Du kommst hier nicht rein: Phenol

Phenol? Da denkt man spontan an Polyphenole, die Pflanzen Farbe und Geschmack verleihen und als Zutat in Cremes wirksam unsere Hautalterung bremsen. Doch mit denen hat dieser böse Verwandte nichts zu tun. Obwohl Phenol in Kosmetik wegen seiner nervenschädigenden Wirkung verboten ist, wurde dieser Stoff jetzt in Nagellack gefunden.
Titelbild Du kommst hier nicht rein: Phenol Bild: pixabay
Wie findet man Phenol in der INCI-Liste?

Offiziell ist der Einsatz dieses Stoffs in Kosmetik verboten. Deshalb ist es leider nicht möglich, ihn mit Hilfe der Zutatenliste ausfindig zu machen.

Was ist Phenol eigentlich?

Phenol ist der einfachste Vertreter aus der Stoffklasse der Phenole. Dahinter verbirgt sich eine giftige Substanz, die im Jahr 1834 von Friedlieb Ferdinand Runge bei der Destillation von Steinkohlenteer entdeckt wurde. Er gab ihr zunächst den heute noch bekannten Namen Carbolsäure. Da bei der Produktion auch Leuchtgas freigesetzt wird, das früher für Stadtlaternen genutzt wurde, benannte man sie jedoch bald nach dem griechischen Wort „phainomei“ für „leuchten“ in Phenol um. Inzwischen wird der Stoff fast nur noch synthetisch hergestellt.

Was bewirkt Phenol und wo wird es eingesetzt?

Die erste bedeutende Verwendung des Phenols geht auf den englischen Chirurgen Joseph Lister zurück. Bei seinem Kampf gegen die damals nach Operationen häufig auftretenden Wundinfektionen führte er im Jahr 1865 Umschläge mit niedrig dosierter Carbolsäure ein, da dieser Stoff zuverlässig Bakterien killt. Reines Phenol bildet bei Zimmertemperatur farblose Kristallnadeln, die sich gut miteinander vernetzen lassen. In Kombination mit Formaldehyd ließ sich daraus zu Beginn des 20. Jahrhundert der erste vollsynthetische, industriell produzierte Kunststoff herstellen, Bakelit genannt. Auch heute spielt Phenol noch eine wichtige Rolle in Farben und Lacken sowie bei der Produktion von Plastik und Polyamiden. Wegen seiner sterilisierenden Wirkung steckt es darüber hinaus in Desinfektionsmitteln für Klinikräume und ist Teil einiger Pestizide. Um die Haut zu verjüngen, führen Dermatologen manchmal Phenol-Peelings durch. In Kosmetik ist dieser Stoff verboten.

Warum ist Phenol problematisch?

Auf der Haut wirkt Phenol nicht nur antibakteriell, sondern auch stark ätzend – was seinen Einsatz in medizinischen Hautschälkuren erklärt. Die bloße Berührung reicht aus, um absorbiert und ins Blut aufgenommen zu werden. Bei regelmäßigem Kontakt können Leber, Nieren, Nerven und Erbgut geschädigt werden. Beim Einatmen treten häufig Schwindelgefühle, Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit auf. Außerdem belastet Phenol das Abwasser. Dass Öko-Test eine derartig aggressive Chemikalie nun im März 2014 in mehreren Nagellacken entdeckt hat, ist ein Skandal, für den es keine echte Erklärung gibt. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) teilte auf Anfrage des Verbrauchermagazins mit: „Dem BVL liegen keine Informationen über die technische Unvermeidbarkeit von Phenol bei guter Herstellungspraxis von Nagellack vor.“ Und das Landeslabor Berlin-Brandenburg schrieb dazu, dass Nagellacke, die Phenol in den von Öko-Test gefundenen Konzentrationen enthielten, nicht den Anforderungen der europäischen Kosmetikverordnung entsprächen. Wie es hinein gekommen ist – ob vorsätzlich oder als Reaktionsprodukt anderer chemischer Zutaten – bleibt offen.

Unser Fazit

Einen farbigen Nagellack, der die strengen Kriterien für zertifizierte Naturkosmetik erfüllt, gibt es bisher nur von Logona – ansonsten gibt es lediglich einen Klarlack aus Bio-Alkohol, Schellack, Benzoeharz und ätherischen Ölen. Auf rote, pinkfarbene oder lindgrüne Fingernägel, die derzeit sehr angesagt sind, braucht Ihr trotzdem nicht zu verzichten. Bio-Beauty-Hersteller wie Sante oder benecos bieten sogenannte Free-Lacke an, in denen auf schädliche Chemikalien wie Phthalate, Toluol und Formaldehyd bewusst verzichtet wird. Auch Phenol werdet Ihr in diesen Nagellacken garantiert nicht finden.

Weitere spannende Folgen unserer Serie „Du kommst hier nicht rein“: z. B. synthetischer Moschus, Formaldehyd, Triethanolamin, Ammoniak, Aluminium, Azofarbstoffe, Hexan, Paraffin, Parabene, Phthalate, Sodium Laureth Sulfate und Silikon.

Garantiert ohne bedenkliche Inhaltsstoffe sind die Produkte unserer sorgfältig ausgewählten Partner, die alle zertifizierte Naturkosmetik anbieten: PRIMAVERAoceanwell, alverdefarfallaSPEICK und marie w.

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