Auf die Palme gebracht: Ist Palmöl krebserregend?

Dass Palmöl umstritten ist und zur Zerstörung der Regenwälder beiträgt, wissen wir. Aber gentoxisch und krebserregend? Wir haben eine Studie aus dem Lebensmittelbereich unter die Lupe genommen und uns die wichtige Frage gestellt: Betreffen diese Risiken auch palmölhaltige Kosmetik?
Auf die Palme gebracht, Palmöl krebserregend, Foto: PIXABAY

Fast ein Jahr ist es her, dass die Europäische Lebensmittelbehörde Efsa vor Produkten warnte, die raffiniertes Palmöl enthalten. Gentoxisch und krebserregend seien die Stoffe, die in Nutella & Co. enthalten sind. Besonders der Industrieriese Ferrero geriet dabei in die Kritik.

Ist Palmöl gefährlich?

Bleiben wir zunächst am Boden: Unbehandeltes, naturreines Palmöl an sich ist gesundheitlich nicht bedenklich. Hier kommen lediglich die Umweltaspekte zu tragen. Bei der raffinierten Form hingegen geht man hohe Risiken ein: Wird Palmöl (oder ein anderes Pflanzenöl) auf etwa 200 Grad erhitzt, entstehen Glycidyl-Fettsäureester (GE) sowie 3- und 2-Monochlorpropandiol (3- und 2-MCPD) und deren Fettsäureester – und das in hohen Konzentrationen. Insbesondere für Kinder und Naschkatzen, die größere Mengen verarbeiteter Produkte – wie eben Nutella – zu sich nehmen, ist das besorgniserregend.

Eine Frage der Verarbeitung

Ferrero als Hersteller gibt bis heute an, dass im Hinblick auf Palmöl ausschließlich mit kontrollierten (niedrigen) Temperaturen gearbeitet wird. Somit sei Nutella nicht gesundheitsbedenklich. Werden diese Regeln tatsächlich eingehalten, besteht im Hinblick auf Palmöl wohl tatsächlich kein karzinogenes Potential oder gesundheitliches Risiko (die zuckerhaltige Rezeptur bleibt an dieser Stelle einmal außer Acht). Fakt ist: Der Gehalt an GE, 2-MCPD und 3-MCPD in Lebensmitteln richtet sich nach deren Verarbeitung. Und es gibt hinsichtlich hoher Temperaturen ein generelles Problem bei pflanzlichen Ölen.

Risiko Haut?

Wir haben uns angesichts dieser Thematik mit dem Forum Nachhaltiges Palmöl (FONAP) in Verbindung gesetzt, wo man uns wiederum an OVID verwiesen hat. Der Verband der Ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland mit Sitz in Berlin ist Mitglied im FONAP und hat sich mit dieser Thematik eingehend auseinander gesetzt. Auch hier sagte man uns, dass ein Krebsrisiko nur dann entstehe, wenn das Palmöl bei der Verarbeitung zu heiß gemacht wurde UND man es als Nahrung konsumiert. Eine Gefahr bei der Nutzung palmölhaltiger Kosmetik bestehe nicht.

Unser Fazit: Auch wenn das Risikopotential von raffiniertem Palmöl augenscheinlich nur die Nahrungsaufnahme betrifft, ist dennoch auch in Sachen Pflege Vorsicht geboten – schließlich ist unser größtes Organ sehr aufnahmefähig für vieles, was man ihm von außen zuführt… Darüber hinaus sind raffinierte Öle alles andere als ein Mehrwert für die Haut: Im Gegensatz zu schonend kaltgepressten Ölen sind Vitamine und andere wertvolle Inhaltsstoffe kaum mehr darin enthalten. Und eine Zutat ohne Wirkung widerspricht dem ganzheitlichen Ansatz von Naturkosmetik.

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Warum schadet Palmöl eigentlich dem Regenwald? Warum wird es nicht einfach durch ein anderes Pflanzenöl ersetzt? Und ist Palmöl in Bioqualität wirklich besser? Diese und weitere Fakten rund um Palmöl findet Ihr hier.

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