Fein raus: Pflege für sensible Haut

Ob Hitze, konventionelle Creme oder Krach mit dem Partner: Jede zweite deutsche Frau hat mittlerweile empfindlichen Teint, der darauf prompt mit Reizungen reagiert. Woran liegt das? Und wie kommt gestresste Haut am besten wieder zur Ruhe? Spannende Antworten auf ein Dauerbrenner-Thema.
Titebild Magazin: Fein raus: Pflege für sensible Haut Bild: pixabay

Sie kribbelt, rötet sich, juckt und schuppt: Empfindliche Haut ist alles andere als pflegeleicht, denn sie stuft selbst Kleinigkeiten als Bedrohung ein. Wind, Sonne und sogar gut gemeintes Eincremen nimmt sie rasch übel. Schuld daran ist oft eine anlagebedingt zu dünne Hornschicht, unter der die Nervenenden buchstäblich blank liegen. Hinzu kommt, dass sensibler Teint meist trocken ist. Die Hornschüppchen werden nicht von einem gesunden Hydro-Lipid-Film zusammengehalten, sondern springen auf und machen die Haut durchlässiger für Reize. Doch nicht immer ist sensible Haut Schicksal. Wissenschaftler der Universität Hamburg gehen davon aus, dass nur 20 Prozent der Fälle genetisch bedingt ist. Bei den restlichen 30 Prozent ist das Problem dagegen hausgemacht, da wir unsere Haut versehentlich provoziert haben. Was läuft also schief?

Ursachenforschung: Das geht unter die Haut

„Fehlerquelle Nummer eins ist zu häufiges Waschen mit aggressiven Reinigungsmitteln“, erklärt Claudia Ehle, Naturkosmetik-Expertin und Autorin des Buches „Hautsache gesund!“. „Dadurch quillt die Hornschicht auf und der Säureschutzmantel wird geschädigt. Kein Wunder, dass die Haut sich anschließend nicht mehr richtig zur Wehr setzen kann.“ Bei der Reinigung solltet Ihr daher in Zukunft etwas relaxter vorgehen und die deutsche Gründlichkeit ein Stück weit über Bord werfen. Duschet nur jeden zweiten Tag und verwendet am besten Produkte, die milde Zuckertenside und jede Menge rückfettende Substanzen enthalten. Zum Säubern des Gesichts ist Reinigungsmilch mit Pflanzenfett wie z. B. Soja- oder Haselnussöl ideal. Oft geht die Entstehung von empfindlicher Haut aber auch aufs Konto von konventioneller Kosmetik mit hohem Paraffin-Anteil. Da dieser Erdölabkömmling wie eine Folie auf der Hautoberfläche bleibt, kann nämlich kaum noch Feuchtigkeit verdunsten. Dadurch wird die Haut unterwärts immer spröder und wir haben das Gefühl, ständig nachcremen zu müssen. Ein echter Teufelskreis! Wie kommt man da am besten wieder raus?

Steigen Sie auf Naturkosmetik um, denn die basiert auf Pflanzenölen, die tief einziehen“, rät Claudia Ehle. „In der Übergangsphase kann es zwar sein, dass Ihnen das glatte Gefühl des Paraffinfilms auf der Haut fehlt, aber schon bald werden Sie feststellen, wie Ihr Teint sich erholt und widerstandsfähiger wird.“ Wichtig ist aber auch, ein möglichst verträgliches Produkt zu finden.

Bitte nicht stören: Welche Stoffe draußen bleiben sollten

„Weniger ist mehr“ lautet das oberste Gebot bei der Pflege sensibler Haut. Achtet darauf, dass die Zutatenliste Eurer Creme eher kurz ist. Je weniger Substanzen darin enthalten sind, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr eine erwischt, mit der Ihr nicht klarkommt. Auch der Verzicht auf Farb-, Duft- und Konservierungsstoffe kann sich lohnen, da diese Zusätze auf der Hitliste der Allergieauslöser ganz oben stehen – obwohl sensible Haut nicht automatisch allergisch sein muss. Naturkosmetik wird mit ätherischen Ölen parfümiert, die in der Regel verträglicher sind als chemische Duftbausteine. Es gibt aber auch eine große Auswahl an Produkten, die parfümfrei sind. Synthetische Farb- und Konservierungsstoffe sind in echter Bio-Beauty ohnehin nicht erlaubt. Auch einige Anti-Falten-Mittel können bei sensiblem Teint problematisch sein, vor allem Fruchtsäuren und Retinol. Da sie die Abschuppung beschleunigen, sieht dünne, empfindliche Haut schnell rot. Deshalb: Finger weg! Sanfter wirken Schisandra-Extrakt und grüner Tee. Durch ihren Gerbstoffgehalt ziehen sie die Poren zusammen und schlagen dadurch zwei Fliegen mit einer Klappe: Äußere Reize können nicht so leicht eindringen und die Haut wird geglättet. Ein super-sanfter Straffmacher ist auch die Laminaria-Alge, die erste Fältchen mit Feuchtigkeit aufpolstert.

Legt Euch ein dickeres Fell zu

Okay, was alles nicht im Cremetopf stecken sollte, wissen wir nun. Aber was hilft? Ideal ist alles, was die Hautbarriere stärkt. Super Pflegezutaten sind z. B. Sanddorn-, Baumwollsamen- und Nachtkerzenöl. In diesen Fetten steckt eine geballte Ladung Linolsäure, die auch natürlicherweise in unserer Haut vorkommt und bei empfindlichen Menschen oft Mangelware ist. Sie dichtet die feinen Lücken zwischen unseren Hautschüppchen ab, so dass weniger Feuchtigkeit verdunstet und keine Schadstoffe eindringen können. Auch gut: Sheabutter, Bienenwachs, Aloe vera und Süßholzextrakt, da sie sich wie ein Schonbezug aufs Gesicht legen, an dem Wind oder Heizungsluft einfach abprallen. Damit Irritationen schneller abklingen, sollte Eure Pflege zusätzlich bewährte Ruhestifter wie Hafer, Lindenblütenextrakt und entzündungshemmende Mineralien enthalten, die z. B. in Thermal- und Meerwasser vorkommen. „Viele Menschen, die empfindliche Haut haben, sind aber auch im übertragenen Sinne eher dünnhäutig veranlagt“, sagt Buchautorin Claudia Ehle. „Wenn es in unserem näheren Umfeld Personen gibt, die uns zu nahe treten oder unsere Grenzen überschreiten, spiegelt sich das oft in einer gestörten Hautbarriere wider. Deshalb sollten Sie immer auch Ihre Seele im Blick behalten und sich regelmäßig etwas Gutes tun.“ Das kann ein Spaziergang am Meer sein, eine Tasse Tee im Straßencafé – oder eine tolle neue Gesichtscreme, die Ihr garantiert gut vertragt.

Bloß nicht reizen lassen:
Schutzengel für sensible Haut


Thermal Sensitiv Reinigungsmilch von Speick
mit Thermalwasser, Sheabutter und Kamelien-Öl
Sensitive Tagescreme von Heliotrop mit Mandelöl, Aloe vera und Baumwollsamenöl
Sanfte Augencreme von Oceanwell mit Algenextrakt und Meeresmineralien, ohne Parfüm
Pure sensitive Dusch-Shampoo von farfalla mit Mandelöl, Lindenblütenextrakt und Zuckertensiden, ohne Parfüm
L’Eau Soir et Matin Reinigung von Absolution mit Haselnussöl und Aloe vera

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