Du kommst hier nicht rein: Polyquaternium

Flecken in der Wäsche durch Shampoos und Duschgels? Klingt paradox, ist bei Polyquaternium aber an der Tagesordnung. Auch sonst spielt dieser Problemstoff nicht mit offenen Karten: Obwohl er als Ersatz für Silikon gepriesen wird, verkleistert er Haut und Haare und hat obendrein krebserregendes Acrylamid im Gepäck. In Naturkosmetik ist er tabu.
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Wie findet man Polyquaternium in der INCI-Liste?
Das ist in diesem Fall zum Glück ganz leicht. Die Verbindungen dieses Stoffs beginnen alle mit dem Begriff Polyquaternium und enden mit einer Zahl. Derzeit gibt es über vierzig Stück davon. Am häufigsten eingesetzt wird Polyquaternium-7, aber auch Polyquaternium-10, Polyquaternium-11, Polyquaternium-28, Polyquaternium-35, Polyquaternium-16 und Polyquaternium-36 sind bei Kosmetikherstellern beliebt.

Was ist Polyquaternium eigentlich?
Bei Polyquaternium handelt es sich um einen chemischen Kunststoff, der sich aus polymeren Molekülen zusammensetzt. Das bedeutet, dass die Teilchen lange Ketten bilden und sich miteinander vernetzen. Die Zahl im INCI-Namen zeigt an, wie verzweigt oder engmaschig die Verbindung aufgebaut ist.

Was bewirkt Polyquaternium und wo wird es eingesetzt?
Bedingt durch seine netzartige Struktur bildet Polyquaternium einen Film, der sich schützend über Haut, Haare und Fingernägel legt. Das sorgt für ein angenehm glattes Hautgefühl und bessere Kämmbarkeit. Für konventionelle Kosmetikhersteller ist die Substanz daher ein Geschenk des Himmels, denn seitdem immer mehr Menschen Wert darauf legen, Produkte ohne Silikon zu verwenden, braucht die Industrie dringend Alternativen. Dafür ist Polyquaternium, das vor allem in Duschgels, Shampoos und Conditionern steckt, schlichtweg ideal. Auch in Gesichtscremes, Bodylotions und Nagelpflege kommt der Kunststoff manchmal zum Einsatz.

Warum ist Polyquaternium problematisch?
Ein Inhaltsstoff, der die Haut glatt macht und unsere Haare vor dem Verknoten schützt? Klingt gut. Ist es aber leider nicht. Da die Moleküle des Polyquaterniums positiv geladen sind, lagern sie sich beim Waschen und Pflegen am Haar an. Das ist nämlich negativ geladen. Genau diese Reaktion wird jedoch zum Bumerang, weil die Substanz durch den Magnet-Trick für lange Zeit auf den Haaren haften bleibt. Das Risiko, dass unsere Frisur mit jeder Wäsche durch neue Schichten Polyquaternium beschwert wird und es zu einem Build-up-Effekt kommt, ist dadurch noch größer als bei Silikon. Auch unserer Haut tut der plastikartige Film alles andere als gut, denn darunter staut sich der Schweiß. Folge: Die Hornschicht quillt auf und trocknet aus. Hinzu kommt, dass Polyquaternium häufig mit Acrylamid belastet ist, einer krebserregenden Substanz, die auch beim Rösten von Brot oder bei der Herstellung von Chips und Pommes entstehen kann. Doch das ist noch längst nicht alles: Wenn Shampoo- oder Duschgel-Reste im Handtuch zurückbleiben und man es anschließend in die Waschmaschine steckt, wird durch den Kontakt mit der Lauge erneut eine Art Magnet-Reaktion in Gang gesetzt: Wie ein Schwamm saugt die Chemikalie Schmutz und Farbteilchen an, die zu dunklen, harten Kunststoffflecken verschmelzen. Auch nach mehrmaliger Reinigung sind sie nicht mehr aus dem Frottee zu entfernen. Obendrein ist Polyquaternium nicht biologisch abbaubar.

Unser Fazit
Wer keine Lust hat, Haut und Haare mit einem Kunststoffmantel zu überziehen und sich auch die Wäsche nicht ruinieren will, sollte Naturkosmetik benutzen. Darin stecken nur natürliche, umweltverträgliche Zutaten, die echte Pflege liefern – und keine Gifte. Dass die Verwendung von Polyquaternium gesetzlich geregelt wird, scheint trotz des nachgewiesenen Gehalts an krebserregendem Acrylamid eher unwahrscheinlich. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat in einer Stellungnahme zwar bereits im März 2003 empfohlen, bei der nächsten Änderung der Kosmetik-Richtlinie sicherheitshalber Grenzwerte festzusetzen. Passiert ist das allerdings bis heute nicht. Konventionelle Kosmetikhersteller werden also am Einsatz von Polyquaternium festhalten, da sie dann guten Gewissens „ohne Silikon“ auf ihre Shampoos, Spülungen und Cremes schreiben können. Ein prima Werbeschachzug, der nebenbei auch noch unschlagbar günstig ist: Ein Kilogramm Polyquaternium kostet gerade mal 70 Cent.

Weitere spannende Folgen unserer Serie "Du kommst hier nicht rein": z. B. Climbazol, Phenol, Triclosan, synthetischer Moschus, Formaldehyd, Triethanolamin, Ammoniak, Aluminium, Azofarbstoffe, Hexan, Paraffin, Parabene, Phthalate, Sodium Laureth Sulfate und Silikon.

Ein Gedanke zu „Du kommst hier nicht rein: Polyquaternium“

  1. Acrylamid ist nur bei der Nahrungsaufnahme bedenklich.
    Insofern man das Shampoo nicht trinkt, sollte es also in der Hinsicht keine Probleme geben.

    In einem Naturkosmetik Produkt hat es es aber natürlich trotzdem nichts zu suchen.

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