Du kommst hier nicht rein: PAK

Lange Zeit hatte Kosmetik buchstäblich eine weiße Weste. Schwarze Produkte fand man höchstens im dekorativen Bereich. Seit kurzem gilt jedoch: „Black is beautiful“. Damit hält im Verborgenen die Stoffgruppe der polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) Einzug ins Kosmetikregal – ein gefährlicher Trend. Denn nicht umsonst sind PAK laut Kosmetikverordnung eigentlich verboten.
Du kommst hier nicht rein: PAK, Foto: PIXABAY
Wie findet man PAK in der INCI-Liste?

Bei PAK handelt es sich um eine umfassende Stoffgruppe mit über 100(!) Substanzen, die meist in Form komplexer Gemische vorliegen. In der INCI von Kosmetika wird man PAK als solche nicht entdecken. Vorsicht ist jedoch bei Produkten mit schwarzer Farbe geboten, wie beispielsweise Kajalstifte, Mascara und Rezepturen mit Aktivkohle. In der INCI findet man diese als Charcaol Powder. Auch das Pigment Carbon Black (= Ruß, CI 77266) kann ein Hinweis auf PAK sein. Darüber hinaus kommen die polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe von Natur aus in Erdöl vor und können (ebenso wie MOAH) in konventioneller Pflege mit dem Bestandteil Mineral Oil enthalten sein. Auch kosmetische Produkte, die Azofarbstoffe einsetzen, können mit PAK belastet sein.

Was sind PAK eigentlich?

Die polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe bilden eine Stoffgruppe von organischen Verbindungen, die aus mindestens zwei verbundenen aromatischen Ringsystemen bestehen. Zusätzlich können sich weitere Gruppen anlagern, was zu einem großen Variantenreichtum innerhalb der PAK führt. Es handelt sich überwiegend um neutrale Feststoffe, die nur sehr gering wasserlöslich sind. Naphthalin, ein farbloser Feststoff, ist der einfachste PAK, der aus zwei Benzolmolekülen besteht. Weitere gewichtige PAK sind Anthracen und Benzopyren. Darüber hinaus zählt man Acenaphthylen, Acenaphthen, Fluoren, Phenanthren, Fluoranthen, Pyren, Benzanthracen, Coronen, Ovalen, Tetracen, Pentacen und Chrysen zu dieser Stoffgruppe.

Was bewirken PAK und wo werden sie eingesetzt?

PAK sind natürlicher Bestandteil von Kohle und Erdöl. Auch Teer enthält hohe Anteile an PAK, ebenso Kraftstoffe, Heizöl, Tabakrauch und Geräuchertes, Gegrilltes und Gebratenes. Es entsteht bei der unvollständigen Verbrennung von organischem Material.

Nur wenige PAK-Einzelverbindungen werden gezielt hergestellt und finden als End- oder Zwischenprodukt Verwendung. Naphthalin zum Beispiel dient in der chemischen Industrie als Zwischenprodukt für Azofarbstoffe, Insektizide, Stabilisatoren, Kosmetikzusätze und Weichmacher. Apropos: PAK sind ein natürlicher Bestandteil von Weichmacherölen auf Mineralölbasis. Diese finden zum Beispiel in Kautschukprodukten Anwendung. Tendenziell weisen schwarze Erzeugnisse einen höheren PAK-Gehalt als helle Gummiartikel auf.

Auch Aktivkohle enthält PAK. Sie wird als Filtermaterial in Belüftungs- oder Wasseraufbereitungsanlagen eingesetzt. Ihre bewährte Wirkweise möchte sich seit kurzem auch die Kosmetikindustrie zunutze machen und setzt sie als Inhaltsstoff in Zahncremes, Peelings oder Masken für die „porentiefe Reinigung“ ein. Gemäß EU-Kosmetikverordnung sind PAK aber eigentlich in Kosmetika verboten. Laut Öko-Test befinden sich jedoch immer wieder bedenkliche Mengen der Schadstoffe in Beauty-Erzeugnissen.

Warum sind PAK problematisch?

PAK entfetten die Haut, führen zu Hautentzündungen und können Hornhautschädigungen hervorrufen sowie die Atemwege, Augen und den Verdauungstrakt reizen.

Einige PAK sind beim Menschen eindeutig krebserzeugend, andere stehen unter dringendem Krebsverdacht. Auch die Möglichkeit der Fruchtschädigung oder Beeinträchtigung der Fortpflanzungsfähigkeit besteht.

Die Aufnahme dieser Schadstoffe erfolgt durch die Nahrung und Trinkwasser, durch die Atmung der belasteten Luft über die Lunge (wobei Autoabgase und Tabakrauch für die Bevölkerung am bedeutendsten sind) sowie durch die Haut.

Unser FazitBei PAK sehen wir schwarz! Das Risikopotential dieser Stoffgruppe ist hoch – und im Gegenzug liegen für den Einsatz in Kosmetikprodukten bisher nicht einmal Wirknachweise vor. Wenn sich aber Inhaltsstoffe, die gemäß Kosmetikverordnung nicht zulässig sind, in so rasantem Tempo und noch dazu mit Trendcharakter verbreiten, sind hier definitiv die Behörden gefragt. Dass Verstöße in diesem Umfang geduldet werden, ist uns absolut unverständlich. Allein von den 15 Produkten, die im Januar 2016 von Öko-Test untersucht wurden, enthielt mehr als die Hälfte die gefährlichen Kohlenwasserstoffe. Und sie scheinen laut Öko-Test Redaktion noch dazu eher zu schaden, als in irgendeiner Form zu nutzen: „Wenn man sich mit einem Reinigungsprodukt aufgrund der enthaltenen Schadstoffe fast noch mehr Schmutz auf die Haut reibt als man herunterwäscht, läuft etwas gehörig schief.“ Das können wir nur unterschreiben. Ganz klar: Finger weg!

Neben schwarzer Kosmetik sollte man, wie eingangs erwähnt, auch auf Produkte auf Mineralölbasis oder mit Azofarbstoffen verzichten, um polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen bestmöglich aus dem Weg zu gehen. PAK stehen eindeutig auf unserer Blacklist.

Weitere spannende Folgen unserer Serie „Du kommst hier nicht rein“: PHMB, EDTA, Triphenylphosphat, Synthetische Duftstoffe, Hexan

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