Du kommst hier nicht rein: p-Phenylendiamin (PPD)

Es zählt zu den bekanntesten Allergieauslösern und ist einer der Hauptgründe dafür, dass Blasenkrebs bei Friseuren als Berufskrankheit anerkannt ist. Trotzdem befindet sich p-Phenylendiamin in konventionellen Haarfärbemitteln, besonders in braunen und schwarzen Nuancen. Nur zur Anwendung auf Wimpern und Haut ist er bei uns verboten. In Naturkosmetik ist PPD tabu.
Du kommst hier nicht rein: p-Phenylendiamin (PPD) Bild: pexels
Wie findet man p-Phenylendiamin in der INCI-Liste?

Der Name dieser Substanz ist zwar ein echter Zungenbrecher und schwer zu behalten, aber dafür relativ leicht auf der Verpackung auszumachen, weil er unter sehr ähnlichen Bezeichnungen auftaucht. Am häufigsten findet man p-Phenylenediamine, para-Phenylenediamine, p-Phenylenediamine HCL und p-Phenylenediamine Sulfate.

Was ist p-Phenylendiamin eigentlich?

Hinter p-Phenylendiamin, das auch mit PPD abgekürzt wird, verbergen sich chemische Kristalle, die aus einem Benzolring mit zwei Aminogruppen bestehen. An der Luft oxidieren sie und färben sich dunkel. Man kann die Substanz gezielt produzieren, aber sie fällt auch als Zwischenprodukt bei der Herstellung von Azofarbstoffen an, die Weingummi, Zuckerstreusel und konventionelle Kosmetik bunt leuchten lassen.

Was bewirkt p-Phenylendiamin und wo wird es eingesetzt?

Da PPD stark basisch ist, wird es in konventionellen Colorationen als Hilfsmittel zum Aufweichen des Haarschafts verwendet. Ähnlich wie Ammoniak bricht es die tannenzapfenartig angeordneten Hornschüppchen auf, so dass es gemeinsam mit bleichendem Wasserstoffperoxid und chemischen Farbvorstufen durch die Löcher ins Haarinnere gelangen kann. Dort reagiert es mit den anderen Zutaten zur endgültigen Farbe und verleiht speziell Brauntönen und Schwarz eine ganz besondere Brillanz. Darüber hinaus steckt PPD auch in Textilfärbemitteln, Foto-Chemikalien und einigen ausländischen Henna-Tattoo-Pasten.

Warum ist p-Phenylendiamin problematisch?

PPD gehört zum Stoffkreis der aromatischen Amine, die auch als Schadstoffe in Abgasen und Zigarettenrauch vorkommen und fast alle als kanzerogen eingestuft werden. Als Zusatz in Haarfärbemitteln fördert p-Phenylendiamin bewiesenermaßen die Entstehung von Tumoren im Harntrakt, weshalb Blasenkrebs seit 2001 von der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege als Berufskrankheit bei Friseuren anerkannt wird. Dagegen ist ein anderes Problem, für das PPD verantwortlich ist, zwar unangenehm, aber vergleichsweise harmlos: Es ruft heftige Allergien hervor. Die Kopfhaut juckt, brennt, wird feuerrot und schuppt sich. Auf dem internationalen Dermatologen-Kongress in San Francisco wurde p-Phenylendiamine daher 2006 zum „Kontaktallergen des Jahres“ erklärt. Vor ein paar Jahren geriet der Stoff zudem wegen Henna-Tattoos in die Schlagzeilen, da dem Färbepulver in südlichen Ländern häufig PPD beigemischt wird. Dadurch kam es bei etlichen Urlaubern zu schmerzhaften Entzündungen und Ausschlägen. Auch Bio-Colorationen wurden durch diesen Misch-Trick kürzlich zu Unrecht in Misskredit gebracht. Bei einer Untersuchung des Verbrauchermagazins Öko-Test fielen 15 von 33 untersuchten Pflanzenhaarfarben durch, weil sie synthetische Substanzen wie PPD enthielten, sich also zu Unrecht einen grünen Anstrich verpasst hatten. In zertifizierter Naturkosmetik steckt die Chemikalie selbstverständlich nicht drin.

Unser Fazit

Wer sich vor Hautausschlägen und Krebs schützen möchte, sollte um konventionelle Haarfärbemittel einen großen Bogen machen. Obwohl das Bundesinstitut für Risikobewertung vor einem Allergierisiko warnt, hält der Industrieverband Körperpflege und Waschmittel (IKW) die Chemikalie für sicher und vertritt die Auffassung, es handele sich bei Gesundheitsproblemen, die damit in Zusammenhang stehen könnten, um bedauerliche Einzelfälle. Die EU hat Ende 2011 lediglich beschlossen, dass konventionelle Colorationen mit einem Warnhinweis versehen werden müssen, dem zufolge das Produkt nicht für Personen unter 16 Jahren geeignet ist. Achtet bei Pflanzenhaarfarben unbedingt auf die Bio-Siegel von BDIH, NATRUE oder Ecocert. Dann steht Eurer Farbenfreude garantiert nichts im Wege.

Weitere spannende Folgen unserer Serie „Du kommst hier nicht rein“: z. B. Polyquaternium, EDTA, Climbazol, Phenol, Triclosan, synthetischer Moschus, Formaldehyd, Triethanolamin, Ammoniak, Aluminium, Azofarbstoffe, Hexan, Paraffin, Parabene, Phthalate, Sodium Laureth Sulfate und Silikon.

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