Avocado – Ein schönes Märchen?

Angesagtes Superfood, Star der veganen Küche und Pflegebombe – die Avocado ist gerade weder aus dem Foodbereich noch der Kosmetikindustrie wegzudenken. Immer mehr Menschen wollen von ihrer Wunderkraft profitieren. Die weltweit starke Nachfrage hat jedoch in den Ländern in denen die bauchige Frucht produziert wird (allen voran Mexiko) dramatische Folgen.
Avocado - Ein schönes Märchen? Foto: PIxabay
Super Avocado

Avocados sind beliebter denn je. Laut der Wochenzeitung DIE ZEIT (Ausgabe Nr. 43/2016) hat sich der Konsum unserer grünen Freunde in den letzten fünf Jahren von 28.000 auf 45.000 Tonnen fast verdoppelt! Grund für die immer weiter steigende Nachfrage ist ihr hoher Anteil an ungesättigten Fettsäuren, Vitaminen und Mineralien, dank derer die Avocado zum Superfood und Liebling veganer Kochbücher avancierte. Aber damit nicht genug. Auch in der Kosmetik macht man sich längst die positiven Eigenschaften zu nutze. Hier gilt sie als absolute Pflegebombe, da sie der Haut eine Extraportion Feuchtigkeit und Schutz vor freien Radikalen schenkt. Das alles klingt fast zu schön, um wahr zu sein.

Die Kehrseite der Medaille

Die Nachfrage nach der Märchenfrucht boomt seit einigen Jahren und mittlerweile werden auch viele kritische Stimmen laut. Der hohe Verbrauch und der damit verbundene Anbau ziehe in einigen Herstellerländern, besonders Mexiko, viele Gefahren für die Umwelt und das soziale Gefüge vor Ort mit sich, behaupten Kritiker. Hier einige Beispiele: Rodungen mehrerer Hektar Wald um Platz für Avocadofelder zu schaffen, extrem hoher Wasserverbrauch sowie negative Auswirkungen auf den Zusammenhalt von Dorfgemeinschaften, wenn Wälder an große Agrarunternehmer verkauft werden.

Was kann man tun?

Der bewusste und vor allem nachhaltige Einkauf von Avocados ist daher sehr wichtig. Das gilt sowohl im kleinen als auch im großen Stil. Deswegen haben wir bei einigen bekannten Naturkosmetik-Herstellern nachgefragt, woher sie die grünen Vitaminbomben beziehen:

„Wir kennen das Problem bezüglich Mexiko. Die Avocados für unser Avocadoöl stammen aus einem kontrolliert biologischen Projekt aus Israel und das schon seit mehreren Jahren.“

Jean-Claude Richard, Geschäftsführer von farfalla Essentials AG

„Nachhaltiges Denken und Handeln ist für dm-drogerie markt und alverde NATURKOSMETIK selbstverständlich. Darum arbeiten wir mit unseren Partnern an Rezepturen, die schon während des Entwicklungs- und Herstellungsprozess Ressourcen schonen. Um den hohen Ansprüchen der zertifizierten Naturkosmetik zu genügen, stellen wir uns den strengen Anforderungen von NATRUE, dem internationalen Naturkosmetikverband. Das Avocado-Öl in unseren Produkten stammt aus kontrolliert biologischem Anbau. Bei der Auswahl der Lieferanten achten wir auf deren Zertifizierungen und darauf, dass die Arbeitsbedingungen vor Ort sozial und ökologisch verträglich sind. Wir stehen dabei in stetigem Austausch mit unseren Partnern, die regelmäßig Besuche und Audits bei den Produzenten vornehmen. Das für alverde NATURKOSMETIK eingesetzte Bio-Avocado-Öl stammt aus verschiedenen Ländern. Bei der Intensiv-Repair Pflegecreme kommt es beispielsweise aus Südafrika und Kenia.“

Kerstin Erbe, dm-Geschäftsführerin verantwortlich für das Ressort Produktmanagement

„Wir verwenden bei Martina Gebhardt Naturkosmetik das besonders vitaminreiche und milde Avocadoöl aus kontrolliert biologischem Anbau. Der Bezug erfolgt über einen deutschen Großhändler. Unser Avocadoöl stammt aus einer Region im kenianischen Hochland, hier wachsen die Avocadobäume von Hunderten von Kleinbauern, welche alle Bio- und Fair Trade zertifiziert sind. Jeder Bauer hat zwischen 0,5 und 25 Hektar mit Avocadobäumen, überwiegend von der Sorte Fuerte. Mit jedem Baum lassen sich ca. 75-300 kg Früchte pro Jahr produzieren, je nach Alter des Baumes. Zertifizierungsbeauftragte arbeiten mit diesen Bauern, um sicherzustellen, dass Bio-Praktiken befolgt werden. Wir haben hier starke Partner und werden auch bei der größeren Nachfrage weiter auf beste Bio Qualität und Nachhaltige Produktion achten!“

Martina Gebhardt, Gründerin Martina Gebhardt Naturkosmetik

„LOGOCOS setzt sich bereits seit fast 40 Jahren für nachhaltige und ressourcenschonende Herstellung ihrer Produkte ein. Dazu gehört vor allem auch eine verantwortungsvolle Auswahl unserer Rohstoffe. So setzen wir zum Beispiel in unserer LOGONA Vitamincreme Bio-Avocado Avocadoöl aus kontrolliert biologischem Anbau aus Zentralafrika ein. Unsere Produkte sind NATRUE zertifiziert, d.h. einmal pro Jahr überprüft ein Auditor sämtliche Rohstoffzertifikate auf ihre Konformität, dabei wird nicht nur der Rohstoff sondern auch deren Herstellung/Gewinnung überprüft. Wir legen sehr großen Wert auf die konsequente Einhaltung sowohl der Richtlinien der Naturkosmetikstandards als auch unserer eigenen hohen Qualitätsrichtlinien.“

Anette Füßel, Unternehmenskommunikation LOGOCOS Naturkosmetik AG

Fazit

Wir sehen also, dass sich die Hersteller von Naturkosmetik eingehend mit der Herkunft und dem fairen Anbau ihrer Inhaltsstoffe befassen. Neben zahlreichen Projekten, die durch die Unternehmen gefördert oder teilweise sogar initiiert werden, ist der erste Schritt in Richtung „bewusster Umgang mit Ressourcen“ gemacht. Dennoch muss auch der Konsument für seinen Privatgebraucht seine Gewohnheiten hinterfragen und doch hin und wieder auf die etwas teurere Frucht zurückgreifen, die dann aber aus kontrolliertem Anbau stammt.

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