Radikal: Oxidativer Stress

Wenn es um Anti-Aging geht, kommt man um bestimmte Begriffe nicht herum: Antioxidantien, freie Radikale und oxidativer Stress sind in aller Munde – aber kaum jemand kann im Detail erklären, was diese drei miteinander zu tun haben. Bis jetzt…
Radikal: Oxidativer Stress, Foto: PIXABAY

Um Licht ins Dunkel zu bringen, fangen wir am besten mit dem Thema Oxidation an. Dieser Begriff bezeichnet eine Reaktion mit Sauerstoff. Beobachten kann man eine einfache Oxidation beispielsweise, wenn man einen Apfel in zwei Hälften schneidet. Wird sein Inneres der Luft (und damit Sauerstoff) ausgesetzt, verfärbt er sich braun. Ein alter Hausfrauentrick ist das Beträufeln mit Zitronensaft: Damit lässt sich die Oxidation zwar nicht ganz unterbinden, aber deutlich verzögern. Doch was steckt dahinter?

Freie Radikale = schädlicher Sauerstoff?

Sauerstoff gilt grundsätzlich als etwas Positives. Wir brauchen ihn zum Atmen, und auch für unsere Haut und deren Zellen spielt O2 eine wichtige Rolle. Doch es gibt auch sogenannte reaktive Sauerstoffspezies (ROS), zu deren Vertretern die sogenannten freien Radikale gehören – und die stellen eine zum Teil tatsächlich schädliche Form von Sauerstoff dar. Im Organismus entstehen solche ROS in den Mitochondrien als Nebenprodukte der Zellatmung. Im Grunde handelt es sich dabei um sauerstoffhaltige Moleküle, die gefährlich instabil sind, weil ihnen ein Elektron fehlt. Und diese freien Radikale machen ihrem Namen alle Ehre: Sie entreißen das ihnen fehlende Elektron dem nächstbesten Molekül. Dem bestohlenen Molekül fehlt damit ebenso ein Elektron – es wird selbst zum freien Radikal. Auf diese Weise wird eine Kettenreaktion in Gang gesetzt, die schließlich zu oxidativem Stress führt. Aber dazu später mehr…

Bevor die reaktiven Sauerstoffspezies komplett verteufelt werden, muss man ihnen aber auch einiges zu Gute halten: Freie Radikale sind nämlich durchaus an positiven Prozessen, wie beispielsweise der Immunabwehr, beteiligt und führen in unserem Organismus wichtige Signal- und Botenstofffunktionen aus. Bei Infektionen mit mikrobiellen Erregern bilden unsere weißen Blutkörperchen große Mengen dieser Sauerstoffradikale und zerstören so effektiv Krankheitserreger. Das Problem hierbei: Durch die Radikal-Produktion der Immunzellen werden nicht nur Erreger eliminiert, es entstehen auch Entzündungen. Bei den meisten Infektionen sind es nämlich nicht die toxischen Eigenschaften eines Erregers, sondern vielmehr die Radikalbildung und die Entzündungsreaktion unseres eigenen Immunsystems, die das typische Krankheitsbild hervorrufen. Diese „Kollateralschäden“ zeugen wiederum vom Gefahrenpotential der ROS.

Antioxidantien – Retter in der Not

Um sich vor den Auswirkungen der freien Radikale zu schützen, stellt unser Organismus den ROS Antioxidantien gegenüber. Diese führen zum Abbruch der Kettenreaktion, indem sie ein Elektron abgeben, ohne dabei selbst ein freies Radikal zu bilden. In unserem Beispiel mit dem Apfel übernimmt das im Zitronensaft enthaltene Vitamin C diese Rolle und verzögert so das Verfärben. In unserem Körper und speziell auch in unserer Haut schützen Antioxidantien die Zellen vor Oxidation.

Oxidativer Stress – der Ursprung des Alterns

Das funktioniert so lange, wie die reaktionsfreudigen Sauerstoffverbindungen in einem normalen Maß bei körpereigenen Reaktionen, wie dem Atmen, entstehen. Stress und andere externe Faktoren, wie UV-Strahlung und andere Umweltweinflüsse oder das Rauchen, können aber dazu führen, dass zusätzliche freie Radikale gebildet werden. Sind schließlich zu viele im Umlauf, stimmt das Gleichgewicht nicht mehr. Die ROS reagieren willkürlich mit unseren gesunden Körperzellen und zerstören diese in einer oxidativen Reaktion. Hierbei spricht man von oxidativem Stress.

Er verändert die Zellmembranen, Proteine, Enzyme und kann sogar unser Erbgut schädigen. Vor allem aber ist oxidativer Stress maßgeblich am Alterungsprozess des Körpers beteiligt, da er die „Reparaturfunktion“ der Zellen beeinträchtigt. So kann er beispielsweise zur vorzeitigen Bildung von grauen Haaren und zur Hautalterung beitragen. Menschen, die an oxidativem Stress leiden, haben auch häufig Beschwerden wie Erschöpfung oder Erinnerungslücken und leiden häufiger an Erkrankungen. Man vermutet sogar, dass oxidativer Stress an der Entstehung von Krebs, Schwächen des Immunsystems und auch rheumatischen und neurodegenerativen Krankheitsbildern beteiligt ist.

Hilfe von außen

Antioxidantien sind DAS Gegenmittel, wenn es um freie Radikale geht. Viele der essenziell notwendigen Stoffe kann der menschliche Organismus jedoch nicht bedarfsdeckend erzeugen. Also müssen sie über die Ernährung oder unsere Beauty-Routine zugeführt werden. Für Hautpflegeprodukte kommen verschiedene Stoffe infrage, die als Antioxidantien eingesetzt werden. Dazu gehören die Vitamine C und E oder Mineralien wie Eisen und Magnesium, das Coenzym Q10 sowie zahllose pflanzliche Wirkstoffe.

Forever young?

Trotz dieser Fülle an vielversprechenden Zutaten sollten wir uns keinen Illusionen hingeben: Antioxidantien sind kein Jungbrunnen, der uns im Nullkommanichts um Jahre jünger aussehen lässt. Die Hautalterung kann man – wie das Verfärben eines Apfels – zwar verzögern, aber niemals ganz aufhalten. Hinzu kommt, dass Sauerstoffradikale sehr rasch und direkt reagieren. Einmal gebildet, lassen sich Radikal-bedingte Zellschädigungen durch Antioxidantien nur wenig effizient blockieren. Und: Genau wie die ROS in ihrer Rolle als Immunabwehrbrigade sind auch Antioxidantien nicht perfekt… Laut Untersuchungen können sie zwischen den unterschiedlichen Arten ihrer „Gegner“ nicht unterscheiden und reagieren deshalb sowohl mit schädlichen als auch mit schützenden Radikalen. Ein Überschuss an Antioxidantien wäre aus diesem Blickwinkel betrachtet also auch nicht das Nonplusultra. „Viel hilft viel“ gilt damit weder in Sachen Ernährung noch für die Schönheitspflege.

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