Du kommst hier nicht rein: Triethanolamin

Triethanolamin? Nie gehört, denkt man im ersten Moment. Doch genau dieser chemische Inhaltsstoff ist schuld daran, dass Wimperntusche in den letzten Wochen so ins Kreuzfeuer der Kritik geraten ist. Er bildet nämlich krebserregende Nitrosamine. Wir haben den Schurken auch in anderen konventionellen Kosmetika dingfest gemacht und verraten, wie Sie ihn ganz leicht austricksen können.
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Wie findet man Triethanolamin in der INCI-Liste?
Leider ist es nur selten auf den ersten Blick möglich, diesen kosmetischen Hilfsstoff in der Zutatenliste zu entdecken. Er heißt nämlich nicht nur "Triethanolamine", sondern versteckt sich auch hinter zahlreichen anderen komplizierten Bezeichnungen wie z. B. Nitrilo-2,2N,2NN-Triethanol, 2,2N,2NN-Nitrilotriethanol, 2,2N,2NN-Nitrilotrisethanol, TEA, Triaethanolamin-NG, 2-Aminoethanol, Tricolamin, Tromethanin und Trolamin. Da heißt es also: Genau hinsehen!

Was ist Triethanolamin eigentlich?
Triethanolamin ist eine farblose, chemische Verbindung mit einem charakteristischen Geruch, der an Fisch erinnert. Wie ein Magnet zieht dieser Stoff Feuchtigkeit und Kohlendioxid aus der Umgebung an. Kommt Triethanolamin mit Licht oder Luft in Kontakt, verfärbt sich die Substanz dunkelbraun.

Was bewirkt Triethanolamin und wo wird es eingesetzt?
Wegen seiner wasserbindenden Wirkung wurde Triethanolamin früher oft von Apothekern verwendet, die damit ihre selbst angerührten Salben andickten. Auch zur Seifenherstellung kann man die Chemikalie benutzen, da sie basisch ist und mit Fettsäuren reagiert. Daher steckt Triethanolamin auch manchmal in konventionellen Cremes und Seifen, wird jedoch seit ein paar Jahren immer seltener verwendet. Für Mascara halten die Hersteller allerdings relativ starr an diesem Inhaltsstoff als Bindemittel fest, denn er hat den Vorteil, federleicht zu sein – was bei so feinen Härchen wie den Wimpern natürlich wichtig ist. Hinzu kommt, dass sich Triethanolamin bei Sauerstoffkontakt braun färbt, was die dunkle Tönung der Tusche unterstützt. Aber nicht nur in Kosmetik wird diese Substanz verwendet. Sie ist auch als Weichmacher für Lederwaren und zur Produktion von Zement im Einsatz. Im Ersten Weltkrieg diente Triethanolamin zudem als Ausgangsstoff für die Herstellung von Chemiewaffen.

Warum ist Triethanolamin problematisch?
Gefährlich ist weniger das Triethanolamin selbst, als das, was daraus entstehen kann. Während der Verarbeitung und durch die Kombination mit synthetischen Konservierungsstoffen können sich in den Kosmetikprodukten nämlich Nitrosamine bilden. Das sind Stoffe, die im Verdacht stehen, Leber, Nieren und Erbgut zu schädigen – und zu den krebserregendsten Stoffen überhaupt zählen. Sie kommen auch als Schadstoff in Zigarettenrauch vor und sind schuld daran, dass angebrannter Toast und schwarz gewordene Grillwürste als so ungesund gelten. Reporter des NDR Fernsehens haben jetzt für viel Aufregung gesorgt, weil sie im Rahmen ihrer Recherchen für  Dokumentation "Die Tricks der Kosmetikindustrie" in einigen konventionellen Mascaras erhebliche Mengen Nitrosamine gefunden haben, die sich aus dem darin enthaltenen Triethanolamin gebildet haben. Und zwar weit über dem gesetzlich erlaubten Grenzwert! Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat darauf hingewiesen, dass die betroffenen Produkte nicht mehr verkauft werden dürften.

Unser Fazit
Wer sicher gehen will, dass seine Kosmetik nicht durch Nitrosamine belastet ist, sollte Seifen, Cremes und Wimperntuschen mit Triethanolamin gezielt meiden. In Bio-Beauty steckt diese chemische Substanz garantiert nicht drin – genauso wenig wie seine Komplizen, die synthetischen Konservierungsstoffe.

Weitere spannende Folgen unserer Serie "Du kommst hier nicht rein": z. B. Ammoniak, Aluminium, Paraffin und Triclosan

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