Inhaltsstoff Zucker – süße Sünde?

Mit Zucker ist es so eine Sache: Er hat keinen guten Ruf. Zu viel Süßes soll sogar für unreine Haut sorgen. Und doch ist er aus der Kosmetik nicht wegzudenken – ein verkanntes Multitalent.
Titelbild Magazin: Inhaltsstoff Zucker - süße Sünde? Bild: pixabay

Zugegeben: In Sachen Ernährung ist der kristalline Stoff durchaus verzichtbar. Zucker hat einfach zu viele Nebenwirkungen, die der süßen Zutat einen bitteren Beigeschmack verleihen – da sind Pickelchen von zu viel Schokolade eher noch das kleinste Übel. Doch als Beauty-Zutat ist Zucker unschlagbar vielseitig.

Für Haut und Haar

Bei bestimmten Anwendungen sind die feinen Kristalle sichtbar und fühlbar, so zum Beispiel bei DIY-Peelings: Im Gegensatz zu Salz, hat Zucker eine eher runde Form ohne scharfe Kanten und entfernt Hautschüppchen daher sanfter.

Auch in Form von Tensiden agiert Zucker besonders mild und ist mittlerweile bekannt für diesen guten Job: Zuckertenside sind gut verträglich und biologisch abbaubar. Sie kommen in vielen Naturkosmetik-Duschgels und -Shampoos zum Einsatz. Bestimmte Zuckertenside festigen sogar das Haar. In Stylingprodukten ersetzen sie Halt gebende Kunststoffpolymere. Die sanften Saubermacher können aber auch als Emulgatoren Wasser und Öl zu einer geschmeidigen Lotion verbinden.

Schon gewusst? Selbst Hyaluronsäure ist eine Zuckerverbindung. Ein Gramm des Anti-Aging-Wirkstoffs Nummer eins kann beachtliche drei Liter Feuchtigkeit binden!

Das ist schon einiges – aber noch längst nicht alles, was Zucker auf dem Kasten hat…

Bräune ohne Sonne

In vielen Selbstbräunern wird er in Form von Dihydroxyaceton, kurz DHA, als Hauptwirkstoff eingesetzt. In dieser Form ist Zucker jedoch keine gute Wahl – denn DHA kann Allergien auslösen und ist darüber hinaus ein instabiles Molekül. Zerfällt es, bleibt als Abfallprodukt Formaldehyd zurück. Eine sanftere Alternative ist die Zuckerform Erythrulose. Dabei handelt es sich vereinfacht gesagt um eine stabilere Form, die langsamer und langanhaltender für Bräune sorgt. Selbst in der Naturkosmetik ist es schwer, Produkte ohne DHA zu finden. Hier findet Ihr unsere Liste natürlicher Selbstbräuner, die ganz ohne bedenkliche Inhaltsstoffe auskommen.

Volles Rohr: Fruchtsäure aus Zucker

Der Rohstoff hat es einfach in sich. In Zuckerrohr und auch Zuckerrüben steckt zum Beispiel auch eine natürliche Fruchtsäure: Die Glykolsäure. Von allen Fruchtsäuren (AHAs) hat sie die kleinste Molekülgröße und kann bis in tiefere Bereiche der Oberhaut eindringen. Dabei wirkt sie wie ein chemisches Peeling, das die Kittsubstanzen zwischen den Zellen auflockert und Hornschüppchen von der Hautoberfläche löst. Als chemisches Peeling in hoher Dosierung wird Glykolsäure nur von Profis wie Kosmetikerinnen und Hautärzten verwendet – zum Beispiel gegen Falten oder Akne. Geringer konzentriert findet sie aber auch in Anti-Aging-Cremes oder Pflegeprodukten für unreine Haut Einsatz. Glykolsäure regt die natürliche Hauterneuerung an, glättet und strafft. Die Zuckersäure befreit außerdem verstopfte Talgdrüsen, reduziert die Dicke der Hornschicht und erhöht den Feuchtigkeitsgehalt des Teints.

Eine unendlich süße Geschichte

Diese Liste könnte man beinahe endlos weiterführen. So gehören auch Acemannan (aus der Aloe vera) und Alginate (aus Algenextrakten) in die Stoffgruppe der Glycoside. Ein Stück Würfelzucker hat also durchaus einiges mit dem Thema Schönheit gemeinsam.

Glossar: „Zuckerstückchen“

Im Zusammenhang mit Zucker werden sehr spezifische Bezeichnungen verwendet. Hier bekommt Ihr zum Abschluss einen kleinen Überblick:

Fructose = Fruchtzucker (Monosaccharid/Einfachzucker)

Glucose = Traubenzucker (Monosaccharid/Einfachzucker)

Saccharose = (Kristall-)Zucker = Fructose + Glucose

Oligosaccharid = Mehrfachzucker = Verbindung mehrerer gleicher oder verschiedener Monosaccharide untereinander (2 bis 10 Moleküle, z.B. Saccharose)

Polysaccharid = Mehrfachzucker = Aneinanderreihung vieler Zuckermoleküle  (mehr als 10). Das häufigste Polysaccharid ist die Zellulose. Auch Chitin und Xanthan werden zu dieser Gruppe gezählt.

Glycoside gelten als eine eigene Stoffgruppe, die Zucker und Alkohol miteinander verbindet. Dazu gehören unter anderem die Flavonoide und Polyphenole.

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