrale“ Produkte sind nicht unbedingt „duftstofffrei“! Sie können möglicherweise Duftstoffe enthalten, die den Eigengeruch bestimmter Inhaltsstoffe überdecken…

Zum Glück geht es auch anders

Wenn es um Hautverträglichkeit von Produkten geht, gehört das Dermatest Institut in Münster zu den ersten Adressen in Deutschland. Neue Rezepturen von Cremes, Lotionen & Co werden hier zumeist via Epikutantest an jeweils 30 bis 50 freiwilligen Probanden getestet. Dabei wird die Substanz auf die Haut aufgebracht und für mindestens 24 Stunden mit einem Pflaster abgedeckt, bevor ein Hautarzt die Testpersonen auf Irritationen untersucht. Weitere zwei Tage wird beobachtet, danach ein Gutachten mit Bewertung erstellt und erst anschließend über die Deklaration „dermatologisch getestet“ entschieden. Darüber hinaus ist ein In-use-Test möglich, bei dem 20 bis 50 Probanden mit gesunder Haut ein Produkt über mehrere Wochen täglich anwenden und dies schriftlich dokumentieren. Zum Abschluss wird ergänzend ein Epikutantest durchgeführt. Gibt es hier keine Hautreaktionen, kann ein Produkt als sehr verträglich bewertet werden und darf das Prädikat „klinisch getestet“ tragen. Wie so oft ist also vor allem die Quelle einer Aussage das Entscheidende.

Naturkosmetik – Natürlich ohne leeren Versprechen

Natürlich bieten auch die Siegel von BDIH, COSMOS, NaTrue, demeter und Ecocert Naturkosmetikkunden wichtige Orientierungshilfen: Ihre strengen Kriterien werden ebenso regelmäßig wie unabhängig geprüft und schaffen Vertrauen – vor allem durch Transparenz. Angeblichen „Naturprodukten“ mit chemischen Zusätzen, Fetten auf Erdölbasis und künstlichen Farbstoffen geht man damit definitiv nicht auf den Leim – egal ob sie mit „Pflanzenkosmetik“, „Natural“ oder „Inhaltsstoffen 100% natürlichen Ursprungs“ werben.

Bleiben nur noch die retuschierten Bildmotive, die uns auf Plakatwänden und in Hochglanzmagazinen faltenfreie Haut und Schönheit über Nacht versprechen: Die britische Werbeaufsicht ließ vor einiger Zeit bereits eine L’Oréal-Kampagne mit Julia Roberts wegen Irreführung verbieten – in Zeiten von Schönheitswahn und Essstörungen erwecke die Werbung den Eindruck, Make-up könne Wunder bewirken.

Gut, dass Naturschönheiten ohnehin nichts von leeren Versprechen halten und stattdessen auf die pure Kraft der Pflanzen schwören. 100 Prozent faltenfrei macht das ganz sicher nicht – aber wer möchte schon aussehen wie aus Plastik?

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2 Gedanken zu „Leere Versprechen: Zum Kauf verlockt?“

  1. Finde ich toll, dass ihr diese Themen aufgreift! Wir sind ein junges Unternehmen mit Biokosmetik für sensible und allergiegefährdete Haut und legen viel Wert auf Ehrlichkeit und Transparenz. Daher ärgert uns natürlich der manipulativen Umgang mit Begriffen wie „dermatologisch getestet“ , „Hypoallergen“ usw. Unsere mysalifree Produkte werden durch Derma Consult Berlin getestet (50 Probanden verschiedenen Alters und Hautzuständen, ähnlich wie ihr es beschreibt), wir sind biozertifiziert nach den strengen Richtlinien des österreichischen Lebensmittelbuchs (übrigens das einzige Label in Europa auf gesetzlicher Basis – A hat eine Vorreiterrolle) und haben beste Bewertungen durch Kosmetikanalyse (dahinter steht die Schweizer Stiftung zur Erhaltung der Hautgesundheit). Sehr schade, dass der Gesetzgeber für Begriffe, die dem Konsumenten die Entscheidung erleichtern sollten, keine klare Regeln festlegt. Umso wichtiger ist die Aufklärung durch die Medien. Also danke für diesen Beitrag!

    1. Liebe Ulrike,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Es ist wirklich schwierig, wie mit dem Missbrauch von Begriffen versucht wird, den Verbraucher in die Irre zu leiten. Viele Allergiker wissen das zum Glück bereits und wählen die Produkte entsprechend aus. Eure Ausrichtung mit der Marke mysalifree spricht natürlich für Euch und Euer Sortiment. Die dermatologischen Tests, wie Ihr sie durchführt und sogar das Testinstitut offenlegt, haben eine deutliche Aussagekraft – und das österreichische Lebensmittelbuch gehört mit Sicherheit zu den strengsten Standards für Kosmetik im Biobereich. Wir haben das Siegel bereits vorgestellt: http://naturalbeauty.de/magazin/magazinarchiv/bio-made-in-austria/.
      Weiterhin viel Erfolg für Euch. Kommt gerne mit Neuheiten auf uns zu, vielleicht können wir unseren Lesern ja die Marke und das eine oder andere Produkt vorstellen.

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