Du kommst hier nicht rein: PHMB

Konservierungsmittel sind allgemein umstritten, oftmals jedoch nicht umgänglich. Was eigentlich die Haltbarkeit unserer Kosmetika verlängern soll, hat nicht selten verheerende Nebenwirkungen. So wie das Antiseptikum Polyhexanid (PHMB), das inzwischen als Gefahrenstoff eingestuft wurde. Seinen Weg in Fläschchen, Tiegel und sogar Babyprodukte findet es aber leider noch immer.
Du kommst hier nicht rein: PHMB, Foto: PIXABAY
Wie findet man PHMB in der INCI-Liste?

Polyhexanid (PHMB) verbirgt sich auch hinter den Bezeichnungen Polihexanid, Polyaminopropyl Biguanide, Poly(iminocarbonylimidoyl- iminocarbonylimidoylimino-1,6-hexandiyl)-hydrochlorid, Polyhexamethylenbiguanid

Was ist PHMB eigentlich?

PHMB ist eine farblose, geruchlose Lösung. Chemisch setzt sie sich aus Kohlenstoff-, Wasserstoff- und Stickstoffmolekülen mit der Summenformel C8H17N5 zusammen.

Was bewirkt PHMB und wo wird es eingesetzt?

PHMB ist in erster Linie ein Antiseptikum zur Wundbehandlung. Vor allem in der Unfallchirurgie gilt es als das am häufigsten eingesetzte Präparat. Insbesondere Wunden, die schlecht heilen (zum Beispiel Verbrennungen) oder infiziert sind, werden mit PHMB behandelt.

Die Lösung findet außerdem Einsatz in Flächendesinfektionsreinigern und Kontaktlinsen-Reinigungsprodukten. Zur Schwimmbaddesinfektion ist sie beliebt, weil mit PHMB der übliche Chlorgeruch ausbleibt. Darüber hinaus wurde Polyhexanid lange Zeit als Konservierungsmittel in Kosmetik eingesetzt.

Warum ist PHMB problematisch?

PHMB zählt zu den sogenannten CMR-Stoffen (Carcinogenic, Mutagenic and toxic to Reproduction), die als krebserregend, erbgutverändernd und reproduktionstoxisch gelten.

Laut Aussagen des wissenschaftlichen Beratergremiums der EU (SCCS) ist der Stoff auch in der früher gültigen Höchstmenge von bis zu 0,3 Prozent in Kosmetika nicht sicher: Denn es besteht der Verdacht, dass PHMB schon beim Einatmen giftig ist. Deshalb wurde die Lösung nun als Gefahrstoff (CMR2) eingestuft und seit Anfang 2015 für den Einsatz in Kosmetika verboten – außer die EU formuliert ausdrücklich eine Ausnahme. Soweit so gut. Aber: Das SCCS behält sich vor, weitere Daten auszuwerten, auf deren Basis möglicherweise eine geringere Konzentration wieder als ungefährlich eingestuft werden könnte – was wiederum eine erneute Zulassung möglich machen würde…

Unser Fazit

Ein klares NoGo! Ein hochwirksames Antiseptikum als Konservierungsmittel einzusetzen, ist buchstäblich wie mit Kanonen auf Spatzen zu schießen. Insbesondere der in der Vergangenheit häufige Einsatz in Intimwaschlotionen, feuchten Reinigungstüchern – und sogar in als besonders mild ausgelobten Babyprodukten – macht stutzig. Auch wenn das EU-weite Verbot zum Einsatz in Kosmetika längst gilt, stoßen die Prüfer von ÖKOTEST leider auch heute noch bei Untersuchungen auf den Gefahrenstoff (so wie im Februar 2016 bei Karnevalsschminkfarben). Die INCI der betroffenen Produkte verriet darüber leider nichts…

Gut, dass PHMB in echter Naturkosmetik generell nicht zum Einsatz kommt. Schließlich bietet die Natur eine kleine, feine Auswahl sanfter natürlicher Konservierungsmittel, bei denen solch verheerende Nebenwirkungen nicht zu befürchten sind. Und mehr noch: Viele Bio-Beauty-Produkte verzichten dank cleverer Ideen in Sachen Herstellung und Verpackung sogar komplett darauf.

Weitere spannende Folgen unserer Serie „Du kommst hier nicht rein“:
EDTA, Triphenylphosphat, Synthetische Duftstoffe, Hexan, Resorcin

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5 Gedanken zu „Du kommst hier nicht rein: PHMB“

  1. gesunde Kritik finde ich gut, allerdings scheint mir hier einiges an Halbwahrheiten enthalten zu sein.
    PHMB ist (momentan) auf der Liste der CMR-Stoffe (http://publikationen.dguv.de/dguv/pdf/10002/kmr_neue_bezeichnung_2016.pdf) „nur“ als Hydrochlorierte Form (Polyhexamethylenbiguanidhydrochloride) enthalten. Das mag erstmal kleinlich klingen, was mich viel mehr stört ist folgender Satz:

    PHMB zählt zu den sogenannten CMR-Stoffen (Carcinogenic, Mutagenic and toxic to Reproduction), die als krebserregend, erbgutverändernd und reproduktionstoxisch gelten.

    Der impleziert, dass PHMB sowohl krebserregen, als auch erbgutverändernd und reproduktionstoxisch sei. Das ist jedoch (nach heutigem Stand) nicht der fall. Es ist „nur“ als krebserregend (Kategorie 2, also „nur“ bei Tieren nachgewiesen und bei Menschen vermutet) eingestuft.

    Trotzdem ein gutes Fazit! Als Medikament kann PHMB im Gespräch bleiben, aber als Konservierungsmittel sollte es mMn nicht eingesetzt werden.

    1. Lieber Thomas, vielen Dank für die detaillierten Ausführungen und die Korrektur! Toll, dass wir so aufmerksame Leser haben. Fakt ist: In Kosmetik hat PHMB einfach nichts verloren – da sind wir uns offenbar einig. Es gibt ja Alternativen ohne dieses Risikopotential.

      Dein naturalbeauty.de-Team

  2. PHMB (Polyheamethylenbiguanid) wird in der Schwimmbadwasser-Desinfektion nach wir vor verstärkt eingesetzt. Man suggeriert hier eine „chlorfreie“ Methode und kommt vom Regen in die Traufe. Da es den Zelltod von Knorpelzellen beschleunigt, darf es nicht ins Innenohr gelangen, (da es das Trommelfell schädigt) was in einem Schwimmbad fast unmöglich erscheint. Das neben seiner Carc.2-Kennzeichnungspflicht.
    Weiterhin wird es als „Überwinterungsmittel“ für Privatbäder genutzt und das mit PHMB kontaminierte Wasser im Frühjahr wieder aufbereitet und genutzt.
    BRAVO Ihr unwissenden Umweltgurus – , wir desinfizieren aber „chlorfrei“ !!!

    1. Hallo Karl-Heinz,

      danke für diese Ausführungen. Ganz klar: PHMB gehört nicht in Naturkosmetik oder generell in die Nähe des menschlichen Körpers.

  3. Ich habe heute ein scheinbares Naturkosmetika für mein Baby bestellt gegen Neurodermitis (MAVENA). Die Drogeri welche es mir verkaufte, wirbt sehr damit das sie gesunde Produkte aus Kräuter und der Natur verkauften. Doch in meiner Babycreme ist tatsächlich Polyaminopropyl Biguanid enthalten. Für BABY!!!!! naja als ich dort anrief wusst die Frau nicht einmal wovon ich sprach und musste im Internet googeln. Dann wollte sie mir den Inhaltsstoff klein reden und das Geld wird wahrscheindlich nicht rückerstattet. (40.- für Gift ausgegeben) bin total wütend!!! Lg an alle erwachten Personen

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