Kosmetikcheck: Wie zuverlässig sind Online-Tools?

Sicherheit geht vor. Deshalb vertrauen wir gern auf Experten. Gerade im Naturkosmetikbereich haben sich einige Qualitätszeichen und digitale Tools etabliert – und auch wenn wir lieber einheitliche Lösungen hätten, werden es immer mehr.
Titelbild Kosmetikcheck auf dem Prüfstand Bild: pixabay

Gar nicht so leicht, sich in der Beauty-Welt zu orientieren. Wenn es nicht gerade konventionelle Pflege sein soll und man in Sachen Inhaltsstoffe Einschränkungen macht, ist das genaue Lesen der INCI-Liste ganz klar von Vorteil. Aber mal ehrlich: Wer kann schon jede Zutat zuverlässig entschlüsseln?

Die Naturkosmetiksiegel

Hier kommen Qualitätszeichen ins Spiel, auf die wir uns zu 100 Prozent verlassen können: Ob BDIH, Ecocert oder NATRUE – den Naturkosmetiksiegeln kann man vertrauen, auch wenn der Überblick bei dieser Vielfalt nicht ganz leicht fällt. Seit Januar 2017 ist endlich der COSMOS-Standard verpflichtend für viele europäische Verbände und vereint die einst unterschiedlichen Kriterien nun harmonisiert unter einem Dach. Aber A sind nicht alle im Boot und B gibt es darüber hinaus Bewertungsseiten zum Thema Hautgesundheit im Netz, die zum Teil wieder eigene Siegel hervorgebracht haben… Wir verraten, was dahinter steckt.

Codecheck: Der Alleskönner?

Da gibt es zum einen Codecheck: In der riesigen Datenbank sind unter anderem auch Kosmetikprodukte erfasst. Per Barcode-Scan oder Produktsuche können Inhaltsstoff-Infos zu Cremes und Co. abgerufen werden. Nach Ampelsystem wird im Kreisdiagramm dargestellt, wie grün ein Produkt ist, darüber hinaus wird die INCI mit Zusatzinfos zu den Inhaltsstoffen dargestellt. Ein eigenes Siegel gibt es nicht. Die Basis der Bewertungen liefern Ökotest, Greenpeace und Verbraucherdaten – man muss also beachten, dass nicht im Vordergrund steht, wie natürlich die Beautyprodukte im Check sind (siehe unser Test weiter unten). Das Angebot ist kostenlos und bewertet mittlerweile allein rund 2,5 Millionen(!) Kosmetikprodukte verschiedenster Kategorien.

Kosmetikanalyse: kostenpflichtiger INCI-Check

Ähnlich funktioniert Kosmetikanalyse: Hier sind jedoch ausschließlich Beauty-Produkte und keine weiteren Produktkategorien hinterlegt. Die Basis bildet eine umfassende Inhaltsstoffdatenbank mit etwa 9000 Einträgen. Auch hier wird nach Ampelsystem bewertet, das sich in diesem Fall auf Fachpublikationen stützt. Die gefundenen Stellen werden unter Angabe der Quelle bei den jeweiligen Inhaltsstoffen zitiert. Zu beachten ist: Gelbe Smileys bei Stoffen und Produkten sind weder gut noch schlecht – die Farbe gilt als neutrale Bewertung. Das Qualitätssiegel “Inhaltsstoffe-geprüft” leitet Verbraucher via Link oder QR-Code auf die Bewertungsseite. Allerdings muss man Mitglied werden, um die Analyseseite nutzen zu können und auch hier liegt der Grad der Natürlichkeit nicht im Fokus.

EWG’s Skin Deep: umfassende Strenge?

In Europa weniger bekannt ist das Angebot der EWG (Environmental Working Group) aus Washington/USA: Unter EWG’s Skin Deep existiert eine Datenbank, bei der Hautgesundheit und Produktsicherheit im Vordergrund stehen. Auch hier wird ein Ampelsystem verwendet, das gleichzeitig die Basis für das EWG-Siegel bildet: Nur als grün bewertete, gesundheitlich unbedenkliche Produkte dürfen das Qualitätszeichen tragen. Ausgeschlossen sind Kosmetika, die Rohstoffe aus der „Unacceptable“-Liste enthalten (diese umfasst 206 Seiten) oder zweifelhafte Stoffe in höheren Anteilen, als die „Restricted“-Liste (satte 926 Seiten!) es zulässt. Beide Listen stützen sich auf die Vorgaben und Einschränkungen diverser internationaler Behörden, sowie Empfehlungen wissenschaftlicher Institutionen der Krebsforschung, Toxikologie, Allergologie etc. Die Vorgaben der EWG sind so streng, dass beispielsweise Naturkosmetikfirmen, die eine Komposition ätherischer Öle in der INCI als Parfum kennzeichnen, in der Plattform schlecht bewertet werden. Gerade wegen der umfassenden Einschränkungen sind die Kriterien schwer zu durchschauen und Bewertungen zum Teil nicht nachvollziehbar (siehe auch hier unser Test am Ende des Artikels). Weiteres Manko: Leider sind bislang nur wenige der in Europa bekannten Naturkosmetikmarken gelistet.

Die Tools im Test

Die Probe aufs Exempel: Wir haben testweise Produkte online eingegeben. Das BDIH-zertifizierte LOGONA Farbpflege Shampoo Haselnuss wird unter Codecheck durchgängig grün bewertet, unter Skin Deep erhält es insgesamt eine Mittelklasse-Bewertung und dürfte das Siegel der EWG gar nicht tragen.

Magazin: Kosmetikcheck: Wie zuverlässig sind Online-Tools wie Codecheck, EWG Skin Deep und Kosmetikanalyse? Screenshot: naturalbeauty.de

 

Anders bei einer Korres Mascara: Das naturnahe Produkt würde zum Beispiel wegen seines Gehalts an Silikon keines der Naturkosmetiksiegel erhalten. Unter Codecheck werden lediglich das Palmöl und ein verwendeter Farbstoff abgewertet, die Community gibt dem Silikon ebenfalls Punktabzug – die Kennzeichnung ist dennoch beinahe vollständig grün. Bei Skin Deep wird mit grüner Note 2 bewertet und das EWG Siegel könnte trotz aus unserer Sicht bedenklicher Rohstoffe verliehen werden.

Magazin: Kosmetikcheck: Wie zuverlässig sind Online-Tools wie Codecheck, EWG Skin Deep und Kosmetikanalyse? Screenshot: naturalbeauty.de

 

Letzter im Test: Ein L’Oreal Haarspray. Keine Chance auf ein Qualitätszeichen aus der Naturkosmetik. Bei Codecheck gibt es ein paar Abwertungen, die aber nicht einmal ein Viertel des Kreises rot färben und eine für unseren Geschmack deutlich zu positive Bewertung. Bei Skin Deep eine 8 in Knallrot und damit eine klare Absage… Immerhin bei diesem Produkt stimmt unsere Redaktion dem Online-Tool zu.

 

(Anmerkung der Redaktion: Da wir zum kostenpflichtigen Angebot von Kosmetikanalyse keinen Zugriff haben, blieb die Website an dieser Stelle außen vor.)

Welches Tool passt zu mir?

Auch wer sich auf Siegel und Bewertungsseiten verlässt, sollte einmal für sich persönlich klären, welches Qualitätszeichen oder Tool am besten mit den eigenen Ansprüchen zusammen passt. Denn was nützt eine ausgeklügelte Auswertung, wenn sie fernab der eigenen Bedürfnisse liegt? Und: Auskennen sollte man sich in jedem Fall, was die INCI betrifft. Denn einige Bewertungen in unseren Beispielen haben bei uns in der Redaktion für große Fragezeichen gesorgt. Am sichersten sind da immer noch die Qualitätszeichen für Naturkosmetik, die sich (Details hin oder her) im Kern absolut ähnlich sind und zumindest ein hohes Maß an Natur garantieren.

Wer in Sachen digitale Helfer trotzdem auf den Geschmack gekommen ist, findet hier weitere spannende Apps für ein grüneres Leben.

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