Säuren für die Haut

Beim Thema Säure und Haut denken wir spontan an schmerzhafte Verätzungen. Dabei gibt es durchaus ungefährliche Exemplare, die unserem Teint schmeicheln, ihn nähren oder für extra Glow sorgen.
Fakten: Säuren für die Haut Bild: pixabay

Nicht jede Säure ist grundsätzlich sauer und es gibt hunderte verschiedene mit den unterschiedlichsten Eigenschaften. Manche von ihnen können unser größtes Organ positiv beeinflussen oder kommen sogar von Natur aus darauf vor: Fettsäuren zum Beispiel, wie die Palmitinsäure, sind ein wichtiger Bestandteil der Hautbarriere und des Säureschutzmantels. Für die Hautpflege sind diese und andere „freundliche“ Säuren, die auch in Pflanzen vorkommen, daher beliebte Ingredienzien , von denen wir Euch einige vorstellen möchten.

Fettsäuren

Pflanzenöle sind in ihrer Zusammensetzung ganz unterschiedlich. Zwar bestehen sie alle neben Vitaminen, Provitaminen und Phytosterolen aus den sogenannten Fettsäuren, aber auch diese bringen vielfältige Wirkungen mit. Wie der Name schon sagt, sind Fettsäuren ein Baustein der Fette und chemisch an Glycerin gebunden. Es handelt sich außerdem um langkettige Kohlenwasserstoffsäuren.

Gesättigt vs. ungesättigt – die Unterschiede

Ketten, die zwischen den einzelnen Kohlenstoffatomen eine Doppelbindung aufweisen, werden als ungesättigte Fettsäuren bezeichnet. Bei Einfachbindungen spricht man hingegen von gesättigten Fettsäuren.

Liegt nur eine einzige Doppelbindung vor, spricht man von den „einfach ungesättigten Fettsäuren“. Besitzt die Fettsäure hingegen mehrere Doppelbindungen, spricht man von den „mehrfach ungesättigten Fettsäuren“.

Ungesättigte oxidieren schneller und werden leichter ranzig als gesättigte Fettsäuren. Die Doppelbindungen spalten sich durch Kontakt mit Sauerstoff nämlich schneller auf.

Gibt es sonst noch Unterschiede? Klares Ja! Gesättigte Fettsäuren haben einen höheren Schmelzpunkt als ungesättigte. Daher sind sie bei Raumtemperatur in der Regel fest, während ungesättigte Fettsäuren flüssig sind. Je nach Fettsäure-Zusammensetzung, sind Pflanzenöle also von ganz unterschiedlicher Konsistenz.

Aber genug von der Basis. Hier kommen die wichtigsten Vertreter: Laurinsäure, Palmitinsäure, Ölsäure, Stearinsäure, Linolsäure, α-Linolensäure und γ-Linolensäure. Sie alle haben unterschiedliche Kettenlängen (Anzahl an C-Atomen) und weisen jeweils andere Einfach- und Doppelbindungen auf – das macht sie so verschieden, ebenso wie die Pflanzenöle.

Und das können die Heroes:

Laurinsäure (gesättigt): Lässt sich gut verteilen, erzeugt ein glattes Hautgefühl und ist leicht konsistenzgebend. Wirkt kühlend, Paradebeispiel: Kokosöl.

Palmitinsäure (gesättigt): Bestandteil der Hautbarriere. Ideal für reife Haut: leicht rückfettend. Konsistenzgebend. Vorsicht: leicht komedogen. Enthalten in u.a. Kakaobutter, Sanddornöl.

Ölsäure (einfach ungesättigt): Lässt sich gut verteilen, bringt Wirkstoffe in die Hautbarriere, sorgt für weiches Hautgefühl. Enthalten in: u.a. Aprikosenkernöl, Kameliensamenöl.

Stearinsäure (gesättigt): Wichtiger Konsistenzgeber. Kann auf der Haut einen Film bilden – bei unreiner Haut weniger gut geeignet. Enthalten in u.a. Kakaobutter.

Linolsäure (zweifach ungesättigt): Perfekt bei empfindlicher, irritierter und trockener Haut. Wenig fettend, leicht und gut verträglich. Enthalten in u.a. Nachtkerzenöl, Sonnenblumenöl.

γ-Linolensäure (dreifach ungesättigt): Wirkt entzündungshemmend, beruhigend, juckreizstillend und regenerierend. Enthalten in u.a. Borretschsamenöl.

α-Linolensäure (dreifach ungesättigt): Fördert die Zellregeneration und aktiviert die Neubildung von Zellen. Entzündungshemmend. Enthalten in u.a. Hanföl, Wildrosenöl, Sanddornkernöl und andere.

Neben den Fettsäuren spielen noch weitere Säuren eine wichtige Rolle in der Kosmetik:

Hyaluronsäure

An ihr kommt man nicht vorbei: Die Zuckerart Hyaluronsäure ist ein wichtiger Rohstoff für die Haut. Sie bildet von Natur aus Polster zwischen den Bindegewebsfasern und sorgt für ein glattes, straffes Erscheinungsbild. Schade nur, dass die körpereigene Produktion irgendwann nachlässt. Höchste Zeit, zum Tiegel zu greifen und das Anti Aging Wunder von außen zuzuführen. Die Vielfalt des Wirkstoffes ist groß und sein Weg in unsere heutigen, innovativen Produkte war lang und tierisch – dazu könnt Ihr hier weiterlesen.

Fruchtsäuren

Einst waren sie Dermatologen vorbehalten, heute sind Fruchtsäuren auch aus dem heimischen Badezimmer kaum mehr wegzudenken. Dank ihrer vielfältigen Wirkungen in unterschiedlichen Konzentrationen erscheint die Haut sichtbar geglättet, gereinigt, frischer und jünger. Aber Vorsicht: Die Anwendung ist entscheidend.

Fruchtsäuren gehören zu den α-Hydroxysäuren, (alpha hydroxy­ acids), was ihnen die Abkürzung AHAs eingebracht hat. Wichtige Vertreter: Glykolsäure, Zitronen­säure, Apfelsäure und Milchsäure. Und was können sie? Fruchtsäuren lockern den Verbund zwischen den einzelnen Hornzellen auf, tote Hornschüppchen können so leichter abgetragen werden. Wie nach einem Peeling wirkt die Hautoberfläche dadurch gleichmäßiger und feiner, Fältchen erscheinen glatter. Aber es geht noch tiefer: Die nach oben verdünnte Epidermis sendet ein Signal und bringt in der Basaltschicht neue Zellen zutage. Das macht die Haut im Endeffekt vitaler und widerstandsfähiger. Einziges Manko: Durch das Fruchtsäure-Peeling verdünnt sich die Hornschicht – die Empfindlichkeit gegenüber UV-Strahlung nimmt zu, weshalb man sich unabhängig vom Wetter mit Sonnencreme schützen sollte.

Während Fruchtsäuren zunächst in Gesichtsreinigungspräparate wie Waschgele und Peelings ein­gearbeitet wurden, finden sie sich heute auch in zahlreichen Tonics, Masken und Cremes. Gerade im Anti-Aging Bereich gelten die AHAs als Wirkstoffbomben, denn sie sorgen für eine gesteigerte Kollagen­synthese, mildern Fältchen und lassen sogar Pigmentflecken erblassen. Darüber hinaus sind sie in der Pflege unreiner Haut und in der Therapie bestimmter Akneformen willkommen.

Über den AHA-Gehalt eines Produktes und die Einwirkzeit ist es möglich, Einfluss auf die Intensität der Wirkung zu nehmen. Bei aller Popularität gehören hoch konzentrierte Fruchtsäure-Zubereitungen nach wie vor nur in die Hände eines Dermatologen! (Zum Vergleich: Für Zuhause liegt die Konzentration bei rund 10 Prozent, Profis arbeiten mit bis zu 70-prozentigen Formulierungen.)

Außerdem gilt: Je saurer der pH-Wert, desto höher das irritierende Potenzial. Beruhigende, pflegende Zusätze sind daher wichtig. Auch die Kombination mehrerer, dafür niedrig konzentrierter Fruchtsäuren sorgt für eine bessere Verträglichkeit.

Weitere Vertreter

Neben Fettsäuren, Hyaluronsäure und Fruchtsäuren sind noch weitere Vertreter in Beauty-Produkten zu finden. In der Naturkosmetik sind zum Beispiel Benzoesäure, Salicylsäure, Sorbinsäure und Dehydracetsäure zugelassene Stoffe zur Konservierung. Auch die Kieselsäure taucht in Verbindung mit gesunder Haut und schönem Haar und Nägeln immer wieder auf – dort kommt sie von Natur aus vor. Mit zunehmendem Alter sinkt ihr Gehalt jedoch. Auch Aminosäuren liefern Vitalstoffe, die Haut, Haare und Nägel nähren. Als Nahrungsergänzung oder als Zusatz kosmetischer Produkte, können sowohl Kieselsäure als auch Aminosäuren den Zellen von innen und außen zugeführt werden.

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