Das einzig Wahre: Naturparfum

Echte (Naturparfum) Originale kann man nicht kopieren. Dennoch ist der Markt überschwemmt von Parfums, die uns allen etwas vorgaukeln: Was so verführerisch nach Blüten und Hölzern riecht, ist in den seltensten Fällen Natur. Im Schnitt stammen 85 Prozent des Flakon-Inhalts aus dem Labor. Ein Fakt, der uns stinkt – und Anlass, die Welt der Düfte einmal genau unter die Lupe zu nehmen.
Naturparfum, Foto: PIXABAY

Ein Tröpfchen spritzige Orange, weiches Rosenaroma, die herbe Frische von Tannennadeln: Parfums, die nach Natur duften, tun unserer Seele gut. Doch natürliche Essenzen wie ätherische Öle sind in konventionellen Parfums nur selten für dieses Geruchserlebnis verantwortlich. Die meisten Düfte bestehen aus einer Mischung, bei der der synthetische Anteil klar überwiegt. Ein Risiko – denn einige der so hergestellten Duftstoffe sind umstritten, da sie gesundheitliche Probleme hervorrufen können. Aber warum werden sie dennoch eingesetzt? Und wo liegen die wesentlichen Unterschiede zwischen Naturparfum und ihren konventionellen Verwandten?

Streitpunkt 1: Die Haltbarkeit

„Normale“ Parfums bleiben sehr viel länger intensiv wahrnehmbar. Zwar sind die hierzu verwendeten, synthetischen Zutaten nicht alle per se bedenklich, doch – so Aromatologe Jean-Claude Richard vom Naturkosmetikhersteller Farfalla – „naturfremde, synthetische Duftstoffe können sich im Unterhaut-Fettgewebe speichern und akkumulieren. Von daher haben diese vielen naturfremden Substanzen, welchen wir tagtäglich ausgesetzt sind, maßgeblich Einfluss auf die steigende Allergieproblematik“. Kritisch wird es, wenn Parfums besondere Moschusverbindungen oder Phthalate enthalten, die sich in Haut und sogar Muttermilch anreichern können, beziehungsweise die im Verdacht stehen, hormonelle Wirkung zu haben. Da wundert es nicht, dass bei Parfum-Checks von Öko-Test Naturparfum auf den vorderen Plätzen landete, während weltbekannte konventionelle Klassiker schlechte Noten einstecken mussten.

Was in Naturparfums unsere Nase umschmeichelt, sind zumeist ätherische Öle. Im Idealfall aus Bio-Anbau duften sie im Zusammenspiel mit einer Basis aus Blütenwässern und Bio-Alkohol intensiv, bleiben aber nicht so lange erhalten (selten mehr als vier Stunden). Da stellt sich die Frage, ob ihre Sanftheit und Flüchtigkeit wirklich ein Nachteil ist. In Anbetracht dessen, dass unsere Nase im Alltag immer wieder von konventionellen Düften, die im Übermaß aufgetragen wurden, gereizt wird, könnte es auch ein Vorteil sein. Außerdem kann und darf man bei Naturparfum gerne ‚nachlegen‘.

Allergiepotential haben ätherische Öle bekanntlich ebenfalls, Jean-Claude Richard dazu: „Künstliche wie natürliche Duftstoffe können der Auslöser für eine Allergie sein. Allerdings werden natürliche ätherische Öle vom Körper als natürlich erkannt und relativ schnell wieder ausgeschieden“. Hier muss also wie bei Kosmetika und Nahrung individuell auf Reaktionen geachtet und „reizende“ Inhaltsstoffe gemieden werden.

Streitpunkt 2: Der Luxus-Faktor

Was Aufwand und Kostbarkeit betrifft, steht Naturparfum den konventionellen Parfums in nichts nach. Im Gegenteil: Bei den konventionellen Düften wird oft weit mehr in Marketing, Werbung und Testimonials investiert, als in die Inhaltsstoffe. Die edelsten ätherischen Öle hingegen können durchaus mehrere tausend Euro kosten. Komponiert wird wie in der Parfumeurskunst üblich mit Basis- und Herznote (länger wahrnehmbar) und schnell flüchtiger Kopfnote. Wie bei Naturkosmetika sollte man auch bei Naturparfum auf die Inhaltsstoffe achten. Eine Orientierung bieten die bekannten Zertifizierungen (BDIH, Natrue, Ecocert). Denn schließlich wollen wir uns ja nicht nur über einen feinen Duft freuen, sondern gleichzeitig über ein nachhaltiges, tierfreundliches und absolut natürliches Produkt.

Streitpunkt 3: Die unbegrenzten Möglichkeiten der Chemie

Der moderne Mensch benutzt heute viel mehr Parfum als früher, so dass riesige Mengen an Zutaten wie Bergamotte, Lavendel oder Zimt notwendig wären, um die Ingredienzen natürlich herzustellen. Zudem macht es viel Arbeit, ätherische Öle durch Wasserdampfdestillation oder Auspressen zu gewinnen. Hinzu kommt, dass das bei einigen Pflanzen nicht funktioniert. Egal, welches Verfahren man anwendet: Flieder, Äpfel und Maiglöckchen beispielsweise lassen sich ihren Duft nicht in Form eines ätherischen Öls entlocken. Außerdem sind im Labor hergestellte Duftstoffe oft erheblich billiger als ihre natürlichen Varianten. Ein Kilo künstliches Vanillin kostet z.B. nur 10 Euro, die gleiche Menge echtes Vanilleöl bringt es dagegen locker auf 1.200 Euro.

Deshalb greifen immer mehr Parfümeure in die chemische Trickkiste und bauen teure Duftstoffe günstig nach, schaffen Ersatz für natürlich nicht machbare Noten, wie ein Apfel-Aroma, oder kreieren sogar völlig neue, etwa die Aldehyde, die z. B. in Chanel No 5 vorkommen. Für Duftdesigner ein Traum – aber leider einer mit Nebenwirkungen.

Stellt man einen Duft künstlich her, gibt es ein Problem: Meist imitiert man nämlich wirklich nur den Geruch. Andere Inhaltsstoffe ätherischer Öle, die zwar positive Auswirkungen auf Körper und Seele haben, aber den Duft nicht beeinflussen, werden nicht berücksichtigt. Das liegt an der einzigartigen Fülle: Echtes Rosenöl z. B. besteht aus rund 400 Einzelsubstanzen, die noch gar nicht alle erforscht sind. Das gesamte Spektrum nachzubauen wäre ein immenser Aufwand.

Die vereinfachte Struktur einiger künstlicher Duftbausteine kann jedoch dazu führen, dass sie im Fettgewebe des Körpers eingelagert werden und die Leber belasten. Das gilt besonders, wenn Ihr Euch zu oft und zu intensiv mit synthetischen Moschusnoten einsprühen. Aber auch sonst gibt es in konventionellen Parfums noch eine ganze Reihe von Zutaten, die nicht unbedenklich sind, z. B. synthetische Farb– und Konservierungsstoffe, schädliche Alkohol-Vergällungsmittel wie Phthalate oder hormonell wirkende UV-Filter. Und selbst wenn die Duftstoffe natürlich sind, werden sie manchmal mit chemischer Nachhilfe gewonnen, etwa dem Lösungsmittel Hexan.

Das Original: Naturparfum

Naturkosmetik-Düfte bestehen hauptsächlich aus ätherischen Ölen, die in einer Basis aus unbehandeltem Bio-Alkohol gelöst werden. In ihnen entfaltet sich die gesamte Seele einer Pflanze, so dass diese Parfums etwas ganz Besonderes sind. „Sie haben dieses gewisse Etwas, den einzigartigen Zauber des Lebendigen, den ein synthetischer Duft nie haben kann“, hat der französische Parfümeur Jean-Paul Guerlain einmal eingeräumt. Hinzu kommt, dass uns beim Schnuppern an natürlichen Essenzen ein wunderbares Wohlgefühl durchrieselt. Das liegt daran, dass in unserer Nase mit jedem Atemzug rund 10 Millionen Riechzellen stimuliert werden, die über das Gehirn eine direkte Verbindung zu Nervenbahnen, Hormon- und Immunsystem haben.

Das lässt sich sogar wissenschaftlich nachweisen: Zitrusduft hemmt die Bildung des Stresshormons Cortisol, Jasmin erzeugt ein ähnlich angeregtes Hirnwellenmuster wie das Trinken einer Tasse Kaffee, Zimt stimmt zärtlich.

Mit synthetischen Düften kann man zwar auch einen aromatherapeutischen Effekt erzielen, doch der ist deutlich schwächer. Untersuchungen der Universität Bochum ergaben, dass natürliches Orangenöl den Schlaf vertieft und für angenehme Träume sorgt. Künstliches Orangenaroma hatte nicht annähernd die gleiche Wirkung. Wer möchte da schon die billige Kopie?

Feine Düfte:

Ein Gedanke zu „Das einzig Wahre: Naturparfum“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.