Adaptogene

Sie steigern unsere Energie, wirken positiv bei Stress und Erschöpfung: Adaptogene haben eine wohltuend ausgleichende Wirkung. Und die Naturstoffe arbeiten nur dann, wenn sie benötigt werden.
Fakten: Adaptogene Bild: pexels

Stress ist nicht grundsätzlich negativ. Unser massives Problem damit liegt tief in unserer Historie verankert: Jener Urinstinkt, der den Menschen schon in der Steinzeit zum Kampf oder zur Flucht mobilisiert hat, war einst überlebenswichtig. Im modernen Alltag müssen wir selten befürchten, von Raubtieren angegriffen zu werden. Stattdessen sorgen Zeitdruck, Umweltreize und Co. für Dauerstress, von dem wir selten abschalten können. Die körperliche Reaktion ist die Gleiche geblieben: Die Hormone Noradrenalin, Adrenalin und Cortisol werden ausgeschüttet, Herzfrequenz, Puls und Atmung erhöhen sich. Hinzu kommt, dass wir große Mengen an Energie verbrauchen, um uns in erhöhter Bereitschaft zu halten. Wird Stress chronisch, ist dieser Ausnahmezustand Normalität – der Körper ist geschwächt. Und werden regelmäßig Stresshormone ausgeschüttet, führt dies langfristig zu einem verschlechterten Wohlbefinden.

Wachsendes Interesse

Der Begriff Adaptogene wurde erstmals 1947 von Nicolai V. Lazarev verwendet. In seinen Forschungen konnte er erstmals bestätigen, dass es Wirkstoffe gibt, die die körpereigene unspezifische Abwehr steigern. In den 1960er Jahren untersuchte Israel I. Brekhman Pflanzen akribisch auf adaptogene Eigenschaften. Aufgrund seiner ausführlich dokumentierten Forschungen und Studien gilt er als „Vater der Adaptogene“. Danacht stieg das Interesse enorm und hält bis heute an. Zu Beginn des Jahres 2017 gab es im Fach-Netzwerk PubMed 336 veröffentlichte klinische und vergleichende Studien rund um Adaptogene („adaptogenic“) – eine Zahl, die deutlich widerspiegelt, welche Rolle Stressfaktoren im modernen Alltag einnehmen.

Besser anpassen: Die Wirkung der Adaptogene

Hinter dem Begriff verbergen sich biologisch aktive Pflanzenstoffe wie Flavonoide, Polyphenole, Terpene und Polysaccharide. Diese können dem Organismus helfen, sich körperlichen und emotionalen Stresssituationen anzupassen (engl. to adapt, sich anpassen). Ihr Einsatzgebiet ist vielseitig: Sie können unsere Belastbarkeit, die Aufmerksamkeitsspanne sowie die geistige Leistungsfähigkeit verbessern – insbesondere bei stressbedingter Müdigkeit und Erschöpfung.

Beschützer mit Feingefühl

Wer jetzt an Wachmacher wie Kaffee und Energy Drinks denkt, liegt daneben: Im Gegensatz zu Stimulanzien versorgen Adaptogene mit neuer Energie, ohne ein Abhängigkeitspotential zu besitzen. Während Koffein, Nikotin und Amphetamine außerdem körperliche Nebenwirkungen wie Herzrasen, Schweißausbrüche und Schlaflosigkeit bewirken können, verursachen Adaptogene selbst bei längerer Anwendung keine derartigen Begleiterscheinungen. Im Gegenteil: Sie arbeiten auf Basis eines Schutz-Effektes und unterbinden die Stressantwort unseres Körpers. Noch erstaunlicher ist das regelrechte Feingefühl, dass diese Stoffgruppe ausmacht: Ein Adaptogen zeigt bei normalen oder minimal veränderten Körperfunktionen keine Wirkung. Erst bei entsprechender Herausforderung, wie beispielsweise einer Stresssituation, kommt es zu einer Reaktion.

Sanfte Pflanzenkräfte

Ginseng ist das wohl bekannteste Adaptogen. Er fördert Stressresistenz und soll die mentale Leistungsfähigkeit verbessern. Seine Wurzel findet seit über 5000 Jahren Anwendung in der asiatischen Medizin und besitzt neben seiner stressabbauenden Wirkung eine lange Liste von nachgewiesenen gesundheitlichen Vorteilen. Er wirkt als Adaptogen positiv auf die Wohlfühlhormone Dopamin und Serotonin und wird häufig verwendet, um die Stimmung, die Leistungsfähigkeit und einen erholsamen Schlaf zu fördern.

Auch der Rosenwurz gehört zu den beliebten adaptogenen Kräutern. Er wird ebenfalls schon seit Jahrtausenden in der TCM (Traditionellen Chinesischen Medizin) verwendet. Er soll das innere Gleichgewicht verbessern und so Müdigkeit und Erschöpfung, die durch Stress entstehen, verringern. Rosenwurz kann darüber hinaus nachweislich die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol verringern.

Weitere Adaptogene sind unter anderem Lavendel, Gingko, Taigawurzel, Lakritze, Süßholz, Reishi, Schisandra, Tulsi und Cannabis.

Auch im Interview mit Sebastian Pole, Mitgründer und Chef-Tee-Entwickler bei Pukka, haben wir unter anderem über die positive Wirkung von Adaptogenen gesprochen.

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