Rote Karte für Mikroplastik: Verbot in Schweden

Umstritten sind die winzigen Partikel schon längst: Feine Kunststoffteilchen, die mit unserer Kosmetik in den Abfluss und so ins Trinkwasser gelangen, hat Schwedens Regierung nun zum Anlass für ein Verbot genommen.
Fakten: Rote Karte für Mikroplastik: Verbot in Schweden

Unscheinbar und doch allgegenwärtig: Reinigungskörnchen aus Kunststoff werden vor allem in konventionellen Duschgels, Peelings und Zahncremes eingesetzt. Ihre geringen Abmessungen liefern gleichzeitig das größte Problem: Klärwerke sind bis heute nicht in der Lage, sie vollständig aus dem Abwasser herauszufiltern. Höchste Zeit, hier einen Riegel vorzuschieben.

Schweden stoppt den Verkauf

Die Vorreiterrolle haben unsere skandinavischen Nachbarn übernommen: Schweden setzt das Verkaufsverbot für Kosmetik mit Kunststoffteilchen zum 1. Juli 2018 um, mit einer halbjährigen Übergangsfrist. Im Handel dürfen bis zu diesem Zeitpunkt erworbene Waren noch bis zum 1. Januar 2019 weiter vertrieben werden – dann ist Schluss. Für Umweltministerin Karolina Skog ist dies ein notwendiger Schritt, um Mikroplastik im Wasser zu verringern.

Wasserbelastung: Der Anfang vom Ende

Fakt ist: Unsere Gewässer sind nicht die Endstation für die enthaltenen Kleinteile. Von dort gelangen sie in die Nahrungskette und wurden bereits in Fisch und Seevögeln, aber auch Honig, Milch und Leitungswasser nachgewiesen. Die jüngste deutsche Studie zum Thema Mikroplastik stammt vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Münsterland-Emscher-Lippe. Hierfür wurden 38 Mineralwässer genauer unter die Lupe genommen, davon 22 aus Mehrweg- und Einwegflaschen aus PET, drei Getränkekartons und neun Glasflaschen. In ALLEN getesteten Mineralwässern wurde „kleines“ (50-500 µm) und „sehr kleines“ (1-50 µm) Mikroplastik gefunden.

Die einzige Möglichkeit, die Anreicherung der Partikel künftig einzudämmen, sind gezielte Verbote. Schwedens Verkaufsstopp ist nur ein kleiner Schritt, wenn man bedenkt, dass auch Plastikverpackungen oder Textilien wie Fleece Mikroplastik emittieren können. Dennoch dämmt diese erste Maßnahme die Problematik ein Stück weit ein und bildet einen wichtigen Auftakt, dem sich hoffentlich viele Länder mit weiteren Maßnahmen anschließen werden.

Pro Natur, contra Plastik

Auf die Reinigungswirkung feiner Partikel verzichten, müssen die Schweden übrigens dennoch nicht. Das Verbot betrifft ausschließlich konventionelle Produkte, Naturkosmetik bleibt davon unberührt – denn sie verzichtet von Haus aus auf die Kunststoffteilchen und enthält längst umweltfreundliche Alternativen.

Hierzulande heißt es weiterhin Augen offen halten, denn mit Ausnahme von Bio-Beauty bleibt Kosmetik mit Kunststoff auch weiterhin im Handel. Woran man Mikroplastik in der INCI-Liste erkennt und noch mehr Wissenswertes zum Thema lest Ihr hier.

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