ISO Norm 16128 – ein Schritt zurück?

Eigentlich ein guter Ansatz: Klare Regeln für Natur- und Biokosmetik, die Green Washing verhindern sollen. In ihrer Strenge jedoch bleibt die neue ISO 16128-Richtlinie hinter den bekannten Standards ebenso zurück, wie hinter den Ansprüchen vieler Verbraucher.
Fakten: ISO Norm 16128 - ein Schritt zurück? Bild: pixabay Bearbeitung: naturalbeauty.de

Die internationale Organisation für Normung (ISO) veröffentlichte im September 2017 den zweiten Teil seiner Richtlinie ISO 16128. Ihr Inhalt: technische Definitionen sowie Kriterien für natürliche und biologische Kosmetikrohstoffe und Produkte. Hersteller können diese Richtlinie nun frei nutzen – verpflichtend ist sie jedoch nicht. Und sie birgt Risiken. Denn vom setzen neuer Maßstäbe ist ISO 16128 weit entfernt.

Ein großes Manko ist die fehlende Transparenz: Die ISO-Richtlinien sind nur durch Bezahlung zugänglich. Und selbst dann haben Verbraucher keine Einblicke, wie diese in der Praxis angewendet wurden.

Das regelt die Norm:

Sie enthält Definitionen von Begriffen wie „natürliche Bestandteile“, „Bestandteile mineralischen Ursprungs“ und „nicht natürliche Bestandteile“ etc. Zum anderen gibt ISO 16128 Berechnungsregeln zur Kalkulation des Natur- und Bioanteils in Bestandteilen und Erzeugnissen vor. Diese können auf freiwilliger Basis durch eine Zertifizierung authentifiziert werden. So weit, so gut. Aber was nützen Definitionen und Anteile, wenn bei kosmetischen Rezepturen ansonsten völlige Freiheit herrscht? Eine Zertifizierung heißt in diesem Zusammenhang nicht, dass sich das Produkt als echte Natur- oder Biokosmetik qualifiziert.

Das regelt ISO 16128 nicht:

Die Norm enthält keinerlei Kriterien zu den Voraussetzungen, unter denen Produkte als „Naturkosmetik“ oder „Biokosmetik“ bezeichnet oder beworben werden dürfen. Auch sind keine Vorgaben gemacht, die bestimmte Stoffe und Prozesse für die Verwendung in Natur- und Biokosmetik ausschließen – petrochemische Stoffe sind demnach erlaubt! Allein dieser Punkt ist mit den Wertvorstellungen der Branche grundsätzlich unvereinbar. Ergänzend dazu findet der Einsatz tierischer Rohstoffe (Bestandteile toter Wirbeltiere) keinerlei Erwähnung. Ebenso fehlen wichtige Aspekte des Tierschutzes (Haltungsbedingungen bei der Gewinnung tierischer Erzeugnisse, wie Milch und Eiern, Verbot von Tierversuchen unabhängig von Ort und Zweck). Alles in allem nicht gerade befriedigend. Im Gegenteil.

Täuschend echt?

Green Washing wird mit dieser Norm nicht vorgebeugt – eher wird es vereinfacht. Es ist die Gefahr der Verbrauchertäuschung gegeben, wenn in der Kosmetikwerbung ohne nähere Erläuterung von der ISO Guideline 16128 Gebrauch gemacht werden würde. Ein Produkt mit der Bezeichnung „Naturkosmetik gemäß ISO 16128“ wäre schlichte Irreführung, denn wie erwähnt, enthält die Guideline keinerlei Regelungen dazu. Daraus ergibt sich auch, dass ISO 16128 keine Grundlage für eine „Zertifizierung“ darstellen kann.

Schwächer als bewährte Standards – und nicht maßgebend

Darüber hinaus bildet ISO 16128 keine Gesetzesgrundlage und hat somit keine Auswirkungen auf die Rechtslage in Deutschland und der EU oder die Kriterien von Naturkosmetikstandards. Überhaupt enthalten die etablierten Standards eine Vielzahl weiterer Regelungen, wie Verbote von Stoffen mit gentechnisch veränderten Organismen, von Bestrahlung, teilweise von Nanomaterialien sowie Vorgaben zu umweltfreundlichen Verpackungen. Damit werden weder die COSMOS-Mitglieder wie der BDIH, noch NATRUE durch die ISO 16128 tangiert. Für die Verbände besteht keinerlei Veranlassung, die bestehenden, deutlich höheren Anforderungen mit Blick auf die Guideline zu reduzieren. Und Verbraucher sollten beim Kauf von Naturkosmetik künftig noch genauer hinsehen.

So erkennt Ihr echte Naturkosmetik:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.