Farbe satt: Karmin

Fast jede Frau besitzt wenigstens einen: einen roten Lippenstift. Denn rote Lippen sind der Inbegriff von Weiblichkeit, Attraktivität und Sinnlichkeit. Doch aus welchen Inhaltsstoffen wird die feurige Farbe eigentlich erzeugt? Naturkosmetik setzt im dekorativen Bereich häufig auf sogenanntes Karmin – was sich dahinter verbirgt, dürfte so manche Rot-Trägerin überraschen…
Farbe satt: Karmin, Foto: PIXABAY

Schon der erste Lippenstift war Rot: Er wurde 1883 auf der Weltausstellung in Amsterdam vorgestellt und bestand aus einer Mischung aus Rizinusöl, Hirschtalg und Bienenwachs, gewickelt in edles Seidenpapier. Seine Zusammensetzung änderte sich in der Historie häufig und man ließ auf dem Weg zum kussechten Kosmetikwunder immer wieder neue, bedenkliche Stoffe zu: So wurden beispielsweise Steinkohle und Teer lange Zeit geduldet. Aus Erdöl gewonnene Stoffe, Konservierungsstoffe und synthetische Zusätze für Farbgebung und Duft sind sogar bis heute zulässig – darunter Azofarbstoffe in unzähligen Nuancierungen.
Fans der natürlichen, dekorativen Kosmetik müssen beim Lippenrot Kompromisse eingehen: Nicht alle Farbgebungen sind möglich. Und intensive Rottöne erreichen die meisten Hersteller mit echtem Karmin – einem roten Farbstoff tierischen Ursprungs. Besonders Vegetarier und Veganer verzichten deshalb gern auf dessen Verwendung.

Ein lausiges Gefühl?

Bei der heutigen Auswahl an natürlichen und naturidentischen Rohstoffen ist es eigentlich kaum zu glauben: Das echte Karmin wird aus Cochenilleschildläusen gewonnen. Die winzigen Tierchen mit nur knapp 8 mm Größe sind in Zentral- und Südamerika heimisch. Zur Gewinnung der Farbe werden ausschließlich die weiblichen Läuse eingesetzt. Sie werden getrocknet und mit Schwefelsäure ausgekocht. Mithilfe von Alaun und Kalk wird das Pigment Karmesin ausgefällt, ausgewaschen und getrocknet. Insgesamt braucht man für ein Kilogramm Karmin etwa 100.000 bis 150.000 Läuse!

Weit verbreitet

In der INCI erkennt man Karmin an den Bezeichnungen Carmine, E 120, Cl 75470, Karminsäure, Cochenille, Karminrot, crimson lake, cochineal oder Natural Red 4. Und da findet man es häufig… Rottöne aus Karmin werden in der dekorativen Naturkosmetik nämlich nicht nur in Lippenstiften gebraucht, sondern auch in Foundations, im Rouge und in Lidschatten eingesetzt. Darüber hinaus ist der Farbstoff auch in der Lebensmittelindustrie weit verbreitet und färbt neben alkoholhaltigen Trendgetränken sogar Kindereis und Marmeladen.

Alarmstufe Rot: Allergiepotential

Trotz seiner häufigen Verwendung und dem Einsatz in Naturkosmetik birgt Karmin auch Risiken: Insbesondere bei Menschen mit einer Überempfindlichkeit gegenüber Salicylsäure oder Benzoesäure kann es bei Kontakt zu pseudoallergischen Reaktionen kommen. Diese wirken vor allem auf die Atmungsorgane und die Haut: Atemwegsbeschwerden, verschwommenes Sehvermögen und Hautausschläge können vorkommen. Und das alles für ein wenig Farbe im Gesicht? 

Alternativen aus dem Pflanzenreich

Neben den gefürchteten Azofarbstoffen und Karmin gibt es nur wenige Alternativen, wenn man nicht auf Rottöne verzichten will: Einige wenige Hersteller verwenden Rote Beete, Sanddorn oder rotes Eisenoxid zur Färbung von Lippenstiften und Co. Obwohl es diese Möglichkeit offenbar gibt, scheint sie noch nicht ausgereift zu sein und die Rotintensität fällt noch nicht so aus, wie von Verbraucherseite gewünscht. Durchgesetzt hat sie sich bislang jedenfalls nicht und die Auswahl an alternativen Produkten, vor allem an veganen, rein natürlichen Lippenstiften, ist rar. Da hilft nur, auf Lippenrot zu verzichten, intensiv zu suchen oder sich mit dem Gedanken anzufreunden, Läuse auf den Lippen zu tragen…

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