Die sieben Sünden des Green Washing

Naturkosmetik, Ökostrom, Bio-Lebensmittel und Hybridautos: Wer nachhaltig leben möchte, kann sich heute in vielen Bereichen für grüne Alternativen entscheiden. Doch auch wer mit guten Vorsätzen konsumiert und handelt, sollte stets die Augen offen halten – denn Green Washing ist und bleibt allgegenwärtig.
Greenwashing, Foto: PIXABAY

So vielfältig wie die Wege zu mehr Nachhaltigkeit, sind auch die Maschen der Industrie, um Verbraucher gezielt in die Irre zu führen. Immer mehr „grüne“ Produkte sind auf den Märkten zu finden und besonders im Naturkosmetikbereich gibt es viele, die auch gern ein Stück vom großen „Wir retten die Erde“-Kuchen abbekommen wollen. Und dafür lassen sie sich jede Menge einfallen:

1. Die Sünde der versteckten Kompromisse

„Grüne“ Produkte werden häufig mit Attributen beworben, die ein besonders umweltverträgliches Merkmal herausstellen. Allerdings geraten dabei andere Eigenschaften schnell in Vergessenheit, die unter Umständen weniger zu einem nachhaltigen Lebensstil beitragen. Bei Papier aus nachhaltiger Forstwirtschaft zum Beispiel sprechen durchaus Aspekte aus der Rohstoffgewinnung für das Produkt – Dinge wie der Energieaufwand, der Wasserverbrauch und der Ausstoß von Treibhausgasen während der Herstellung finden dabei aber keine Berücksichtigung.

2. Die Sünde des fehlenden Nachweises

„Nachwachsende Rohstoffe. Vollständiges Recycling“. Aussagen wie diese auf der Verpackung eines Produktes klingen für Verfechter des LOHAS mehr als positiv. Doch wer garantiert für diese Statements und wer hat sie überprüft? Hier gehört viel Vertrauen dazu, wenn kein unabhängiger Dritter die Werbebotschaft bestätigen kann…

3. Die Sünde der Unschärfe

Viele missverständliche Aussagen sind oft auf den ersten Blick gar nicht erkennbar und können Verbraucher so leicht in die Irre führen: „Naturbelassene Inhaltsstoffe“ klingen ja erstmal einladend, und man erwartet spontan Auszüge aus zarten Pflänzchen und pflegende Öle. Aber sind Stoffe wie Arsen oder Formaldehyd nicht auch naturbelassen? Die Bezeichnung ist eben nicht gleichbedeutend mit „grün“ oder „unbedenklich“, sondern kann unter Umständen gleichzeitig schädlich oder giftig bedeuten…

4. Die Sünde der Irrelevanz

Auch wenn sie noch so aufrichtig klingen und dies sogar sind: Aussagen wie „FCKW-frei“ sind zwar grundlegend korrekt, aber als Produkteigenschaften gleichzeitig gesetzlich vorgeschrieben! Beim Kauf sind sie also absolut irrelevant und gehören nicht zur Auslobung eines besonders umweltfreundlichen Produktes – denn in diesem Aspekt unterscheiden sie sich nicht von anderen am Markt.

5. Die Sünde des geringeren Übels

Claims dieser Sorte lenken den Verbraucher von schwerwiegenden Auswirkungen eines Produktes ab, indem sie diese schlichtweg überspielen. In diese Kategorie der Green Washing-Sünden gehören zum Beispiel Bio-Zigaretten (die der Gesundheit dennoch schaden) oder „benzinsparende“ Sportwagen (deren Verbrauch noch weit über dem Durchschnitt liegt).

6. Die Sünde der Lüge

Hierzu gehören wissentlich falsche Aussagen, die Verbraucher gezielt in die Irre führen. Wer mit den Worten „registered“ oder „certified“ in Verbindung mit einer Label-Bezeichnung wirbt, ohne dass die Produkte dies tatsächlich tragen, riskiert nicht nur ein Strafverfahren, sondern auch den Vertrauensverlust seiner Kunden.

7. Die Sünde der falschen Label

Eco-Labelling wurde zwar zu einem wichtigen Lösungsansatz für die Sicherheit und das Vertrauen der Verbraucher – manchmal ist es aber zugleich Ursache für eine heikle Problematik: So hat neben den echten Zertifizierungen auch die Nutzung von Fake-Labels dramatisch zugenommen. Eine „Zertifizierung“ in Form eines fantasievollen, grünen Zeichens kann jedermann zum Preis von wenigen Euro in Bildportalen downloaden – allein das umfangreiche Suchergebnis bei der Eingabe von „certified green“ auf diversen stock image websites verdeutlicht, wie viele Labels ohne jegliche verlässliche Aussagen im Netz verfügbar sind.

Als Verbraucher sollte man also nicht nur genau hinsehen, sondern das Gesehene auch noch kritisch hinterfragen, um nicht auf die sieben Sünden des Green Washing hereinzufallen. Der nachhaltige Lebensstil ist wie eine Leiter: Wasser, Energie, Recycling und Ressourcenschonung sind die Sprossen, die man alle nacheinander erklimmen muss, um den weiten Weg nach oben zurück zu legen. Jeder kleine Schritt zählt – doch wir haben gerade erst angefangen zu klettern…

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