Buntes Geheimnis: Flavonoide

In der Pflanzenwelt sorgen sie für farbenfrohe Blüten und wirken als Schutzmechanismen: Flavonoide. Doch auch der Mensch soll von ihnen profitieren können. Wir erklären, was genau sich hinter den sekundären Pflanzenstoffen verbirgt und welches Potential sie für Gesundheit und Beauty haben.
Fakten: Buntes Geheimnis: Flavonoide Bild: pixabay
Was sind Flavonoide?

Zu den Flavonoiden gehört ein Großteil der Blütenfarbstoffe. Darüber hinaus sind sie universell in vielen Pflanzen vorhanden – und somit auch in der menschlichen Nahrung. Während sie für uns vor allem wegen ihrer antioxidativen Eigenschaften interessant sind, erfüllen sie in der Botanik auch andere Aufgaben: Eine Pflanze hat wenige Möglichkeiten, Feinde abzuschrecken und Verbündete, wie zum Beispiel Bienen, anzulocken. Flavonoide wirken hier als vielseitige Helfer. Fressfeinde werden zum Beispiel abgewiesen, während Insekten, die zur Bestäubung nötig sind, angelockt werden.

Ihre Bezeichnung hat einen historischen Hintergrund: Pflanzen wie die Färber-Eiche wurden früher zum Gelbfärben verwendet. Man nannte ihre Farbstoffe Flavone, nach dem lateinischen Wort flavus für gelb. Als man andere Inhaltsstoffe entdeckte, die zwar gleichartig aufgebaut, aber von anderer Farbe oder farblos waren, nannte man die Stoffgruppe Flavonoide. Heute kennt man über 8000 verschiedene Flavonoid-Variationen, die alle zur Stoffgruppe der Polyphenole gehören. Dabei handelt es sich um sekundäre Pflanzenstoffe, die nicht zum Überleben der Pflanze benötigt werden. Jede einzelne Flavonoid-Form hat unterschiedliche physikalische und chemische Eigenschaften. Auch in ihrer Wirkung unterscheiden Flavonoide sich. Dennoch teilen sie sich einige positive Merkmale, welche sich die Naturheilkunde zu Nutze macht.

Wo findet man Flavonoide?

Sie sind beinahe überall im Pflanzenreich. In bestimmten Gewächsen und Pflanzenteilen sind Flavonoide jedoch besonders hoch konzentriert. Dazu gehören Sojabohnen, Rotklee, Birkenblätter, Kamillenblüten, Bitterorangenschalen und Ringelblumenblüten. Auch über unsere Nahrung nehmen wir sie häufig auf: Beeren, Kirschen, Äpfel, Grünkohl, Kakao, Auberginen, Zwiebeln, aber auch Tee und viele weitere Nahrungsmittel enthalten viele Flavonoide. Häufig gilt: Je farbintensiver, desto mehr der sekundären Pflanzenstoffe sind enthalten. Eine Ausnahme bilden beispielsweise Zitrusfrüchte. Bei ihnen konzentrieren sich die Flavonoide nicht wie sonst üblich in der Schale, sondern direkt darunter, in der pelzigen, weißen Schicht. Meistens schneiden wir diese genau deshalb ab, weil die darin enthaltenen Flavonoide zu einem sehr bitteren Geschmack führen – er soll vor Fressfeinden schützen.

Was bewirken Flavonoide beim Menschen?

Die Liste ihrer wertvollen Wirkungen ist lang. Flavonoide gelten als entzündungshemmend, durchblutungsfördernd, entkrampfend, antioxidativ, antibakteriell und vieles mehr. In der Naturheilkunde werden sie vor allem bei Herzbeschwerden, Durchblutungsstörungen und Allergien eingesetzt. Auch als Adaptogene sind Flavonoide seit langem bekannt und geschätzt. Obwohl viele der positiven Eigenschaften noch auf wissenschaftlich fundierte Belege warten, werden große Hoffnungen in die Stoffgruppe gelegt: Quercetin ist zum Beispiel ein Flavonoid, das in diversen Kräutern, wie der Ringelblume und Eberraute, gefunden werden kann. In diesem und möglicherweise auch weiteren Flavonoiden, wie etwa Luteolin, vermutet man krebsvorbeugende oder gar -heilende Eigenschaften. Isoflavone, auch als Isoflavonoide bezeichnet, zählen zu den Phytoöstrogenen und sollen in hoher Dosis eine schwache hormonelle Wirkung besitzen. Besonders in den Wechseljahren werden sie als wirksames Mittel gegen Hitzewallungen empfohlen – in dieser Funktion sind sie jedoch umstritten.

Flavonoide und Beauty

Momentan ist das primäre Spielfeld der Flavonoide ganz klar der Lebensmittelbereich sowie die Nahrungsergänzungen. Aber auch in Sachen Schönheit bieten sie einiges an Potential: Als Antioxidantien sind sie zum Beispiel für die Anti-Aging-Pflege interessant: Antioxidantien sind bewährte Radikalfänger. Im gewissen Umfang kann unser Körper Freie Radikale selbst unschädlich machen. Entstehen sie im Übermaß oder reagieren durch UV-Strahlung oder Stress mit Schadstoffen, können die aggressiven Sauerstoffverbindungen die (Haut)zellen schädigen. Hier schützen Flavonoide wirksam und begrenzen die oxidativen Schäden. Sie interagieren mit anderen Antioxidantien wie Tocopherol (Vitamin E) oder Ascorbinsäure (Vitamin C). Flavonoide stärken auch die Blutgefäße und verbessern die Durchblutung. Ein rosiger Teint ist also garantiert… Sie erhöhen die Widerstandskraft der Kapillargefäße und besitzen die Eigenschaft, die Festigkeit von Kollagen zu verstärken und den Kollagenaufbau zu unterstützen. Auch ihre entzündungshemmenden, regenerierenden Eigenschaften machen sie prädestiniert für die Hautpflege.

Fazit

Noch verzweifelt die Wissenschaft an der gewaltigen Menge unterschiedlicher Flavonoide: Nur sehr wenige konnten bisher gut erforscht werden. Antiallergene, antivirale und entzündungshemmende Eigenschaften gelten als belegt. Viele der gesundheitsfördernden Eigenschaften, die man Flavonoiden zuschreibt, werden allerdings noch nicht wissenschaftlich gestützt. Die Forschung steht noch ganz am Anfang. Auch darüber, wie genau Flavonoide ihre Wirkung entfalten, ist wenig bekannt. Wir dürfen also gespannt sein, welche Details sich noch unter der bunten Oberfläche so manchen Blütenblattes verbirgt…

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