Mikroplastik – Gefahr aus der Tube

Plastik? Kommt gar nicht in die Tüte! Und selbst auf die verzichtet man lieber. Wer umweltbewusst lebt, versucht auch Plastikmüll zu reduzieren. Was man häufig vergisst sind jedoch die kleinen Plastikpartikel, die in konventionellen Peelings, Zahnpasten und Make-up-Produkten enthalten sind. „Mikroplastik“ klingt schließlich nach einer verschwindend geringen Menge. Kann also nicht so schlimm sein… oder?
Magazin Mikroplastik - Gefahr aus der Tube Bild: naturalbeauty.de

Plastik im Bad? Da denkt man zuerst an die Verpackung. Doch Tuben und Tiegel sind gar nicht unbedingt der Knackpunkt, wenn es um die Belastung unserer Meere geht. Ein oft unterschätztes Problem sind vielmehr Reinigungskörnchen aus Kunststoff, die in einigen konventionellen Duschgels, Gesichtspeelings und Zahncremes eingesetzt werden. Auch in Lippenstiften und Puder findet Mikroplastik manchmal Verwendung, weil es ein federleichter Füllstoff ist und zart schimmert. Doch im Gegensatz zu leeren Kosmetikverpackungen, die wiederverwendet, recycelt oder verbrannt werden, landen die Miniteilchen direkt in unserem Abwasser. Das Hauptproblem: Die Partikel sind so winzig, dass unsere Klärwerke sie nicht herausfiltern können. Sie bekommen also einen direkten Freifahrtschein ins Meer. Mindestens 100 Millionen Tonnen Plastik verseuchen derzeit unsere Ozeane – und jährlich kommen rund 10 Millionen Tonnen hinzu.

Kleine Teilchen, großes Risiko

Die Partikel haben einen Durchmesser von weniger als 5 Millimeter, sind teilweise sogar flüssig und damit für das Auge unsichtbar. Wenn man bedenkt, wie viele Plastiktüten und -flaschen in den Weltmeeren herumtreiben – da sind so ein paar winzige Kunststoffkügelchen doch noch das kleinere Übel, oder? Leider nein. Obwohl das Problem schon länger bekannt ist, verwenden viele konventionelle Kosmetikhersteller weiterhin Plastikpartikel. Vor allem in Duschgels und Peelings befinden sich die Mikropartikel in größeren Mengen. Da kommt ganz schön was zusammen, denn viele Menschen verwenden diese Produkte täglich.

Zum anderen gelangen die Kunststoffkügelchen gerade durch ihre Winzigkeit an Orte, wo man sie normalerweise nie vermuten würde – ähnlich wie Nanoteilchen. Seevögel, Fische, Muscheln und andere Meerestiere nehmen die Plastikpartikelchen aus dem Wasser auf, so dass sie in die Nahrungskette und damit schließlich bis auf unsere Teller gelangen. Wir essen also Kunststoff – und leider nicht nur den, denn aus dem Pulver werden kleine Giftmülltransporter: „Mikroplastikpartikel binden toxische Schadstoffe, die sich im Meer befinden, an ihrer Oberfläche. Das können auch bereits verbotene Substanzen wie das Insektizid Lindan oder das Pestizid DDT sein, die sich nach wie vor in der Meeresumwelt befinden“, warnt das Umweltbundesamt. „Diese Eigenschaft kann zu einer Anreicherung von Schadstoffen im Nahrungsnetz führen und möglicherweise auch Relevanz für den menschlichen Verzehr von Fischen und Meeresfrüchten haben.“

Auch die Bestandteile des Plastiks selbst sind nicht ohne. Weichmacher wie die Phthalate können zu Diabetes, Unfruchtbarkeit und Fettleibigkeit führen. Die traurige Bilanz: Circa eine Million Seevögel und rund 100.000 Meereslebewesen kommen jährlich durch Plastik um.

Da machen wir nicht mit: Beauty ganz ohne Plastik

Wer sich selbst, Tiere und Umwelt schützen möchte, sollte Kosmetik mit Mikroplastik meiden. Zu erkennen sind die Kügelchen und andere Kunststoffe in der Zutatenliste an folgenden Bezeichnungen:

  • Polyethylen
  • Polypropylen
  • Polyurethan
  • Polyethylenterephthalat
  • Polymethylmethacrylat
  • Polyacryla
  • Polystyren
  • Nylon-12
  • Nylon-6
  • Acrylates Copolymer
  • Acrylates Crosspolymer

Der Umweltverband BUND bietet zudem eine Liste, auf der Produkte mit den umstrittenen Winzlingen aufgeführt sind. Auf saubere Zähne, glatte Haut und Duschvergnügen müsst Ihr trotzdem nicht verzichten. In Bio-Showergels und –Peelings werden z. B. Kügelchen aus Silizium, Jojobawachs, Reis und Bambus verwendet. In Naturkosmetik-Zahncremes kommen Putzhilfen wie Kalziumcarbonat, Meersalz und Kieselerde zum Einsatz. Auch verführerisch funkelnde Glimmerpartikel gibt’s für Bio-Beauty-Fans: In Lippenstiften, Lidschatten und Puder sorgen vor allem pulverisierte Mineralien und Mica für einen glänzenden Auftritt. Die gute Nachricht zum Schluss: Zum Glück sind immer mehr konventionelle Hersteller bereit umzudenken. Bisher haben vor allem Zahnpasta-Hersteller reagiert und Mikroplastik größtenteils aus ihren Formel gestrichen. Immerhin: Der Anfang ist gemacht.

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