HAUTNAH

Sie ist Spiegel unserer Seele und Verbindung zur Außenwelt. Umso wichtiger ist es, dass wir unsere Haut hegen und pflegen. Doch wie? Yael Adler, Dermatologin aus Berlin, beantwortet diese Frage auf sehr informative und unterhaltsame Weise. Sie räumt nicht nur mit falschen Pflegeritualen auf, sondern spricht auch über Pusteln, Fußpilz und andere Tabus!

Sie ist knapp zwei Quadratmeter groß und umhüllt alles, was wir in uns tragen. Sie kann senden und empfangen, schützt uns vor Krankheitserregern und ist gleichzeitig Objekt der Begierde. „Die Haut füttert unsere Sinne“, schreibt Yael Adler schon im Vorwort ihres Buches. Für die Expertin ist unser größtes Organ ein Spiegel unserer Seele, der verrät, was in uns vorgeht. So berichten Falten von Kummer oder Freude, Gänsehaut von Angst oder Lust. Die Haut ist demnach ein Gefühls-Barometer, das aufzeigt, ob wir seelisch im Gleichgewicht sind oder ob wir unter zu viel Stress stehen. Alle Indizien sind irgendwann auf der Haut abzulesen. Die Haut verrät aber auch viel über unseren Gesundheitszustand: Trockene oder schwitzige Haut zum Beispiel kann ein Zeichen dafür sein, dass mit der Schilddrüse etwas nicht stimmt. Pickel können ein Anzeichen von zu viel Milch-, Zucker- oder Weißmehlkonsum sein. Denn unsere Haut steht in regem Austausch mit unserem Nerven- und Immunsystem. Für ein gesundes und ausbalanciertes Leben ist demnach mehr Wissen über unser größtes Sinnesorgan hilfreich. Und genau das möchte Yael Adler in ihrem Buch „Hautnah – alles über unser größtes Organ“ vermitteln …

Einführung in die Dermatologie

Das Buch, das insgesamt 336 Seiten umfasst, ist in fünf Kapitel gegliedert. Im ersten Kapitel gibt Yael Adler eine Einführung in den Aufbau und die Entwicklung der Haut: Von der Epidermis (Oberhaut) über die Dermis (Lederhaut) bis hin zur Unterhaut. Wichtige Fakten liefert sie in diesem umfangreichen Kapitel auch zum Aufbau der Hautschutzbarriere. Sie erzählt zudem von der Basalmembran, die sich zwischen Epidermis und Dermis befindet, und wo etwa Leberflecken wachsen oder Blasen und Wunden entstehen können. In der Dermis dagegen liege die „Klimaanlage unserer Haut, ja unseres gesamten Körpers“, so Adler. Sie werde wie eine Fußbodenheizung von einem gigantischen Netz aus Gefäßen und Bindegewebsfasern durchzogen und regele über die Durchblutung die Wärmeabgabe des Körpers. Wichtige Begrifflichkeiten, wie Kapillare, Talgdrüsen oder Lymphe werden von Yael Adler auf humorvolle und dennoch sehr informative Art und Weise näher erläutert. Darüber hinaus erhält der Leser Informationen zur Unterhaut, dem Stoßdämpfer und Puffer, der unserem Körper Kurven und Konturen verleihe. Hier lege sich auch unser Fettgewebe an und hier werde entschieden, ob wir Cellulite bekommen oder nicht. Die vielen dermatologischen Fakten sind von einfachen und anschaulichen Illustrationen begleitet, so dass auch Laien sich schnell in dem komplexen Thema zurecht finden können.

Hautjahre

Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit den verschiedenen Lebensabschnitten unserer Haut: Babyjahre, Pubertät und Erwachsenenalter. Auch liefert Yael Adler hier wichtige Informationen zu Schlaf, Vitamin D, Sonnenschutz und Hautkrebs. Einen besonders wichtigen und interessanten Teil nimmt die Körperpflege ein, die nach Meinung der Expertin, oft übertrieben werde. Weniger ist mehr – so die Devise des Buches. Die Verwendung von Öl hält Yael Adler sogar für „fahrlässige Körperverletzung“, vor allem wenn die Haut nach einem ausgiebigen Ölbad wieder trocken gerubbelt werde. Denn: Öl löse bei zu kräftigem Rubbeln die wertvollen Lipide aus der Haut. Generell sei Öl als Pflegemittel völlig ungeeignet, da es sich mit den wertvollen Epidermislipiden verbinde und diese auswasche. Die Haut würde dadurch nur trockener. Yael Adlers Vorschlag: Lipo-Lotionen sowie fetthaltige Cremes und Lotionen. Und wenn schon Öl, dann auf die feuchte Haut auftragen und einziehen lassen.

Die Autorin scheut sich in diesem Kapitel auch nicht davor, Dinge anzusprechen, die uns sonst weniger behagen: Zum Beispiel Dornwarzen, Fußpilz oder Besenreißer. Mit Botox und Tatoos räumt sie konsequent auf. Letztere nennt sie sogar „Splatter-Movie für unsere Haut“.

Sex und Ernährung

Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit Sex sowie Geschlechtskrankheiten, die allesamt Auswirkungen auf unsere Haut haben können. Die interessante These der Hautärztin: „Sex, Erotik und Haut gehören untrennbar zusammen.“ Ja, mehr noch: Sanfte Berührung, Streicheln und Geschlechtsverkehr macht uns sogar schöner!

Im vierten Kapitel schließlich geht es um „Haut-Cuisine“. Was ist die richtige Ernährung für eine schöne und gesunde Haut? Wie entstehen Akne und Pickel? Was ist Zöliakie? Was genau versteht man unter oxidativen Stress und Radikalfängern? Auf all diese Fragen gibt die Autorin fundierte Antworten – und bleibt ihrem unterhaltsamen, mitunter nonchalanten Schreibstil treu. Ein Schreibstil, der einfach Lust zum Lesen macht. Fachliche Erläuterungen zu Hautkrankheiten lesen sich somit wie von selbst. Und auch beim Thema Haut und Psyche, das die Autorin im fünften und letzten Kapitel anspricht, findet sie in ihrem Ton stets diese unterhaltsame Mischung aus Fachwissen und Erzählen.

Fazit: Ein toller Ratgeber, dem es gelingt seinen Lesern auf federleichte und gleichzeitig fachlich fundierte Weise das sehr komplexe Thema Haut näher zu bringen. Absolut empfehlenswert!

Dr. med. Yael Adler, „HAUTNAH – Alles über unser größtes Organ“, Droemer Verlag, 16,99 €

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