Sprichst Du INCI?

Eine Creme zu finden, die zur Haut passt und nur gute Zutaten enthält, gleicht oft einem Glücksspiel. Dabei steht der Schlüssel zum cleveren Kauf auf jedem Produkt: die INCI-Liste. Bloß wie wird man aus diesem Fach-Chinesisch schlau? Wir verraten es Euch!
Sprichst Du INCI?, Foto: Fotolia

Mit Kosmetik ist es ähnlich wie mit Menschen: Die Chemie muss stimmen. Doch wie beurteilt man die wahre Qualität einer Creme? Fest steht: Auf die Werbung kann man sich nicht verlassen. Dafür müsste man sich schon mit der Zusammensetzung auskennen.
Bei uns in der EU ist dies zumindest möglich: Hier müssen alle Inhaltsstoffe eines Kosmetikproduktes auf der Verpackung oder auf dem Beipackzettel angegeben werden, und zwar nach festgelegten Richtlinien in einer Fachsprache aus Englisch und Latein. Mit dieser INCI-Liste (International Nomenclature of Cosmetic Ingredients), kann man viel über ein Produkt erfahren.
Die folgenden Erklärungen bringen Licht ins Dunkel der INCI-Fachsprache – und mit ein bisschen Übung wird sie zu einer praktischen Einkaufshilfe.

Jetzt aber Klartext

Der erste, wichtige Hinweis darauf, was in einer Creme steckt, ergibt sich aus der Reihenfolge der Inhaltsstoffe. Die zuerst genannte Zutat macht mengenmäßig den größten Teil des Produkts aus, die zuletzt aufgeführte den kleinsten. Bei einem Gehalt von unter einem Prozent können die Bestandteile in ungeordneter Reihenfolge stehen. Prinzipiell lassen sich die Inhaltsstoffe der INCI-Liste in 3 Klassen einteilen:

  • Basisstoffe
    Sie bilden die Grundlage jeder Creme und stehen daher im oberen Drittel der Zutatenliste. Gute Pflege orientiert sich dabei an der Zusammensetzung des Hydrolipidmantels der Haut. Das heißt: Sie versorgt uns mit einer Mischung aus Wasser (Aqua) und Fett.
    Gut sind grundsätzlich zum Hauttyp passende Pflanzenöle und ihre Fettbausteine, etwa Caprinsäure (Capric), Caprylsäure (Caprylic), Palmitinsäure (Palmitic), Linolsäure (Linoleic), Jojoba-Öl (Buxus Chinensis) und Sheabutter (Butyrospermum Parkii).
    In konventioneller Kosmetik werden häufig Mineralölprodukte als Basisstoffe verwendet, wie zum Beispiel Vaseline (Petrolatum) und Paraffin (Mineral Oil, Paraffinum liquidum), oder Silikon (Dimethicone). Physiologisch betrachtet sind dies aber hautfremde Stoffe, die lediglich an der Oberfläche bleiben und keine echte Pflege liefern.
  • Wirkstoffe
    Sie befinden sich im Mittelfeld der INCI-Liste und werden verwendet, wenn neben der generellen Pflege spezielle Effekte erwünscht sind – wie zum Beispiel Fältchen glätten, sensiblen Teint beruhigen oder Pickel verhindern. Beliebt sind zum Beispiel Vitamin A (Retinol), Vitamin C (Ascorbic Acid, Ascorbyl Palmitate), Vitamin E (Tocopherol), Coenzym Q10 (Ubichinone) und  Hyaluronsäure (Hyaluronic Acid). Die INCI-Bezeichnungen für pflanzliche Inhaltsstoffe bestehen aus dem lateinischen Namen der Pflanze, meist gefolgt vom verwendeten Pflanzenteil sowie der Art der Zubereitung (zum Beispiel Extrakt). Eine spannende Übersicht natürlicher Wirkstoffe und ihrer INCI-Namen findet ihr auch in unserem Inhaltsstofflexikon.
  • Hilfsstoffe
    Sie verleihen in erster Linie dem Produkt zusätzliche Eigenschaften und dienen weniger der Haut. Normalerweise sollten sie ganz unten in der INCI-Liste auftauchen, aber in herkömmlicher Kosmetik stehen sie manchmal schon auf derselben Stufe wie die Basis- und Wirkstoffe. Farbstoffe erkennt man an dem Kürzel CI mit fünf Ziffern (zum Beispiel „CI 40800“), Düfte am Sammelbegriff Perfume und synthetische Konservierungsmittel oft an der Endung -paraben.
Achtung: Absolute No-go’s im Cremetopf

Bestimmte Zutaten, die meist chemisch hergestellt werden, tun niemandem gut – und deshalb stecken sie in zertifizierter Naturkosmetik auch gar nicht erst drin.
Folgende Inhaltsstoffe stehen beispielsweise im Verdacht allergieauslösend oder sogar krebserregend zu sein.

  • Halogenorganische Verbindungen: oft in der INCI zu erkennen an Silben wie –bromo, -jodo –iodo oder chloro.
  • Formaldehyd/-abspalter: häufig beschrieben mit „2-Bromo-2-Nitropropane-1,3-Diol“,  „5-Bromo-5-Nitro-1,3-Dioxane“, DMDM oder „Bronopol“, um nur einige zu nennen.
  • Emulgatoren auf Polyethylenglycolen-Basis: kurz PEG/PEG-Derivate wie Polyglycol, Polysorbate oder PPG. Diese Emulgatoren können die Haut durchlässiger machen und Schadstoffe in den Körper einschleusen.

Nähere Informationen findet Ihr auch in unserer Serie Du kommst hier nicht rein.

Unter den Emulgatoren spielen heute auch ethoxilierte Verbindungen eine Rolle. Sie sind aufgrund ihrer Auslösemöglichkeit der Mallorca-Akne für empfindliche Haut und Neurodermitiker in der Regel nicht geeignet. Zu ihnen gehören INCI-Bezeichnungen, die auf „eth“ enden, wie beispielsweise Ceteareth, Pareth, Laureth. Des weiteren sollten Antioxidantien vom Butylhydroxytoluol-Typ (BHT, BHA) gemieden werden sowie der Komplexbildner Ethylendiamintetraessigsäure-Natriumsalz (Disodium EDTA).
Wer Bio-Beauty benutzt, ist vor all diesen  Problemstoffen aber ohnehin sicher.

Wer noch mehr wissen will oder einen ganz bestimmten INCI-Namen sucht, findet hier eine große Auswahl an Apps, die einem den Beauty-Einkauf enorm erleichtern.

3 Gedanken zu „Sprichst Du INCI?“

  1. Gut erklärter Beitrag, denn der Laie weiß oft nicht, welches System dem Ganzen zugrunde liegt. Und man kann nur immer wieder betonen, welche Stoffe garantiert nicht in guter Naturkosmetik zu finden sind.

  2. Interessanter und guter Beitrag, jefoch vermisse ich in solchen Beiträgen immer wieder den Hinweis auf Mikroplastik, welches zwar (soweit wir es wissen) nicht direkt schädigend für die Haut ist, dabei aber umso schlimmer für unsere Umwelt, da aktuell die Plastikteilchen nicht vollständig aus dem Wasser geklärt werden können und so im Wasserkreislauf und schlussendlich über die Nahrungskette in unserem Körper landen.

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